Kontrolle..

„Hast du häufig bessere Gedanken, gewinnst du eher die Kontrolle über dich selber wieder“

Das hat ein guter Kumpel gestern zu mir gesagt, als ich mit ihm darüber geredet habe, wie es mir geht, und warum ich mich so isoliere und so.
Er meinte, dass ich mich selbst verletze, heißt, dass ich keine Kontrolle über mich habe. Doch gerade dadurch habe ich Kontrolle.. das ist das einzige, was ich noch kontrollieren kann.. Warum versteht das keiner?
Aber ich find das süß, dass er sich so Gedanken macht, und dass es ihm überhaupt auffällt, obwohl wir wenig Kontakt haben seit dem er weg gezogen ist zum studieren.

 

 

Soziale Isolation

Ich merke immer mehr, wie ich mich mehr und mehr isoliere…
Bei vielen Freunden traue ich mich schon gar nicht mehr, mich zu melden, weil ich dies ewig nicht getan habe.. und ich habe Angst, dass sie dann sauer sind, und ich mich nur melde, weil mir langweilig ist oder es mir nicht gut geht.
So richtig ist mir das letztens aufgefallen, als mir eine Freundin, die ich bei meiner letzten stationären Therapie kennen gelernt habe, schrieb, ob ich sie noch kennen würde. Ich würde mich so wenig melden, sie machte mir richtig Vorwürfe. Teilweise berechtig, teilweise nicht. Aber ich habe mich wirklich sehr, sehr selten gemeldet. Und so ist das bei viele.
Es ist nicht so, dass ich das beabsichtigt mache. Ich weiß, dass mir das nicht gut tut. Ich will da auch raus kommen, aber es ist echt verdammt schwer. In letzter Zeit merke ich das immer, immer mehr. Ich sitze rum, mir ist todeslangweilig, und ich weiß nicht, was ich machen soll. Ich lese bei Facebook, dass alle abends etwas zusammen machen, gerade am Wochenende. Mich fragt auch schon kaum wer, weil ich eh immer nein sage. Aber ich traue mich einfach nicht, unter Menschen zu gehen. Vor großen Menschenmassen habe ich eh wieder tierische Angst, aber ich traue mich auch selten, überhaupt unter Menschen zu gehen. Geraden, wenn ich weiß, dass sie mich nicht verstehen. Bei Leuten, die auch psychisch krank sind oder sich damit auskennen/Erfahrungen haben, fällt mir das einfacher.
Und wenn ich mich dennoch mal überwinde, etwas zu machen, dann macht es auch Spaß und ich freue mich, also zu 90 %. Nur erstmal überwinden… Zudem habe ich ja im Moment noch die Ausrede, dass ich für die Prüfungen lernen muss. Doch nichtmal das mache ich…
Außer mit A. habe ich nicht wirklich viele intensive Kontakte, außer eben in der Schule. A. zwingt mich manchmal einfach, etwas mit ihr zu machen. Auch wenn es mir schlecht geht, oder besonders wenn es mir schlecht geht. Sie ist dann auch oft die einzige, die ich sehen will. Ich weiß nicht, warum. V. würde ich auch gerne öfter sehen, doch bei A. ist das einfacher. V. wohnt etwas weiter weg, eigentlich kein Problem, nur A. kann mich abholen, wohnt im Nachbarort, und das geht auch spontan, auch mal nur für eine Stunde. Und ich kann auch mal eben schnell dahin fahren oder mich fahren lassen. Zu V. geht das nicht so einfach…

Ist doch alles blöd so… Ich hoffe, dass das alles besser wird, sobald die Prüfungen vorbei sind. Dann kann ich wieder intensiver an meinen Problemen arbeiten, meine soziale Isolation angehen, ohne im Hinterkopf haben zu müssen, dass ich eigentlich lernen müsste, und kein Spaß haben dürfte…

Sieh mich an!

„Sieh mich an!“
Diesen Satz sagte er immer, mein Ex. Immer, wenn ich fertig war mit der Welt, kurz vorm dissoziieren, oder wenn ich apathisch da saß.
Wenn ich anfing zu weinen, mich in den Sofakissen oder im Bett bei ihm vergraben wollte. Wenn ich mich weg drehte, weglief, auf den Boden sah.
Immer, wenn irgendwas war, wenn er sich Sorgen machte, und ich ausweichen wollte.

Krass, dieser eine Satz versetzt mich gerade gefühlsmäßig um ein paar Jahre zurück, diese starke Sehnsucht nach der Liebe, Zuneigung, Wertschätzung ist plötzlich wieder da.

