Kraftlos

Das Wochenende bei meiner Familie hat mich so viel Kraft gekostet, mir meine ganze Kraft geraubt. Ich hatte doch erst neue Kraft bekommen wegen der Aussicht, bald umziehen zu können. Doch jetzt ist alles weg. Wie ausgesaugt. Ich schaff nichts. Die Wohnung sieht aus wie ein Schlachtschiff. Meine Gedanken ähneln einem Krieg. 

Ich bin so kurz davor, Mist zu machen, der alles aufs Spiel setzt. Der aufs Spiel setzt, umziehen zu können. Dabei hab ich heute die Nachricht bekommen, dass meine gesetzliche Betreuerin den Sachbearbeiter erreicht hat und der Antrag bearbeitet wird, Freitag soll sie nochmal anrufen und dann gibt es eine Entscheidung. Warum dann solche Gedanken, diese Gedanken ans Aufgeben? 

Hätte ich jetzt nicht so viel zu tun, sobald die Kartons da sind, würde ich mich in die Klinik einweisen lassen, vielleicht. Zum Schutz. Aber das geht nicht. Freitag habe ich einen Termin bei meiner Psychiaterin, der letzte vor dem Umzug. Ich mag sie gerne. Ich hoffe, ich schaffe es noch, ihr eine Karte zu basteln. 

Ich freu mich auf den Umzug, aber langsam kommt die Melancholie. Aber es kann nur besser werden, oder? 

Chaos im Kopf…

Heute hatte ich also den ersten Termin bei meiner Sachbearbeiterin im Jobcenter. Ich sollte eine vollständige Bewerbungsmappe mitbringen – was ich natürlich nicht hatte, hab es einfach nicht auf die Reihe bekommen und meine Betreuerin war krank… hatte nur einen Lebenslauf. Den sie, wie sich im Laufe des Gespräches raus stellte, doch nicht brauchte. Ich habe ihr den Zettel von der Schule gegeben, wo drauf steht, dass ich für die Ausbildung angenommen bin. Sie ritt andauernd darauf rum, wie das mit dem Studium sei, weil ich ja angegeben hatte, SPÄTER!! ein Studium anzufangen. Sie redete fast nur darüber. Ich war irgendwann echt angepisst. Sie sagte mir auch noch ins Gesicht, dass mein Abschluss ja nicht der beste sei und ich da wohl mindestens 6 Wartesemester brauchen würde. Es sei denn, ich ginge weit weg. Ich hab dann erzählt, dass ich mir hier gerade alles aufbaue und nicht wieder weg will UND erstmal die 2 Jahre Ausbildung zur Sozialassistentin machen möchte. Sie meinte allerdings, es wäre ja sinnlos, denn als Sozialassistentin würde ich eh keinen Job bekommen. Meine Betreuerin warf ein, dass ich hier alles habe, was ich brauche. Ärzte und so. Da meinte sie, dass es Hausärzte überall gibt. Als ich dann sagte, dass es aber nicht überall gute Psychiater und Therapeuten geben würde und es sehr schwer ist, einen Therapieplatz zu bekommen, wurde sie ruhig. Endlich!!! Ich war schon völlig fertig mit den Nerven, weil sie so auf mich einredete.
Dann kam sie darauf, dass ich doch erstmal Schule machen solle weil das Studium echt hart sei. Sie hat versucht, es mir auszureden. Ich bin fast geplatzt!!! Dass ich jetzt das Studium nicht schaffe, ist mir klar. Aber das weiß ich! Deswegen Schule.
Was ich denn bis zum September machen würde, fragte sie. A. Antwortete, dass wir überlegen, mir einen Praktikumsplatz zu suchen.
Ja, sei ihr Recht, dürfe aber maximal 3 Monate dauern. Aber das würde ja passen, dann hätte ich danach noch einen Monat, um mich auf die Schule vorzubereiten. Mensch! So dumm scheint sie ja doch nicht zu sein. Vielleicht hätte sie vorher meine Akte lesen sollen -.-
Ich solle ihr spatestens bis zum 4.4. Bescheid geben. Praktikum oder AU. Ich starrte sie an und meinte, dass eine Woche nicht viel ist. Ihre Antwort: Naja, sie sollen ja blos eine Tendenz melden. Ich teilte ihr mit, dass das alles nicht so einfach wäre. Da starrte sie mich an und meinte, es sei ja nicht so schwer, wo anzurufen und zu fragen. Ich konnte nicht mehr… meinte nur noch, dass das für sie vielleicht nicht schwer sei… und resignierte. Sie fragte warum. Ich hatte keine Lust mehr zu antworten und wurde trotzig… Egal! War meine Antwort. Von da an sprach sie nur noch mit meiner Betreuerin. Sie solle mit mir überlegen, was wir machen wollen und sich bis nächste Woche melden. Gut, behandel mich ruhig wie ein Kind, dachte ich mir. Nunja… ein wenig so benahm ich mich ja auch…
Als wir raus gingen, platze ich und hab rum gemeckert, was sie denn denken würde und warum ich da überhaupt gelandet sei. Wenn alles so einfach wäre, würde ich kein Geld vom Amt brauchen sondern arbeiten!!! A. Versuchte mich zu beruhigen. Wir diskutierten die ganze Zeit, was sinnvoll wäre. AU, stationäre Therapie, Praktikum. Ich weiß es nicht. Mir qualmt der Kopf, ich fühle mich so krass unter Druck gesetzt und bin gerade nur am Ende…
Danach hatte ich noch Therapie. Dazu später mehr… muss schlafen, sonst passiert noch was.

