Focus on the good

Mir ist letztens, zusammen mit einer Freundin, aufgefallen, wie schön das Leben sein kann und wie sehr mir die schwere Depression der letzten Jahre das schöne am Leben genommen hat.
Dinge, die ich früher gehasst habe, mach ich jetzt gerne und machen mir kaum noch Probleme. Ich stehe zum Beispiel mittlerweile echt gerne früh auf und bin auch gerne den ganzen Tag wach, was vor einem halben Jahr noch undenkbar war.
Jedem, der mir erzählt hat, es wird leichter, hab ich nur angelächelt und ja gesagt, aber nicht wirklich geglaubt.
Doch jetzt kann ich sagen, dass es wirklich leichter wird. Einfacher. Die Dämonen in meinem Kopf treten den Rückzug an und die Welt wird wieder bunter!
Ehrlich, vor einem halben Jahr noch hab ich das niemandem geglaubt. Aber zum Glück habe ich trotzdem noch einen Funken Hoffnung gehabt.
Die schwere Depression hat mir viele, viele Jahre meine ganze Kraft geklaut und den Spaß am Leben.

Und ich bin so glücklich und zufrieden, fest gestellt zu haben, dass die Welt so schön sein kann.
Dass die Welt viel bunter ist, als noch vor einiger Zeit.
Dass der Tag schön sein kann, auch wenn er lang und anstrengend ist.
Dass es gar nicht mehr so schwer ist, Ordnung zu halten.
Dass ich mir mein Zimmer schön mache und mich dort wohlfühle und es mein schöner Rückzugsort ist.
Dass ich wieder raus gehe, Spaß haben kann und mich nicht den ganzen Tag verkrieche.
Dass ich Gesellschaft ertrage und meistens sogar schön finde.
Aber dass ich auch die Zeit alleine oft schon genießen kann und mich die Einsamkeit nicht quält.

Ich bin so dankbar, dass ich hier sein kann.
Darf.
Dass ich diese Chance bekommen habe.
Und dass ich sie nutzen kann.
Und dass die Menschen so lieb zu mir sind und mir immer versuchen zu helfen.
Dass sie mir oft ein Lächeln ins Gesicht zaubern können, obwohl gerade noch alles schwarz war.
Dass ich durch die Menschen hier, wieder ins reale Leben zurück gefunden habe.

DANKE KÖRPER, DASS DU IMMER WEITER GEMACHT HAST, AUCH WENN ICH ES NICHT WOLLTE!

Es ist noch lange nicht alles gut, aber wird jemals alles gut werden? Aber es wird besser werden, noch besser. Und noch leichter. Und noch schöner.
Ich muss und will noch viel lernen, aber der größte Schritt, nämlich die Entscheidung FÜR DAS LEBEN, ist gefallen, seit einem halben Jahr steht sie und ich steh dazu!

Aufgeben ist keine Option

Hey ihr Lieben…

Ich bin wohl echt krass abgestürzt, stand kurz vor der (Zwangs)Einweisung.. doch ich habe noch eine Chance bekommen, es so, ohne Klinik, zu schaffen. Dank unserer Ergotherapeutin, die mit mir ein „Wofür“ gesucht und gefunden hat, dank meinem Überlebens- und Lebenswillen, dank meinem Daddy, der so gut mit macht und dank meinen lieben Mitbewohnern hier!

Wenn ich weiß wofür ich kämpfen muss, soll, will, dann fällt es mir leichter, als wenn nur das große, schwarze Nichts vor mir ist, ich kein Ziel mehr habe und keinen Sinn mehr im Kämpfen sehe.