Absage

Die vom FSJ haben angerufen. Ich wusste gleich, dass ich mir nicht zu sicher sein sollte. Ich hätte den Mund halten sollen. Die haben abgesagt. Sie haben Angst, dass ich mich nicht von den Jugendlichen abgrenzen kann, dass ich überfordert wäre und mich das an meine Grenzen bringen könnte, und die dort könnten mich nicht auffangen, das Risiko wollen sie nicht eingehen. Sie meinte, dass ich vielleicht lieber mit jüngeren arbeiten sollte, das wäre besser und einfacher für mich. Ich mag kleine Kinder, ja, aber ich will doch so gerne mit Jugendlichen arbeiten…Ich war gerade in der Schule, als die angerufen haben. Hab in der Pause zurück gerufen, war dann schon sauer und enttäuscht. Gerade weil sie gesagt haben, dass sie sich auf mich freuen, als ich angerufen habe und meine Entscheidung mitgeteilt habe. Sowas sagt man nicht, wen man sich nicht sicher ist.
Ich bin dann nach der 4. Stunde nach Hause gefahren, ich hatte sooo schlechte Laune, ich hätte meinen Politiklehrer nicht noch ertragen können, ich hasse ihn sowieso. Ich bin also ins Auto gestiegen, habs Fenster auf gemacht und die Musik voll aufgedreht, die Sonne hat geschien und ich bin mit 120 nach Hause gefahren, bis ein LKW vor mir war. Dann habe ich noch einen Trecker überholt. Zum ersten Mal in meinem Leben überholt! Erfolgserlebnis.

Während dessen habe ich nochmal ein wenig darüber nachgedacht. Die haben genau meine Zweifel bestätigt, die ich anfangs hatte. Auf der einen Seite ist es wohl gar nicht so schlecht, dass sie mir abgesagt haben, denn ich hätte von mir aus niemals gesagt, dass ich das nicht kann. Aber abgesehen von den Aspekten, ist es natürlich wieder eine Enttäuschung, wodurch ich mir wieder einrede, dass ich nichts kann, dumm bin, mich niemand mag und nichmal so ein Platz für ein FSJ bekomme. Zudem bedeutet das wieder Stress. Erstmal bewusst machen, was ich jetzt machen möchte. Dann neue Stelle suchen, dann dorthin fahren, mich dort vorstellen, hoffen und bangen… etc…
Und vorhin war der Wunsch ganz groß, einfach hier zu bleiben. Ein Praktikum oder so zu machen. Das wird mir gerade alles zu viel… Außerdem könnte ich meine Therapie in Ruhe weiter machen. Und das, wo nächste Woche meine Prüfungen anfangen…  ARR >.<

Außerdem habe ich jetzt keinen Grund mehr, von dem Selbstverletzenden Verhalten wegzukommen. Und ich habe ja schon seit Wochen so Druck, habe nur immer an das FSJ gedacht, wo ich meine gesunde Seite zeigen muss.. Aber jetzt? Niemand interessiert es. Ich kann wieder Tabletten schlucken. Ich muss nicht damit aufhören, mich abzuschießen, warum auch? Wofür?

(Lebens)Müde

Müde. Ich bin nur noch müde. Egal wie viel oder wenig ich schlafe, egal ob ich gerade aktiv etwas mache oder nur faul rum liege. Immer diese Müdigkeit! Sie klaut mir jegliche Motivation, und falls diese doch mal da ist, fehlt mir die Konzentration. Und das soo kurz vor den Prüfungen! Kann das nicht noch ein paar Wochen warten? Ich kriege nichts mehr auf die Reihe. NICHTS!
Das ist erbärmlich.. Traurig… Deprimierend..
Warum kann nicht einmal etwas gut laufen?

Und dann auch noch diese Todessehnsucht, die am stärksten ist, wenn ich durch die Müdigkeit unkonzentriert bin und nichts hinbekomme, was mich dann zum verzweifeln bringt. Ich könnte dann jedes Mal heulen, würde am Liebsten allem ein Ende setzen. Manchmal sage ich das auch, wenn gar nichts mehr geht… Das ist dann peinlich. Aber es kommt einfach aus mir raus, ohne dass ich das will. Ich bin dann so verzweifelt, habe sehr große Selbstzweifel, was dann irgendwann in überdimensionalen Selbsthass umschlägt und zu Suizidgedanken führt.. Ewiger, ekliger Teufelskreis..