Immer schlimmer

Heute Mittag dachte ich noch, die Gedanken sind nicht so stark, überwältigend. Ich müsste mir keine Sorgen machen, die Kontrolle zu verlieren.
Habe mich so gefreut, dass ich mich 2 Wochen nicht geschnitten habe. Möchte mal wieder schwimmen gehen. Habe meine Schwester gefragt und wir wollen nach Weihnachten vielleicht schwimmen gehen. Ich freue mich drauf, doch gleichzeitig habe ich mir jetzt eine eigene Falle gegraben. Noch eine weitere Woche nicht selbst verletzen. Trotz der Feiertage, den Gedanken – die sicher weniger stark werden würden, wenn ich mich verletzen würde. Der Drang, mich zu töten, würde sicher weniger werden. Doch nun muss ich über die Weihnachtstage damit leben, dass alles immer schlimmer und immer stärker wird. Und damit, dass ich es aushalten MUSS. Dass es keinen Ausweg gibt und niemanden, der mir helfen kann. Niemanden und nichts.
Die Bilder in meinem Kopf werden immer mehr, aussagekräftiger. Die Gedanken dazu immer drängender. Doch ich werde standhalten, ich MUSS stand halten. Muss das alleine schaffen. Ohne Hilfe, Unterstützung.

Ich sollte mich heute noch einmal bei meiner Therapeutin melden. Habe ich auch, ich hab ihr geschrieben, was letzte Nacht los war, wie es mir jetzt geht. Und erst dachte ich, es kommt wieder eine so grandiose Antwort, dass ich denke, sie würde mich nicht ernst nehmen. Aber sie hat mich angerufen. Ich glaube, ich war das erste Mal froh, mit ihr telefonieren zu können. Sie hat gefragt, was los war und warum ich mich so betrinke, wenn es mir eh schon nicht so gut geht. Hab ihr gesagt, das ich dachte, dass es mir dann besser gehen würde. Eigentlich weiß jeder normale Mensch, dass dies nicht so ist und leider hab ich da auch schon genug Erfahrung mit. Nur leider lernt man nicht immer aus Fehlern. Sie hat dann gefragt, was sie jetzt mit mir machen soll. Ich weiß es nicht, habe ich geantwortet. Morgen geht ja die Musical-Projektwoche los. Sie hat gefragt, ob ich hin gehe oder doch lieber nicht. Ich gehe da auf jeden Fall hin, ich habe mich so lange drauf gefreut. Sie meinte, das ist gut, vielleicht gehts mir dann etwas besser. Und wenn ich merke, dass es mir nicht gut tut, soll ich mich nicht zwingen, mich nicht unter Druck setzen. Aber ich ziehe das durch, egal wie es mir dabei geht. Ich soll mich morgen danach noch mal bei ihr melden, um zu sagen obs mir gut tat oder nicht. Sie ruft mich dann nochmal an. Dann hat sie noch gesagt, dass ich keinen Mist machen soll, keine Üderdosis nehmen soll und, wenn möglich, mich auch nicht schneiden soll. Und ich soll auf mich aufpassen. Das wird fast alles eh nicht klappen, außer die Überdosis. Das werde ich wohl hinbekommen. Sie meinte, sie findet es nicht gut, dass wir uns die Woche eigentlich nicht sehen. Sie würde mich gerne sehen, gerade weil es mir nicht gut geht. Oder eben weil es mir nicht gut geht. Sie hält mir am Freitag einen Termin frei, bei ihr in der Beratungsstelle. Das ist der einzige Tag, wo ich es zeitlich hinbekommen werde.
Mal schauen, wie das morgen wird, ob es mir gut tut oder nicht.

