15.06.2019 – Psychiatrisches System

Es ist Nacht, alles schlummert und es ist still, außer das leise Schnarchen und atmen meiner drei Mitbewohner. Irgendwie beruhigend. Die ganze Station ist still, den ganzen Tag schon, viele waren/sind im Wochenende. Ich wollte nicht.

Und da bin ich schon beim Thema: Am psychiatrischen System hängen.

Ich merke die letzten Tage, wie sehr ich an diesem System aus Schutz und Verantwortung abnehmen hänge. Zumindest momentan. Ich kriege Panik beim Gedanken, bald wieder in die Wg zu müssen. Nicht, weil es mir nicht gefällt, nein. Auch nicht, weil ich dort Probleme habe oder die Menschen nicht mag. Ganz im Gegenteil. Aber: Es überfordert mich im Moment so sehr. Der volle Tagesplan, die straffe Struktur, das alles kriege ich gerade nicht hin. Bzw. Ertrage ich nicht. Es ist zu viel. Es macht mir Angst, es setzt mich unter Druck.

Dann sollte es ja für den Moment okey sein, hier in der Klinik zu sein. Und es fühlt sich auch besser an, erleichternd.

Aber diese Frage: Flucht oder Auszeit?

Flüchte ich vor all dem? Sollte ich mich dem stellen? Oder ist es okey, die Auszeit zu nehmen, bis ich wieder stabiler bin? Ich schwanke zwischen den Möglichkeiten hin und her, diskutiere mit mir, bin zerrissen und finde keine klare Antwort.

Es jährt sich im Moment und den letzten Wochen vieles: Letztes Jahr Muttertag hab ich das letzte Mal Mama gesehen, jetzt vor einem Jahr das letzte Mal mit ihr telefoniert, kommenden Donnerstag das letzte Mal mit ihr geschrieben und ihre Stimme das letzte Mal gehört via Sprachnachricht. Und dann in der Nacht zu Freitag ist sie ins Koma verlegt wurden. Ich war auf einem Festival und mein Papa hat mir Sonntag erst Bescheid gesagt. Den Dienstag danach war ich bei meiner Familie und habe sie ein paar letzte Male im Koma gesehen und es war schrecklich. Danach musste ich in die Klinik. Und am 10.7.2018 ist sie dann für immer eingeschlafen. Und ich war hier. Wo ich jetzt auch bin. In der Klinik. Konnte nicht zu meiner Familie. Ich erlebe es immer und immer wieder, diese schrecklichen Wochen. Diese Anrufe, dieser Moment, wo ich mit der Ärztin und meiner Betreuerin im Arztzimmer sitze und mir die Nachricht überbracht wird. Die Verzweifelung, Angst, Trauer, Wut. Ja, ich erlebe es immer und immer wieder. Und es tut so weh, so so weh.

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