Bald gehts looos

Mein Laptop geht wieder einigermaßen und nun kann ich nochmal was schreiben.
Es ging nicht, wie geplant, am 26. los, da die Umzugsfirma keine Zeit hatte.
Jetzt geht es am kommenden Montag los, am 5.3. ist der Umzug eeeendlich!

Ich habe noch mega mäßig viel zu tun und muss nun doch alles alleine machen, da meine Bezugsbetreuerin krank ist. Ich hab mir alles aufgeteilt für die nächsten Tage bis zum Umzug, aber der Antrieb fehlt oft und ich brauche ewig lange für die Aufgaben. Heute zum Beispiel hab ich aus Frust, weil M. krank ist, bis 15 Uhr geschlafen und bis 17 Uhr im Bett gelegen und dann erst angefangen. Dann rief ein bekannter an wegen meinem Laptop und seit dem hab ich auch nichts produktives gemacht. (Baden gewesen, lesen, essen bestellt was anschließend im Klo gelandet ist..,) Applaus, echt toll gemacht alles.
Jetzt ist es viertel nach 10, normal nehme ich um 10 meine Nachtmedis, und ich hab noch einiges auf der To-Do-.Liste. Das wird eine lange Nacht.
Morgen muss ich wirklich früh aufstehen, weil ich mich zum letzten Mal mit meinen Eltern in der Nachbarstadt treffe und mit dem Zug um 10 da hin fahren muss, was heißt um viertel nach 9 zum Bahnhof laufen.

Ich hatte in der letzten Woche 4 oder 5 Bulimie-Rückfälle, was sehr an mir nagt, denn seit anfang des Jahres lief es eigentlich sehr gut bezüglich der Bulimie. Ich versuch mich, nicht zu sehr fertig zu machen, aber das klappt selten… 😦 Ich bin einfach immer so sauer auf mich. Egal was ich vor habe, es geht nur schleppend voran und das macht mich so wütend auf mich, dass ich mich am liebsten grün und blau schlagen würde, weil ich einfach in jeglicher Hinsicht so unfähig bin. Wahrscheinlich denkt ihr euch jetzt, ich könnte ja, statt zu sdchreiben, was sinnvolles machen. Aber ich brauch das Ventil gerade, um nicht noch mehr mist zu machen (svv..).. Bin nun über 2 Wochen ohne Selbstverletzung und das soll so bleiben. Will in der neuen Einrichtung nicht gleich mit frischen Wunden und Fäden auftauchen… Es ist mir schon peinlich genug, dann berichten zu müssen, dass das mit dem essen nicht so gut klappt momentan, durch den Stress denk ich..

Ich lass mir jetzt ne Tavor bringen und mache dann weiter mit meiner To-do-Liste…

 

3er Gespräch und Angst

Morgen ist nun also, nach 5 Wochen glaub ich, wieder Therapie. Wie ihr ja lesen konntet, war das letzte Mal echt schrecklich für mich und ich weiß immer noch nicht, wie ich damit umgehen soll. Es gab seit dem auch keinen Kontakt, außer eine Mail, in der ich ankündigte, dass meine Bezugsbetreuerin mit kommt.
Nach dem letzten Termin hab ich mich selbst verletzt. Nicht schlimm, es musste nicht mal versorgt werden, aber ich habe es getan. Und meine Therapeutin wird wenig davon begeistert sein, was ich absolut verstehen kann! Aber ich habe unendliche Angst, dass sie sauer auf mich ist, ich Ärger bekommen oder irgendwas passiert… ich habe einfach wahnsinnige Angst, wie sie reagiert. Und dann letzte Woche noch die 3 SVs… oh man. Ich ärgere mich ja mittlerweile selbst. Dann seit 1 1/2 Monaten fast durchgehend die Kotzerei…
Ob sie mir glauben wird, dass ich kämpfe? Ich bin froh, dass M. dabei ist. So froh. Weil sie sieht, wie ich kämpfe und sie sieht auch, dass es besser wird. Was ich eher nicht so sehe, weil für mich die letzten Wochen mehr Rückschritte waren als alles andere. Aber sie hat da eher einen objektiveren Blick drauf, als ich, denke und hoffe ich. Also ich versuche ich zumindest zu glauben, wenn sie mich lobt und sagt, wie stolz sie auf mich ist und wie gut ich das mache. Oft sage ich dann „Ja, aber…“ und finde immer ein „aber „. M. hasst das 😀 Aber es ist bei mir so drin. Da seht ihr es, wieder 😀 Ich versuche schon sehr, drauf zu achten. Ich war eben niemals gut genug und immer gab es ein „Aber..“.. und das habe ich jetzt wohl von außen übernommen und werde es nur schwer los :/

