‚Du MUSST..‘

‚Du MUSST dich endlich selbst verletzen. Und zwar nicht so kleine Kratzer, wie die letzten Male. Du musst endlich beweisen, dass du es noch kannst. Dass du nicht nur so daher geredet hast. Du musst zeigen, dass es wirklich so ist. Dass die ‚Sorge‘ und der Vertrag nicht unnötig ist. Zeig es allen! Du kannst es doch noch, oder? Beweis es. Oder sie werden dich irgendwann nicht mehr ernst nehmen. Dann hast du Pech!
Und sag, dass du deine Tabletten wieder normal haben willst. Dass du damit umgehen kannst und nicht sammelst. Und dann sammel. Bis du genug hast, um dich umzubringen! Du kannst es doch noch, die Menschen manipulieren?! Zeig es! Los!
Ich verbiete dir, ehrlich zu sein. Du kannst nicht so weiter machen, wie bislang. Wohin sollbdad führen?!
Das geht so nicht weiter!
Du Versagerin!‘

Ja. Die Stimmen sind wieder laut. Aber ich kämpfe. Morgen muss meine Betreuerin mit meiner Psychiaterin telefonieren und erzählen, wie es mir geht. Was soll ich nur sagen?

Still fighting

Ich habe also als erstes meiner gesetzlichen Betreuerin davon erzählt, dass die Stimmen wieder da sind. Weil sie die einzige in meinem Momentanen Umfeld ist, die das vom letzten Jahr kennt und Bescheid weiß. Erst wollte ich nicht, dass sie es irgendjemandem sagt und schon gar nicht zum Arzt gehen. Irgendwie hat sie mich dann überzeugt bekommen, dass ich mit ihr hin gehe und mir helfen lasse. Sie sagt, so biete ich den Stimmen die Stirn und ergebe mich nicht kampflos. Dann habe ich gemeint, dass die hier aus der Einrichtung ja dann auch Bescheid wissen müssten, zumindest mein Bezugsbetreuer. Ich konnte ihm das allerdings nicht sagen. Am nächsten Tag hat sie dann mit ihm telefoniert mit meiner Erlaubnis und ihn darüber in Kenntnis gesetzt. Dann hat sie bei meiner Ärztin einen Notfalltermin gemacht und so konnten wir Freitag hin. Am Telefon sagte sie schon,  dass sie das Olanzapin hoch setzten möchte. Aber dass wir das beim Termin besprechen.
Donnerstag hatte ich dann einen Termin bei meinem Bezugsbetreuer und er hat gefragt, wie das so ist mit den Stimmen, wie es mir geht usw.. Konnte einigermaßen drüber reden, aber es war schwer. Hab ihm gesagt, dass ich Angst habe, wieder in die Klinik zu müssen und/oder mit Tabletten voll gestopft zu werden. Er hat gesagt, dass wir es erstmal so mit Tabletten versuchen und wenn das nichts bringt, schauen wir weiter.
Freitag beim Termin habe ich mich erstmal nicht getraut, was zu sagen, anfangs hat meine Betreuerin geredet. Dann hat die Ärztin mich einiges gefragt und mit Schwierigkeiten konnte ich etwas drüber reden. Sie hat auch meine Bedenken bezüglich des Olanzapins verstanden und gesagt, dass man nicht nur zu nimmt, wie meine Befürchtung und Erfahrung war, sondern dass es auch negativ den Stoffwechsel und die Blutfettwerte beeinflusst. Sie hat gesagt, dass das ja schon ein gravierendes Problem sei und wir unbedingt etwas machen müssen. Ich soll das jetzt mit den Tabletten probieren und nächste Woche berichten, wie es mir erging. Achso, ich bekomme nun Risperdal.
Freitag war ich dann den ganzen Tag fast mit meiner Betreuerin unterwegs, weil ich Ablenkung brauchte. Es war so laut in meinem Kopf… Weil ich mir Hilfe geholt habe und nicht nachgebe.
Beide sagten aber, dass sie stolz auf mich seien, weil ich geredet hab und nicht einfach darüber schweige. So bekämpft man die Stimmen schonmal.
Und trotzdem komme ich mir immer noch total verrückt vor, wenn ich darüber rede/schreibe. Obwohl die Ärztin auch sagte, dass das nicht so ungewöhnlich sei bei einer Borderline-Erkrankung.
Heute hatte ich wieder einen Absturz. Die Stimmen waren selbst in Gesellschaft da und ich konnte nichts sagen. Kaum war ich alleine, hab ich geschnitten. Die Suizidgedanken waren zeitweise so stark, dass ich froh war, nicht allein gewesen zu sein. Im Nachhinein. In dem Moment hätte ich gerne nach gegeben.
Aber ich kämpfe, gebe nicht auf.

