So lonely…

Ich fühle mich so einsam, allein gelassen. Schaue mir Bilder von früher an, mein altes Facebookprofil – und es macht mich einfach nur traurig. Früher gings mir auch nicht gut, aber ich hatte Menschen, die immer für mich da waren. Ich hatte Spaß, Freunde mit den ich was unternehmen konnte. Wenigstens ein paar Menschen, die mich so genommen haben, wie ich war. Und heute? Sitze ich alleine da. Ohne Freunde. Zumindest ohne Freunde in meiner Nähe. Keiner, der mich abholt, wenn ich in einem Loch stecke und etwas mit mir macht. Niemand der mich zum Lachen bringt, obwohl mir eigentlich gar nicht danach ist. Niemand, der mich mal in den Arm nimmt und mir sagt, dass alles gut ist. Niemand, dem ich was bedeute. Niemand der mich braucht. Niemand, einfach niemand. Alleine mit mir und den Problemen, alleine mit dem ganzen Selbsthass und der Angst… alleine mit allem. Ich hätte gerne jemanden, den ich immer anrufen könnte, und dann vorbei kommt. Oder einfach irgendwen, der mal vorbei kommt. Aber ich habe nur die Betreuer, meine Eltern und meine Mitbewohnerin. Nicht falsch verstehen, ich bin froh, dass ich wenigstens die habe, aber die sind ja auch nicht immer da. Und meine Eltern wohnen leider etwas weg. Bin froh, wenn ich die einmal die Woche sehe, und das auch nur, weil die Klinik näher ist als die Wg.
Ach man, ich fühle mich gerade so schrecklich allein und bin so voller Selbsthass. Warum habe ich das alles kaputt gemacht? Warum? Bin ich so ein schlimmer Mensch, dass man mich nicht ertragen kann? Ja? Dann tut es mir leid, ich will niemandem schädigen oder belasten. Vielleicht habe ich es einfach nicht verdient, Menschen zu haben, die mich mögen, für mich da sind. Vielleicht muss es so sein, damit ich niemanden verletzen kann. Vielleicht sollte ich doch einfach von der Welt gehen, damit ich für niemanden mehr eine Last bin…

Es geht auch anders!

Tut mir leid, dass lange nichts kam. Ich bin viel mit mir selbst beschäftigt und oft gibt es so ein Durcheinander in mir, dass ich keine Worte dafür finde und nichts gescheites raus kommt, wenn ich es versuche aufzuschreiben. Aber jetzt möchte ich doch mal ein wenig berichten.

Es geht langsam vorwärts. Ich habe mich erst einmal selbst verletzt, seit ich hier bin. Nach ca. 4 Wochen. Oft ist es sehr kritisch und schwer, aber bislang habe ich es dann doch immer anders geschaft, da raus zu kommen. Manchmal denke ich, ich schaffe dieses ‚recovern‘ nicht, ich bin nicht stark genug und noch nicht bereit. Dann möchte ich alles aufgeben. Fressen, kotzen, schneiden, hungern und alles andere destruktive auf einmal machen, weil die Anspannung, Verzweiflung und alles so groß und stark ist. Weil ich nicht weiß, wie ich anders da raus kommen soll. Weil es der geowhnte und ‚einfache‘ Weg ist, der Weg, der ganz sicher funktioniert. Alles andere ist neu, unbekannt, angst machend und verbraucht viel Kraft, die ich manchmal nicht habe. Doch obwohl ich oft in den letzten Wochen an dem Punkt war, wo ich dachte, es geht nicht mehr, habe ich es immer anders geschafft! (Ich wurde in meinem Schreibfluss unterbrochen und bin gerade dezent wütend und möchte die Prinzessin töten… Bin jetzt im Aufenthaltsraum, da sie das Tippen der Tasten gestört hat..Zum Glück ist sie Mittwoch weg!) Kein Svv seit dem 21.2. und seit dem 29.2. nicht mehr übergeben! Es ist oft sehr schwer, und das mit dem normal essen klappt noch nicht so ganz… entweder viel zu wenig oder zu viel… aber immerhin ohne Übergeben. Die Zahl auf der Waage bestimmt jedoch sehr meine Laune. Seit ich hier bin, habe ich 9 kg abgenommen. Manchmal wochenlang nichts, manchmal 3 kg in einer Woche. Je nachdem wie ich gehungert/gegessen habe…
Also irgendwie schade ich mir ja doch noch, in einer abgeschwächten Form eben, durchs Hungern… aber auch das versuche ich in den Griff zu bekommen.
Und manchmal, wenn ich so eine schwierige Zeit überstanden habe, ohne mich zu verletzen oder so, dann bin ich doch ein wenig stolz auf mich. Dann merke ich, dass es ja doch irgendwie ohne geht und ich doch mehr aushalten kann, als ich manchmal glaube. Langsam traue ich mich auch immer mehr, bescheid zu sagen, wenns nicht mehr geht, oder kritisch ist. Wenn ich irgendwie Hilfe brauche. Aber erst langsam…
Mein Entlassungstermin sollte der 19.4. sein, dann wäre ich genau 12 Wochen hier. Aber meine Therapeutin will jetzt nach Ostern nochmal mit mir reden, und wir wollen schauen, ob ich nicht etwas länger bleibe. Weil ich gerade erst anfange, mich zu öffnen und Hilfe einzufordern und anzunehmen. In manchen Situation hätte ich schon längst zur Klinge, zu Tabletten oder sonst irgendwas gegriffen, wenn es verfügbar gewesen wäre. Meine Rasierer habe ich abgegeben, eben darum. Und dann habe ich aber der Therapeutin gesagt, dass das ja irgendwie blöd ist, weil ich zu Hause ja auch schlecht alles weg sperren kann, und das will ich auch gar nicht. Ich muss ja irgendwie lernen, ‚gefährliche‘ Gegenstände um mich zu haben, ohne mich gleich zu zermetzeln. Sie meinte, dass es auf der einen Seite stimmt, ABER ich bin ja hier, um es zu lernen. Im geschützen Rahmen zu lernen, anders mit Anspannung, Gefühlen, Ärger, Angst, Selbsthass usw. umzugehen. Und wenn sich das etwas vertieft hat, dann kommt der nächste Schritt. Eins nach dem anderen.