Erst hatte ich Angst vor dem Gespräch morgen, weil ich dachte, die beiden würden sich gegen mich verbünden. Nach wochenlanger Qual habe ich das M. gesagt und sie meinte, dass sie das auf keinen Fall tun würde und ja mit kommt, um mich zu unterstützen, und nicht um mir in den Rücken zu fallen.

Bis morgen ist noch so lange hin. Die Zeit geht einfach nicht rum. Ich bin so unglaublich angespannt und ängstlich, unruhig. Würde am liebsten Bedarf nehmen, aber ich glaube, das ist nicht gerechtfertigt. Also muss ich so da durch. Alle möglichen Ablenkungen helfen leider auch kaum. Also sitze ich jetzt vorm Laptop, habe Entspannungsmusik an und hoffe, dass mir das schreiben hilft.
Der Termin ist morgen auch erst um 15.30 Uhr, also noch über den halben Tag morgen rum quälen und warten..:(

Dann muss ich auch wieder in die Tagesstruktur. Diese und letzte Woche war ich kaum dort, weil ich so viele Termine hatte oder verschlafen habe… nun muss ich aber morgen wieder hin. Und ich fühle mich mittlerweile echt nicht mehr wohl dort, weil so viele Neue dort sind und mir das Angst macht. Leider versteht nicht mal M. das 😦 Also muss ich da irgendwie durch… Ich habe auf jeden Fall eine Beschäftigung für die Woche in der Ts 🙂 Hoffentlich geht die Zeit dann schneller rum. Und Freitag muss ich auch nicht den ganzen Vormittag bleiben, weil ich wieder zum Arzt muss wegen der Sv.. 2 mal die Woche die nächste Zeit :/ Aber ich bin selbst schuld… Also muss ich da durch.

Ich will jetzt versuchen, regelmäßig zu essen, und kontrolliert. Ja, da ist sie wieder, die Kontrolle. Aber das brauche ich. Besonders, wenn ich nicht mehr erbrechen will. Heute habe ich 2 kleine Mahlzeiten gegessen und es drin behalten. Mindestens eine Stunde danach war die Qual… auch gerade… hab vor einer 3/4 Stunde gegessen. Wie lange es wohl dauert, bis es weniger quälend ist? Wird es je weniger quälend? Oder muss ich mich drauf einstellen, dass es für immer so bleibt? So viele Fragen, die mir vermutlich eh niemand beantworten kann…
Heute Mittag gab es ein Schälchen Nudeln mit Ei und Salami.. zum Abendessen eine winzige Portion Cornflakes…objektiv betrachtet weiß ich, dass es nicht viel war. Subjektiv gesehen fühle ich mich wie ein Mastschwein… Wie schön wäre es nur, wenn man ohne Essen leben könnte. Wäre es nicht toll, wenn man gar keinen Hunger und Appetit verspüren würde? Wenn es einfach kein Essen geben würde und niemand das brauchen würde?
Das wäre etwas leichter…

Bulimie-Gedanken

Mal wieder halten Sie mich wach – die Gedanken einer Essgestörten.

„Du musst aufhören zu essen. Du musst alles auskotzen. Du hast es nicht verdient,  zu Essen. Die Bulimie ist dein bester Freund. Sie hilft dir, wie nichts anderes. Sie hilft dir, dich besser zu fühlen. Sie hilft mir, mich zu akzeptieren. Kotzen befreit. Kotzen nimmt Anspannung und Druck. Es ist eklig, was im Magen zu haben. (…)“

Welche Essgestörte kennt das nicht? Was macht ihr,  wenn die Gedanken wieder mehr werden? Pläne gemacht werden? Der Selbsthass unerträglich wird?