Wir reden und reden aber reden aneinander vorbei…

Letzte Woche hatte ich einen Termin bei der neuen Psychiaterin. Sie ist sehr nett, aber irgendwie auch streng. Wenn man das im Zusammenhang mit einer Ärztin sagen kann. Aber auch sie versteht mich nicht. Ich rede und rede aber niemand versteht mich.
Mein Betreuer hat erzählt, dass ich Tabletten gesammelt habe und dann wollte sie wissen warum. Ich hab versucht, es zu erklären. Habe gesagt, dass ich sie als Sicherheit brauche, falls es mir sehr schlecht geht. Und ich mich nicht melden kann. Damit ich sie dann griffbereit habe und mich betäuben kann. Und sie denkt, ich kann nicht gut genug schlafen. Versteht es einfach nicht. Ich hab gesagt, dass ich keine Medis mehr nehmen will. Aber irgendwann hab ich resigniert und hab sie machen lassen. Nun wurde das Dominal erhöht.
2 mal habe ich die doppelte Dosis genommen und hatte jeden morgen einen Riesen Überhang, sodass ich mit der Betreuerin ausgemacht habe, hier in der Freizeit nur eine zu nehmen und zu Hause ein paar Tage 2 probiere, und vielleicht später in die Tagesstruktur komme. Vielleicht muss sich mein Körper auch nur dran gewöhnen. Wenns nicht besser wird, muss ich wohl noch mal zu der Ärztin…:|

The voices are back…

Nun… Leider geht’s mir nicht mehr so gut. Ehrlich gesagt wundert es mich auch nicht, nach diesem langen Hoch.
Die Stimmen sind wieder da, seit vorgestern. Wir sind seit letzter Woche Mittwoch auf Freizeit, fahren morgen wieder heim. Die ersten Tage war alles super, doch jetzt… Die Stimmen sind so laut und ich diese Nacht alleine im Zimmer. Ich weiß nicht, ob ich die Nacht unbeschadet überstehe. Aber ich gebe mein bestes.
Ich darf nicht darüber reden, dass sie zurück sind. Nicht mit Betreuern oder Ärzten. Es ist zu gefährlich, die Konsequenzen könnten zu groß sein. Aber noch habe ich die Hoffnung nicht aufgegeben, dass sie so schnell verschwinden, wie sie gekommen sind.
Ich hoffe, ich komme aus dem Loch wieder raus, die Stimmen verschwinden wieder.