Ich darf im Moment nicht weg fahren, und will auch nicht zu Papa heim. Obwohl ich Papa so sehr vermisse. Aber ich glaube, ich würde es im Moment nicht aushalten daheim.. die ganzen Erinnerungen, diese Leere und Ruhe… Und das habe ich vor 1 1/2 Wochen meinem Papa erzählt. Da ich ja bald Geburtstag habe, wollte ich eigentlich die Woche danach heim fahren um mit meiner Familie zu feiern und mit meiner Familie was zu unternhemen, um einfach mal raus zu kommen. Doch das trau ich mir nicht zu, und so meinte Papa, er würde mich das Wochenende nach meinem Geburtstag besuchen kommen und mit mir feiern, essen gehen oder so. Unsere Ergotherapeutin war nicht so begeistert, weil sie meinte, ich würde ja dann wieder kriegen, was ich will, ohne was dafür zu tun. Ich hab erstmal angefangen zu heulen… dann hat sie mir was Bildlich erklärt und ich habe es allmählich verstanden. Sie kam dann auf die Idee, dass mein Papa nur kommt, wenn ich mich an bestimme Regeln halte. Keine Selbstverletzung, Skills üben, Spannungsprotokoll und Diary Card führen, Wunden heilen lassen und regelmäßig zur Wundkontrolle… Dann hätte ich ein wofür und würde kämfen. Das hatte ich schon einmal geschafft, als ich zu einem Festival wollte und dort ähnliche Voraussetzungen hatte, um dorthin zu können. Und das hat gut geklappt. Und dann fing alles an, die Suizide, meine Mama fiel ins Koma… und alles war hinüber. Deswegen zweifelte ich, ob es wieder klappt. Und ich konnte das meinem Daddy nicht erzählen. Aber ich war einverstanden, es zu probieren. Damit hatte ich nun ein Hintertürchen geschlossen, aber ich wollte und will ja raus aus dem Loch. Also haben wir direkt Papa angerufen, ihm das erklärt und er macht mit. Er gibt auch nicht nach, falls er nicht kommen darf und ich ihn weinend anrufe und bettele, dass er doch kommt.

Im ersten Moment war ich dann doch ziemlich verblüfft, dass ich das wirklich getan und mich einverstanden erklärt hatte. Und hatte/habe große Zweifel, dass das so lange klappt. Aber: 1 1/2 Wochen hab ich schon geschafft. Jetzt muss ich noch 2 Wochen schaffen und dann ist Papa endlich da ❤ Bislang läuft es okey. Es gab schon echt kritische Situationen, aber irgendwie hab ich es geschafft. Und die Betreuer glauben ganz fest an mich und zweifeln kein Stück, dass ich das schaffen werde. Sie glauben für mich mit, wenn ich mal nicht dran glauben kann.

Es ist schwer..

Es ist alles so, so schwer zu ertragen. So schwer, die Trauer und die damit Verbundenen Emotionen, Gefühle, Körperreatkionen und alles, was dazu gehört, zu akzeptieren. Akzeptieren, dass ich traurig sein darf, dass es mir schlecht gehen darf, dass das alles berechtigt ist und ich mich gerade in einer Ausnahmesituation befinde. Dass ich nicht einfach so weiter funktionieren kann, kaum noch kraft habe, oft am Ende bin und viel weine. Dass ich so vergesslich bin und mir kaum was merken kann. Dass ich kaum noch Antrieb hab, mehr Kontrollverluste die in Selbstverletzungen enden, habe.

Überhaupt die Trauer zuzulassen, ist schwer. Mir das einzugestehen, dass nicht alles okey ist und es vermutlich auch noch etwas dauern wird.

Manchmal versuche ich meine Gefühle durchs Malen zum Ausdruck zu bringen. Ich wollt euch mal ein Bild zeigen, was ich letztens gemalt hab.

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Zu viele wirre Gedanken, ich bin dauerhaft verwirrt und verplant, kriege nicht viel mit… und gleichzeitig hab ich das Gefühl, (auseinander)zu fallen. Eingesogen zu werden vom Schwarzen Nichts. Versinken.

Heulkrampf

Puh, gestern hab ich zum ersten Mal geweint wegen dem Umzug. Ich war ganz schön sauer auf mich, weil ich nicht weinen wollte, weil ich mich doch freue. Aber dann wurde es regelrecht ein Heulkrampf, ich habe bestimmt eine Stunde so laut geheult und alles, ein Wunder, dass die Nachbarn nicht geklingelt haben.