Ich kann nicht mehr. So viel zugenommen. Ich muss es leider wieder tun… 

Kleiner Rückfall…

In der letzten Woche gab es ein paar sehr schwierige Tage… Sonntag ging es los, der Selbsthass stieg und stieg, ich hab einen kleinen Essanfall gehabt und mich übergeben. Die Nacht darauf habe ich dann keine Minute geschlafen und fast alle Gedanken an mein Gewicht und irgendwelche Hungerkuren verschwendet und bin letztendlich noch auf die Waage und meine Angst wurde bestätigt. 5 kg zugenommen in 5 Wochen. Dann war es vorbei. Selbsthass stieg so sehr, dass ich nicht aus dem Haus wollte. Anspannung war unerträglich. Bin dann irgendwie doch in die Tagesstruktur, aber musste schnell heim, weil ich es nicht ertragen habe, angeschaut zu werden. Nach einigen Diskussionen ließen sie mich gehen. Nicht, ohne mir ein schlechtes Gewissen zu machen… Und es wurde immer schlimmer. Hatte meine letzte Klinge, Verbandsmaterial bereit gelegt und war kurz davor. Habe über eine Stunde überlegt. Doch dann bin ich zum Glück eingeschlafen und als ich aufgewacht bin, bin ich zu einem Betreuer. Geredet, Bedarf, Klingen angegeben. Und nochmal gekotzt. Dienstag Ausflug.
Mittwoch dann Therapie. Und alles wurde noch schlimmer. Es war mir so peinlich, zu sagen, wie undiszipliniert ich bin.  Ich habe mich so geschämt, zuzugeben, wie schlecht es mir geht. Das habe ich ihr dann auch gesagt. Da meinte sie, ich brauch mich nicht schämen. Das gehört dazu. Aber ich schäme mich trotzdem in Grund und Boden. Dann sagte sie, bevor ich wirklich versuche mich umzubringen, muss ich in die Klinik. Sie will, dass Ich Dienstag unbeschadet und lebendig zur nächsten Stunde erscheine. Und am besten soll ich auch in die Klinik, wenn der Drang zum selbst verletzen besser wird.
Nach der Therapie stieg die Anspannung noch höher. Bin kurz vorm Durchdrehen gewesen. Kurz davor gewesen, mich doch einweisen zu lassen. Und hab dann etwas die Kontrolle verloren und mich verbrannt mit Zigaretten… Und dann hatte ich Angst, vor dem Telefonat meiner Therapeutin mit meiner Betreuerin. Angst, dass ich in die Klinik muss. Leider haben Sie Doch nicht telefoniert.
Aber es ging dann auch langsam wieder bergauf, zum Glück. Noch mehr solche Tage und ich hätte mich echt einweisen müssen…
Jetzt ist es Zum Glück wieder soweit okey und ich hoffe, meine Therapeutin ist nicht allzu enttäuscht…