Tabletten

Ohje… Die letzten Tage war was los. Am Montag hat meine Mitbewohnerin einem Betreuer gesagt, dass ich Tabletten sammel. Als wir betrunken waren, hat sie das wohl irgendwie aus mir raus gekriegt. Und der hat erstmal ganz locker reagiert und wollte nur wissen, welche, damit mir im Falle eines Falles besser geholfen werden kann. Er fände das nicht schlimm, hat er früher auch gemacht. Wir dachten beide, dass die Sache damit gegessen wäre. Am Dienstag war ich dann bei meinem Bezugsbetreuer im Büro, der vorher ein paar Tage nicht da war, und er liest die Doku und fragte, ob ich scheiße gebaut hätte. Ich hab nein gesagt, und er meinte, da steht nur, dass ich Geld abgeholt habe. Dann las er weiter und meinte: Oh, sie sammeln Tabletten? Dann haben wir jetzt ein Problem. Super, damit gings dann los. Wir haben geredet, er wollte die Tabletten haben, und ich wollte sie nicht abgeben. Irgendwann meinte er, er muss überlegen, wie es jetzt weiter geht und wie wir das mit meinen Nachtmedis machen, denn bis dato hab ich die abends immer bekommen und sie genommen, wenn ich schlafen wollte. Er wollte dann nochmal vorbei kommen. Hintenrum habe ich dann, als ich wieder in der Wohnung war, über meine Mitbewohnerin mitbekommen, dass mein Bezugsbetreuer mit meiner gesetzlichen Betreuerin telefoniert hat. Mir hat niemand was davon gesagt. Ich habe sie dann angeschrieben und gefragt, was das soll und was denn jetzt bitte raus gekommen ist. Da meinte sie nur, ich sollte das lieber mit meinem Bezugsbetreuer klären, der dann auch kurz danach kam. Er meinte dann, dass ich die abgeben soll und wenn ich das nicht mache, soll er sie nochmal anrufen. Wir haben dann zusammen mit ihr telefoniert, obwohl eigentlich nur ich mit ihr darüber diskutiert habe, ob ich die jetzt abgebe und warum nicht. Und das eine viertel Stunde lang, bis ich aufgelegt habe, mit dem Ergebnis, dass die beiden nochmal telefonieren und dann hab ich ihn raus geschmissen, aus meinem Zimmer. Als er dann im Büro war, hatte eine Mitklientin, die bei uns zu Besuch war, einen Krampfanfall und dann war ich vollends am Ende. Nach Diskussionen über den ganzen Tag hinweg, die eh schon an meinen Nerven gezerrt haben, war ich dann vollkommen fertig und bin heulend zusammen gebrochen. Mein Bezugsbetreuer kam dann nochmal, mit Unterlagen für K., bzw. Dem Notarzt und ich bin dann mit ins Büro, erstmal zu einer anderen Betreuerin, weil ich so fertig war. Danach habe ich nachgegeben, weil ich keine Kraft mehr hatte, zu kämpfen, und hab gesagt, dass ich alle Tabletten abgebe, bis auf 3. Denn meine gesetzliche Betreuerin hatte mir mit Klinik und Pflegedienst gedroht. Ich hatte einfach keine Kraft mehr. Ich bin dann in die Wohnung, um die Tabletten zu holen, und während dessen, hat mein Bezugsbetreuer mit meiner gesetzlichen telefoniert, die bestimmt hat, dass ich nur 2 behalten darf. Wieder endlose Diskussion, bis ich völlig fertig war und einfach nachgegeben hab. Natürlich war ich dann todessauer auf meine gesetzliche Betreuerin. Aber ich konnte nicht mehr. Am nächsten Tag sollte dann besprochen werden, wie das mit den Nachtmedis nun weiter geht. Nebenbei habe ich dann am Mittwoch erfahren, dass mein Bezugsbetreuer wieder mit meiner gesetzlichen telefoniert hatte und ich die Medis jetzt immer Abends/Nachts im Büro abholen und unter Aufsicht schlucken muss. Und dann tauchte meine gesetzliche echt gestern in der Tagesstruktur auf und fragte, ob ich noch sauer sei und dass sie ja eigentlich sauer sein müsste, weil ich ihren Feierabend verdorben habe. Super. Und jetzt steigert sich alles immer mehr und mehr und das Problem zwischen uns wird immer größer und größer. Doch da ich bei meinen Eltern bin, können wir erst nächste Woche reden. Ich kenne sie so nicht, sie war nie so. Das hab ich ihr auch gesagt. Da kam nur, dass sie in Richtung eigengefährdung klare Grenzen setzt, die ich auch bräuchte. Und dass sie mich so auch nicht kennen würde, wie ich jetzt bin. Dabei geht’s mir total gut! Abgesehen von dem Ärger… Und jetzt ist das Vertrauen erstmal weg und die Angst groß, dass sie mir jedes mal wieder mit Klinik droht. Und bei meinem Bezugsbetreuer habe Ich Angst, dass er bei jeden Bisschen meine gesetzliche Betreuerin anruft. Läuft gerade alles… Rückwärts und bergab.