Zudem bin ich im Moment mal wieder sehr nah am Wasser gebaut. Heule wegen jedem kleinen bisschen los. Als sie anrief, war ich auch gerade am heulen. Ich bin runter gegangen, wollte zu Papa, mich mit ihm unterhalten oder so. Da schaue ich ausm Fenster, fahren meine Eltern mit meiner Schwester und ihrem Freund weg. Ich hab angefangen zu heulen. Habe gedacht, niemand würde mich irgendwo dabei haben wollen. Niemand will mich, niemand mag mich. Und so bin ich dann heulend durchs Haus gerannt. Bis meine Therpeutin anrief. Und das ist nur ein kleines Beispiel…

Der Druck steigt…

Seit über einer Woche steigt der Druck wieder ins unermessliche… fast unaushaltbar ist er nun geworden, doch ich muss wiederstehen. Die destruktiven Gedanken werden immer krasser, schlimmer. Die Stimme immer lauter und redet mehr…

Seit über einer Woche habe ich es geschafft, nichts schlimmeres anzustellen. Einmal ein paar kleine Kratzer, in der Hoffnung, das mindert den Druck und baut sich nicht weiter aus. So, dass es kein Massaker geben muss. Aber fail… hat natürlich auch nicht geklappt. Aber ich kämpfe. Ich habe es bislang ohne Krankenhausbesuch geschafft. Ein wenig kann ich stolz auf mich sein, oder? Ich weiß nicht. Aber ich weiß, dass es nicht mehr lange gut gehen wird. Solange ich abgelenkt bin, mich doch mal aus meinem Bett zwingen kann, dann geht es. Das Wetter ist wundervoll, wenn ich es auch noch genießen kann, geht es mir gut. Doch wenn ich den ganzen Tag im Bett liege, die Sonne in mein Zimmer scheint, muss ich weinen, weil ich meine Lieblingsjahreszeit nicht genießen kann, weil es mir schlecht geht. All die letzten Jahre hat wenigstens die Sonne mir geholfen, doch im Moment macht sie es oft noch schlimmer… 😦

So vieles sorgt im Moment dafür, dass der Druck steigt: Die überfürsorgliche Art meiner Eltern, die mich am liebsten nicht eine Minute alleine lassen wollen und ständig fragen, ob alles oke ist; dann mein Abschluss, den ich am Freitag in der Hand halte und schwarz auf weiß sehe, dass ich versagt habe; dann die unbekannte Zukunft; meine Vergangenheit, die ganzen Flashbacks; und dann auch noch seit neustem diese Stimme, die mir ziemlich viele destruktive Gedanken einreden will. Noch kann ich widerstehen. Doch irgendwann nicht mehr…
Und dann auch noch die Angst, dass ich vielleicht nie wieder glücklich sein kann, das Leben nie wieder genießen kann, weil ich einfach nicht aus diesem Loch raus komme…

Manchmal will ich gar nicht mehr kämpfen. Da will ich einfach aufgeben, alles. Und dann hasse ich die Menschen, die mich noch am Leben halten. Denen es sehr weh tun würde, wenn ich tot wäre.. Und dann muss ich weinen, wenn ich daran denke, weil ich das ja eigentlich alles gar nicht will…

Naja, ich habe meiner Therapeutin gestern geschrieben, dass ich fürchte, dass ich die Zeit bis zur Reha (falls diese überhaupt genehmigt wird), nicht mehr schaffe, alleine zu Hause, und sie bitte mal in der Klinik anrufen soll, ob ich nicht doch bald dahin kommen könnte. Zur Überbrückung.
Sie schrieb mir vorhin nur, dass sie dort angerufen hat und es gut aussehen würde, mehr wird sie mir Mittwoch erzählen. Nun kommt auch deswegen wieder Angst hoch, letztes Jahr ging es mir ja nicht wirklich gut da.. aber zu Hause schaffe ich es doch auch nicht! Ich weiß, dass ich es brauche und vielleicht wird es ja dieses Mal besser…

Nun sitze ich hier, bin verzweifelt, kämpfe und höre Casper. Yay! -.-