20 Tage

20 Tage habe ich hier noch. 20 Tage, in den ich entweder komplett zurück fallen kann oder die ich noch für mich nutzen kann. Alleine in meiner Hand liegt, was ich draus mache.
Mir wurde von meiner Therapeutin die Pistole auf die Brust gesetzt: Wenn ich die Bulimie nicht wieder in Griff bekomme, muss ich vorzeitig gehen. Genauso wenn ich häufiger Svv-Rückfälle haben würde. Ich fühle mich irgendwie unter Druck gesetzt, aber ich glaube auch, dass ich das gerade brauche. Sonst rutsche ich da wirklich wieder vollkommen rein und stecke am Ende so tief drin wie vor 2 Jahren. Denn die kranke Seite will das so gerne. Nun liegt es an mir, mit aller Kraft dagegen anzukämpfen. Alles zu geben, um nicht wieder in alte Verhaltensmuster zu fallen. Die restliche Zeit werde ich bestmöglichst nutzen und mir so viel Unterstzützung holen, wie es nur geht, wie ich es nur kann.
Der Entlassungstermin steht fest. 3. Mai. Meine Lieblingspflegerin war so süß, sie meinte, sie würde immer wieder sagen, dass ich hier bleiben muss, noch ganz lange, aber leider kommt sie da nicht mit durch. Sie würde mich echt gern noch länger hier behalten. Und mein Bezugspfleger auch.
Aber nun steht es fest. 20 Tage noch.
In den 20 Tagen wird ein Familiengespräch leider nur mit meinem Papa statt finden, Mama ‚kann‘ nicht… sie will einfach nicht. Und es wird ein Gespräch mit meiner Betreuerin aus der Einrichtung geben. Meine Therapeutin will dann auch im regelmäßigen Kontakt mit ihr stehen, wenn ich weiterhin hier ambulant bin.  Und ich hoffe, dass sich noch klärt, ob und wenn ja ab wann ich die Maßnahme beginnen kann. Nächste Woche habe ich einen Termin bei der Agentur für Arbeit. Hoffentlich kommen wir dann voran. Sonst drehe ich durch…
20 Tage. Wie soll es nur zu Hause weiter gehen? Ohne Druck und Kontrolle von außen? Ohne richtige Struktur und ohne Aufgabe? Ich hatte noch nie so Angst, entlassen zu werden. Und ich war auch noch nie so lange in einer Klinik.
Meine Lieblingspflegerin hat gesagt, ich könnte jederzeit anrufen, hier ist ja immer jemand. Und einmal die Woche bin ich ja eh da. Gott, hoffentlich klappt das alles…
In dem Familiengespräch wird es darum gehen, meinem Papa von meiner Essstörung zu erzählen, und klar zu machen, dass das nicht nur eine Phase war/ist… In der Hoffnung, dass sie etwas Rücksicht darauf nehmen und mich besser verstehen.

Madamé Bulimie

Und da ist sie wieder… Madamé Bulimie. Hallo. War schön ohne dich. Doch es ist auch schön, dass du wieder da bist. Nein, eigentlich ist es nicht schön

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aber irgendwas gibst du mir ja. Sicherheit, Halt, spielst mir vor, dass ich nur so die Kontrolle hätte. Dabei verliere ich sie. Mit jedem Mal mehr. Jedes Mal, wenn ich mir den Finger in Hals stecke, kommst du ein Schritt näher zu mir und besitzt immer mehr Macht über mich. Ich hasse Kontrollverluste. Aber warum hänge ich dann so an dir? Jedes Mal heule ich beim Kotzen. Ich will es nicht mehr, will endlich davon weg kommen. Aber irgendwas in mir braucht dich. Leider.
Sag mir, was ich tun muss, damit du mich endlich in Ruhe lässt! Ich will doch einfach nur Leben. Und mit dir ist das unmöglich 😦 Ich weiß, ich habe dich vor Jahren gerufen, gebraucht. Du hast mir geholfen. Doch nun brauche ich dich nicht mehr. Ich will frei sein. Glücklich sein. Und das geht mit dir nicht. Versteh das doch endlich! Lass mich bitte in ruhe.. Bitte! Du machst mich kaputt!