Mir war das auf einmal alles zu viel und ich wollte alles rückgängig machen für einen kurzen Moment, weil ich so viel Angst vor dem Neuen hatte. Der Gedanke, nie wieder mit M. irgendwas schönes zu machen oder von ihr umarmt zu werden, hat das alles ausgelöst. All die letzten Jahre wollte ich ja eigentlich auch schon weg hier, konnte nur nicht, weil ich so an M. hänge. Ich konnte mir ein Leben ohne sie nicht vorstellen. Jetzt die letzten Monate aber schon, bis mich die scheiß Emotionen gestern überkamen. Vor allem auch, weil ich fast allein gelassen werde mit allem. Aber M.’s Kollegin rief gestern an und ich konnte ein wenig mit ihr reden und sie kommt Sonntag für 2 Stunden, obwohl sie frei hat, und hilft mir beim Rest. Weil sie mich nicht ganz alleine lassen will und mich nicht so gehen lassen will. Ich find das voll lieb, ich hab mich voll gefreut. M. kommt Montag morgen kurz zum tschüss sagen. Hoffentlich muss ich da nicht weinen. Möchte nicht verheult in der neuen Einrichtung ankommen…

Morgen wird auch ein emotionaler Tag mit viel Abschied. Erst gehe ich in die Tagesstruktur und verabschiede mich, habe extra eben noch einen Kuchen gebacken, und dann treffe ich mich am Nachmittag mit meiner gesetzlichen Betreuerin und wir gehen ins Kaffee, Abschiedskaffeetrinken. Das wird mir neben M. am Meisten schwer fallen. <sie begleitet mich seit 2014, am längsten von allen. Und sie hat schon so viel für mich getan und wir haben so viel durch… das wird echt schwer. Aber erstmal bleibt sie für mich zuständig, so ein paar Monate, aber sie kann mich halt eben nicht besuchen kommen.

So jetzt muss ich mich um den Kuchen und die Küche kümmern 😀

Bald gehts looos

Mein Laptop geht wieder einigermaßen und nun kann ich nochmal was schreiben.
Es ging nicht, wie geplant, am 26. los, da die Umzugsfirma keine Zeit hatte.
Jetzt geht es am kommenden Montag los, am 5.3. ist der Umzug eeeendlich!

Ich habe noch mega mäßig viel zu tun und muss nun doch alles alleine machen, da meine Bezugsbetreuerin krank ist. Ich hab mir alles aufgeteilt für die nächsten Tage bis zum Umzug, aber der Antrieb fehlt oft und ich brauche ewig lange für die Aufgaben. Heute zum Beispiel hab ich aus Frust, weil M. krank ist, bis 15 Uhr geschlafen und bis 17 Uhr im Bett gelegen und dann erst angefangen. Dann rief ein bekannter an wegen meinem Laptop und seit dem hab ich auch nichts produktives gemacht. (Baden gewesen, lesen, essen bestellt was anschließend im Klo gelandet ist..,) Applaus, echt toll gemacht alles.
Jetzt ist es viertel nach 10, normal nehme ich um 10 meine Nachtmedis, und ich hab noch einiges auf der To-Do-.Liste. Das wird eine lange Nacht.
Morgen muss ich wirklich früh aufstehen, weil ich mich zum letzten Mal mit meinen Eltern in der Nachbarstadt treffe und mit dem Zug um 10 da hin fahren muss, was heißt um viertel nach 9 zum Bahnhof laufen.

Ich hatte in der letzten Woche 4 oder 5 Bulimie-Rückfälle, was sehr an mir nagt, denn seit anfang des Jahres lief es eigentlich sehr gut bezüglich der Bulimie. Ich versuch mich, nicht zu sehr fertig zu machen, aber das klappt selten… 😦 Ich bin einfach immer so sauer auf mich. Egal was ich vor habe, es geht nur schleppend voran und das macht mich so wütend auf mich, dass ich mich am liebsten grün und blau schlagen würde, weil ich einfach in jeglicher Hinsicht so unfähig bin. Wahrscheinlich denkt ihr euch jetzt, ich könnte ja, statt zu sdchreiben, was sinnvolles machen. Aber ich brauch das Ventil gerade, um nicht noch mehr mist zu machen (svv..).. Bin nun über 2 Wochen ohne Selbstverletzung und das soll so bleiben. Will in der neuen Einrichtung nicht gleich mit frischen Wunden und Fäden auftauchen… Es ist mir schon peinlich genug, dann berichten zu müssen, dass das mit dem essen nicht so gut klappt momentan, durch den Stress denk ich..