Erleichterung

Gestern war meine Therapeutin dann endlich wieder da und ich hatte einen Termin. Es war sooo erleichternd!
Habe ihr als erstes gesagt, dass mich das ganz schön aus der Bahn geworfen hat, als sie krank war, weil es so viel zu besprechen gab. Sie hat sich entschuldigt und ich hab dann gemeint, dass ich ihr kein schlechtes Gewissen machen wollte! Wollte eben nur, dass sie das weiß. Haben dann über die Verlängerung besprochen und ich hab sie bekommen! Erstmal bis zum 3. Mai, aber das Pflegepersonal sagte mir, es ist nur mit Bleistift eingetragen, also immer noch nicht fest, juchuuuu. Ich würde nämlich gerne dort bleiben, bis ich die Maßnahme anfangen kann. Nur leider geht das im Moment nicht voran. Aber ich hoffe, Montag etwas erreichen zu können beim Amt.
Dann habe ich angesprochen, dass ich keine Ahnung habe, wie es ambulamt nach der Therapie weiter geht. Dass ich es zu weit von mir weg geschoben und eine Zeit lang vergessen habe und nun Angst habe, dass ich alleine da stehe, wenn ich entlassen werde. Da sagte sie, ich könne auch bei ihr ambulant weiter machen! Das hat mich total gefreut, weil dann habe ich erstmal nicht den Stress, mir wen ambulant suchen zu müssen und zweitens muss ich dann nicht nochmal von vorne anfangen. Dann habe ich noch wegen ambulanten Gruppen gefragt. Sie findet die Idee super, und wird mal schauen, was da zu machen ist. Mir ist so eine Last von den Schultern gefallen!
Es gab aber auch Bedingungen, die ich erfüllen muss, um länger zu bleiben. Ich musste einiges an Zeug heim bringen, und mein Zimmer ordentlicher halten. Heim gebracht hab ich einiges, bin gerade daheim, bis morgen Nachmittag, und aufräumen werde ich, wenn ich wieder da bin.
An Therapien habe ich noch einiges dazu bekommen, zum Glück, denn mein Plan war echt leer.
Es gab noch eine Bedingung, die ich erfüllen musste, um heim fahren zu dürfen: Ich durfte mich bis heute nicht mehr übergeben. Heute Mittag kam meine Therapeutin in mein Zimmer und fragte, wie es war, und ich sagte, wie es war, dass ich mich nicht mehr übergeben habe. Dann hat sie den Zettel für die Abwesenheit unterschrieben 🙂
Später war ich dann bei meiner Lieblingspflegerin, die meinte dann zu mir, dass ich ja fahren dürfte, und dass sie ganz stolz auf mich sei, weil ich das so toll mache. Dann hat sie mich noch in Arm genommen und gesagt, ich soll weiter so machen. Hab mich richtig gefreut! ❤
Ich muss jetzt wieder Essprotokolle führen…. aber gut, ich werds schon irgendwie hin bekommen.
Morgen früh kommt meine neue Bezugsbetreuerin, wir frühstücken zusammen und dann räumen wir mein Zimmer auf, damit ich mich wohl fühle, wenn ich entlassen werde =) Hier siehts echt schlimm aus… hab schon mal ein wenig aufgeräumt eben, weil mir das echt sooooo peinlich ist…
Ich freu mich schon, wenn ich wieder hier bin, ganz, machen wir meinen Balkon schön. Kaufen neue Möbel, eine Lichterkette, pflanzen Blumen 🙂 Saß vorhin in der Sonne auf dem Balkon und ich freue mich so, dass langsam wieder die Zeit beginnt, wo man draußen sitzen kann.

Verlängerung – ja oder nein?

Meine Therapiezeit hier neigt sich nun schon dem Ende zu und es hat mich vollkommen überrascht. Die ganze Zeit dachte ich: Ist ja noch ewig hin, bis die 12 Wochen rum sind. Hab mich um nichts weiter gekümmert, nicht um ambulante Therapie oder sonstiges. Nur um das mit der Maßnahme habe ich mich gekümmert, doch da komme ich nun nicht voran, weil mein Reha-Berater krank ist seit Wochen… Aber letztens, ich lag wach im Bett, und dachte so: Wow, in 2 1/2 Wochen sollst du schon gehen, wie geht es dann weiter? Du hast keine ambulante Therapie, keine Ahnung wie es weiter geht. Hast du genug Stabilität, um im Alltag klar zu kommen? Kannst du gut für dich sorgen, wenn du hier raus gehst? Kannst du auf dich aufpassen? Schaffst du es, die Zeit zu überbrücken, bis es mit der Maßnahme endlich los geht? Ohne wieder komplett in alte Muster zu verfallen? Ja, wie wird es weiter gehen? WIrst du den Absprung auch zu Hause schaffen? Wirst du damit umgehen können, scharfe Gegenstände zu Hause zu haben? Niemanden zu haben, der sie verwaltet? Wie wird das gehen?
Diese und ähnliche Gedanken halten mich seit ca. einer Woche wach nachts, ich habe einfach wahnsinnige Angst, dass es zu Hause weiter geht, wie es aufgehört habe, bis ich her bin. Das will ich nicht mehr. Ich will nicht nur die Selbstzerstörung leben, ich will richtig leben! Spaß am Leben haben! Freude an Sachen haben, die mir früher immer Spaß gemacht haben! Und gleichzeitig will ich am Liebsten für immer in dieser geschützen Welt hier sein… In der Welt, wo ich nie einsam bin, wo ich nicht mal nachts alleine sein muss. Aber ist es so förderlich, noch länger zu bleiben? Gewöhne ich mich vielleicht noch mehr dran und es fällt mir hinterher noch schwerer zu gehen? Oder brauch ich noch etwas Zeit, um die ‚Normalität‘ ohne Svv, Bulimie usw. zu leben? Ich bin mir sehr unsicher. Es hat Vorteile und Nachteile, doch was wiegt mehr? Ich wserde das morgen mal bei meiner Therapeutin ansprechen, ich bin gespannt, was sie dazu sagt. Mein Bezugspfleger ist dafür und meint, dass die meisten Therapeuten auch dafür sind. Auf der anderen Seite vermisse ich die Betreuer aus der Einrichtung, meine Mitbewohnerin und die anderen schon sehr. Habe vorhin mit meiner neuen Bezugsbetreuerin telefoniert und gemerkt, wie sie mir fehlt. Haben dann den ganzen Nachmittag noch geschrieben und ich hab mir vor gestellt, was wir jetzt machen würden, wenn ich zu Hause wär. Wir würden auf dem Balkon sitzen, Kaffee trinken, rauchen, oder bei ihr im Büro sitzen, rauchen und Cappuccino trinken, oder in der Stadt ein Eis essen bei dem tollen Wetter. Ja, das vermisse ich. Diese Normalität. Aber gleichzeitig macht mir diese Normalität auch Angst. Werde ich es schaffen, für mich zu sorgen? Einkaufen zu gehen, regelmäßig zu Essen, das Haus verlassen? Werde ich bescheid sagen können, wenn wa ist, bevor es zu spät ist? Sooo viele Fragen, so viel Zweifel, so viel Angst, so viel Ungewissheit, so viel Unsicherheit.
Ich hoffe, dadurch dass ich es aufgeschrieben habe, kann ich nun besser schlafen. Ich hoffe es. Ich wünsche euch einen angenehme gute Nacht, schlaft fein ❤ :*

Es geht auch anders!

Tut mir leid, dass lange nichts kam. Ich bin viel mit mir selbst beschäftigt und oft gibt es so ein Durcheinander in mir, dass ich keine Worte dafür finde und nichts gescheites raus kommt, wenn ich es versuche aufzuschreiben. Aber jetzt möchte ich doch mal ein wenig berichten.