Ich lass mir jetzt ne Tavor bringen und mache dann weiter mit meiner To-do-Liste…

 

Kraftlos

Das Wochenende bei meiner Familie hat mich so viel Kraft gekostet, mir meine ganze Kraft geraubt. Ich hatte doch erst neue Kraft bekommen wegen der Aussicht, bald umziehen zu können. Doch jetzt ist alles weg. Wie ausgesaugt. Ich schaff nichts. Die Wohnung sieht aus wie ein Schlachtschiff. Meine Gedanken ähneln einem Krieg. 

Ich bin so kurz davor, Mist zu machen, der alles aufs Spiel setzt. Der aufs Spiel setzt, umziehen zu können. Dabei hab ich heute die Nachricht bekommen, dass meine gesetzliche Betreuerin den Sachbearbeiter erreicht hat und der Antrag bearbeitet wird, Freitag soll sie nochmal anrufen und dann gibt es eine Entscheidung. Warum dann solche Gedanken, diese Gedanken ans Aufgeben? 

Hätte ich jetzt nicht so viel zu tun, sobald die Kartons da sind, würde ich mich in die Klinik einweisen lassen, vielleicht. Zum Schutz. Aber das geht nicht. Freitag habe ich einen Termin bei meiner Psychiaterin, der letzte vor dem Umzug. Ich mag sie gerne. Ich hoffe, ich schaffe es noch, ihr eine Karte zu basteln. 

Ich freu mich auf den Umzug, aber langsam kommt die Melancholie. Aber es kann nur besser werden, oder? 

Mama, bitte gib nicht auf..

Mama… Warum gibst du dich auf? Warum lässt du dich nicht untersuchen und schauen, woran es liegt? Warum kämpfst du nicht? Warum denkst du nicht an uns? Warum zur Hölle lässt du dir nicht helfen? Mama… Es tut weh, zu sehen, wie du leidest. Es tut weh, zu sehen, dass du verzweifelt bist. Es tut weh, zu merken, dass du aufgegeben hast. 

Aber es macht mich auch wütend. Weil du scheinbar nur an dich denkst und dir egal ist, wie wir leiden. Dass wir hilflos zusehen müssen. Dass du alles an Hilfe ablehnte. Das macht mich so wütend, dass ich Tränen in den Augen haben! Aber das ist dir scheinbar nicht bewusst…

Ich kann es ja so gut verstehen, wenn man aufgeben will. Wenn man nicht mehr kann und am Ende ist. Weißt du, Mama, mir geht es oft so! Aber weißt du, warum ich nicht aufgebe? Weil ich das euch, meinen Freunden und meiner Familie, nicht antun kann und will! Weil ich nicht schuld sein will, dass ihr leidet! Weil ich lieber leide, als schuld daran zu sein, dass andere leiden! Ich kann dich so gut verstehen, wirklich. Aber ich kämpfe auch! Zwar nicht für mich, aber für euch, und dir Tatsache, dass ich kämpfe, ist doch das, was zählt, oder? 

Es macht mich traurig und wütend, wenn du weinend vom Tisch erg gehst ohne was zu sagen und wenn man dir dann Hilfe anbietet oder vorschlägt dich zum Arzt zu bringen, lehnst du ab und sagst, es bringt doch eh alles nichts mehr. Warum? Warum tust du das? Es macht mich traurig und tut weh.

Hast du Angst, dass bei Untersuchungen etwas schlimmes fest gestellt werden wird? Auch das kann ich verstehen! Das ging mir bei meiner Schilddrüse genauso. Aber ich habe es dann doch untersuchen lassen. Und die Knoten sind fast weg, die Schilddrüse zwar auch, aber damit kann und muss ich leben. Und weißt du, wenn was schlimmes fest gestellt werden würde, kann man was gegen tun, wenn man es rechtzeitig erkennt! 
Ich überlege, ob ich ihr all das mal in einem Brief schreibe. Und ich werde morgen in Ruhe mit ihr reden und sie versuchen zu über zeugen, dass sie ins Krankenhaus geht.