Es geht langsam vorwärts. Ich habe mich erst einmal selbst verletzt, seit ich hier bin. Nach ca. 4 Wochen. Oft ist es sehr kritisch und schwer, aber bislang habe ich es dann doch immer anders geschaft, da raus zu kommen. Manchmal denke ich, ich schaffe dieses ‚recovern‘ nicht, ich bin nicht stark genug und noch nicht bereit. Dann möchte ich alles aufgeben. Fressen, kotzen, schneiden, hungern und alles andere destruktive auf einmal machen, weil die Anspannung, Verzweiflung und alles so groß und stark ist. Weil ich nicht weiß, wie ich anders da raus kommen soll. Weil es der geowhnte und ‚einfache‘ Weg ist, der Weg, der ganz sicher funktioniert. Alles andere ist neu, unbekannt, angst machend und verbraucht viel Kraft, die ich manchmal nicht habe. Doch obwohl ich oft in den letzten Wochen an dem Punkt war, wo ich dachte, es geht nicht mehr, habe ich es immer anders geschafft! (Ich wurde in meinem Schreibfluss unterbrochen und bin gerade dezent wütend und möchte die Prinzessin töten… Bin jetzt im Aufenthaltsraum, da sie das Tippen der Tasten gestört hat..Zum Glück ist sie Mittwoch weg!) Kein Svv seit dem 21.2. und seit dem 29.2. nicht mehr übergeben! Es ist oft sehr schwer, und das mit dem normal essen klappt noch nicht so ganz… entweder viel zu wenig oder zu viel… aber immerhin ohne Übergeben. Die Zahl auf der Waage bestimmt jedoch sehr meine Laune. Seit ich hier bin, habe ich 9 kg abgenommen. Manchmal wochenlang nichts, manchmal 3 kg in einer Woche. Je nachdem wie ich gehungert/gegessen habe…
Also irgendwie schade ich mir ja doch noch, in einer abgeschwächten Form eben, durchs Hungern… aber auch das versuche ich in den Griff zu bekommen.
Und manchmal, wenn ich so eine schwierige Zeit überstanden habe, ohne mich zu verletzen oder so, dann bin ich doch ein wenig stolz auf mich. Dann merke ich, dass es ja doch irgendwie ohne geht und ich doch mehr aushalten kann, als ich manchmal glaube. Langsam traue ich mich auch immer mehr, bescheid zu sagen, wenns nicht mehr geht, oder kritisch ist. Wenn ich irgendwie Hilfe brauche. Aber erst langsam…
Mein Entlassungstermin sollte der 19.4. sein, dann wäre ich genau 12 Wochen hier. Aber meine Therapeutin will jetzt nach Ostern nochmal mit mir reden, und wir wollen schauen, ob ich nicht etwas länger bleibe. Weil ich gerade erst anfange, mich zu öffnen und Hilfe einzufordern und anzunehmen. In manchen Situation hätte ich schon längst zur Klinge, zu Tabletten oder sonst irgendwas gegriffen, wenn es verfügbar gewesen wäre. Meine Rasierer habe ich abgegeben, eben darum. Und dann habe ich aber der Therapeutin gesagt, dass das ja irgendwie blöd ist, weil ich zu Hause ja auch schlecht alles weg sperren kann, und das will ich auch gar nicht. Ich muss ja irgendwie lernen, ‚gefährliche‘ Gegenstände um mich zu haben, ohne mich gleich zu zermetzeln. Sie meinte, dass es auf der einen Seite stimmt, ABER ich bin ja hier, um es zu lernen. Im geschützen Rahmen zu lernen, anders mit Anspannung, Gefühlen, Ärger, Angst, Selbsthass usw. umzugehen. Und wenn sich das etwas vertieft hat, dann kommt der nächste Schritt. Eins nach dem anderen.

(Aus)kotzen

Wenn ich mein Essen auskotze, dann nicht nur, weil ich nicht zunehmen will. Nein. Ich kotze, um alles los zu werden, was mich belastet. Will die Wörter auskotzen, die ich nirgends anders raus lassen kann. Will all das schlechte auskotzen, was ich nicht ertrage, es in mir zu haben. Ich kotze nicht blos, um dünner zu werden.
Und wenn ich fresse, dann nicht blos, weil ich unendlichen Hunger habe. Nein. Ich will dieses große, schwarze Loch in mir füllen. Doch so viel ich auch esse, so sehr ich versuche, mich voll zu stopfen, das schwarze Loch wird niemals voll sein. Es ist ein unendliches Loch. Und auch der Hunger wird nie vorbei sein. Und sofern ich alleine bin, muss ich es wieder raus lassen. Den Ekel vor mir selbst und dem in meinem Bauch, raus kotzen; das Gefühl zu platzen, weil ich so viel gegessen habe; die Angst, noch mehr zuzunehmen. Ich hassliebe es, das kotzen. Ich liebe das Gefühl, wenn der Magen wieder leerer wird, wenn alles aus mir raus kommt. Doch ich hasse dieses Fressen. Dieses Alles-in-mich-rein-stopfen. Ich hasse es so sehr. Und ich hasse es, dass ich nicht jedes mal kotzen kann. Ich hasse dieses Gefühl nach dem essen, alles los werden zu müssen, aber es geht nicht, weil ich so unter Beobachtung stehe. Ich hasse es, dass sie davon wissen. Und keiner versteht es. Mein Bezugsbetreuer am wenigsten, er hat nur blöde Frage und Kommentare a la ‚Wie geht das denn? Muss ich auch mal probieren. Wollen sie abnehmen?‘ usw. los gelassen… Ich dachte, ich steh im Wald.
Verzeiht mir diesen Post, ihr müsst meine Worte nicht lesen. Es musste einfach mal raus. Ich musste einfach mal anders probieren, wenigstens die Worte los zu werden, die keiner versteht.