18.5.2019 – Geburstag

Ich bin gestern Abend gut bei meiner Familie angekommen und war echt fertig am Abend. Die lange Busfahrt, Wartezeiten, Stau usw. haben mich sehr geschlaucht. Aber ich hab mich so sehr gefreut, endlich mal wieder hier zu sein!
Meine Schwester, mein Papa und vor allem mein Hund haben sich auch soooo sehr gefreut!

Heute morgen sind wir zeitig aufgestanden, also Papa um halb 7 schon und ich dann erst um halb 9 😀
Kaffee getrunken, geraucht, dann sind wir einkaufen gefahren und haben gebruncht. Danach haben wir noch geputzt und haben uns dann fertig gemacht, denn meine liebste Schwester hat zum Kaffee eingeladen, weil sie Geburtstag hatte am Montag. Sie ist schon 25 geworden – Wahnsinn. Wie schnell die Zeit vergeht! Unsere Mama hat bei meinem 25. Geburtstag gesagt „Du bist jetzt ein viertel Jahrhundert alt!“ und daran muss ich denken.
Wir waren vorhin noch auf dem Friedhof, um Mama Blumen zu bringen zum Muttertag. Weil ich ja letzte Woche nicht da war.

Das Kaffee trinken war sehr schön, und meine Angst war unbegründet. Ich konnte es richtig genießen und über ihr Geschenk hat sie sich auch gefreut =)
Und ich hab gestern das erste Mal das Haus im fertigen Zustand gesehen, seit April wohnen sie ja endlich dort. Ich war das letzte Mal Anfang Februar dort und da sah alles noch ziemlich unfertig aus 😀 Es ist so schön. So schön eingerichtet, schöne Tapeten und überall sind Bilder, die ich ihr mal gemalt hab ❤ Und die Familie von ihrem Verlobten waren auch begeistert von dem, was ich ihr gemalt hab. Das tut gut =)

Jetzt sind wir erstmal wieder bei Papa und ich liege auf dem Sofa und schreibe hier. Gleich werde ich mal nach Urlaubsangeboten schauen =)
Papa und ich wollen im Sommer an die Ostsee fahren *-*

Heute Abend fahren wir nochmal rüber zu meiner Schwester, da feiern sie mit ihren Freunden, und wir sind auch eingeladen. Aber wir bleiben nur zum Essen 😀
Sonst ist mir das zu viel. Und ich kenne die meisten ja auch gar nicht.

It`s okey to be sad…

Hallo… mal wieder kam Monate nichts von mir. Es tut mir echt leid, ich hatte oft das Bedürfnis, etwas zu schreiben, aber das Programm hier und die sozialen Kontakte nahmen und nehmen mich sehr in Anspruch.
Zudem sind einige traurige Sachen passiert, seit ich hier bin. 7

Im Mai brachte sich mein Onkel um, kurz danach, ich glaube im Juni, brachte sich eine Mitbewohnerin um und am 10. Juli starb dann auch noch meine Mama…

Ihr könnt euch sicher vorstellen, wie schwer es mir fällt, mich über Wasser zu halten. Nach dem Suizid vom Onkel und der Mitbewohnerin, einem Besuch zu Hause nachdem Mama ins Kome gefalllen ist, kam ich nach einem halben Jahr wieder in die Klinik. Ich hab mich freiwillig aufnehmen lassen, weil ich für nichts mehr garantieren konnte und mich doch eigentlich fürs Leben entschieden habe. Die Zeit in der Klinik war sehr schwer, viele Zusammenbrüche, einige Selbstverletzungen und dann nach 9 Tagen kam die Nachricht: Mama ist gestorben. Ich hab geschrien, geheult, wollte zu meiner Familie, habe getobt und bin schier durchgedreht.
Meine Familie ist ca. 300 km weg und konnte mich auch nicht besuchen. Ich konnte nicht aus der Klinik, da sie Angst um mich hatten.
Da ich in der geschlossenen mein Handy nur zu bestimmten Zeiten für eine halbe Stunde haben durfte, und Papa Angst hatte, was ich mache, wenn ich alleine bin und er mir die Nachricht überbringt, rief er hier in der Wohngruppe an und sprach mit meiner Bezugsbetreuerin, Papa erzählte ihr alles, sie telefonierte mit meiner Ärztin in der geschlossenen und die sagte mir den Tag, dass wir um 15.30 Uhr ein Gesprach haben, wo es um was sehr ernstes geht. Das sagte sie mir so gegen 11 Uhr. Ich bin fast durchgedreht während des Wartens…
Als es dann soweit war, ging ich vor um auf meine Ärztin zu warten und dann stand da meine Bezugsbetreuerin. Ich war überrascht und fragte sie, was sie hier mache, da meinte sie, dass wir doch zusammen ein Gespräch haben. Das wusste ich bis dahin allerdings nicht… Ich hab gefragt, was ich angestellt hab, was passiert ist, was los ist- doch sie wollte auf die Ärztin warten. Die kam dann und wir gingen ins Sprechzimmer. Ich fragte wieder, was ich angestellt habe oder was passiert sei… da meinte eine von den beiden, dass tatsächlich etwas passiert ist. Mir schossen die Tränen in die Augen und ich fragte, ob Mama gestorben sei… da bekam ich nur ein mitfühlendes `Ja, leider. Es tut mir leid…`…
Ich brach in Tränen aus. Ich schrie. Mir schossen Gedanken durch den Kopf, dass ich jetzt raus rennen muss und irgendwie den Schmerz betäuben muss. Meine Bezugsbetreuerin hat mich aber ganz fest gehalten, in den Arm genommen, mich getröstet. Ich hab geschrien, dass ich zu Papa will, dass ich hier raus muss und zu meiner Familie muss. Dass ich wenigstens mit ihm telefonieren will.
Raus durfte ich natürlich nicht alleine, entlassen wollten sie erst recht nicht und ich war einfach nur am Ende. Meine Bezugsbetreuerin besprach dann mit der Ärztin, ob es ginge, dass jemand mit mir raus geht und ich Papa anrufen kann, nach dem Gespräch. Das ging dann zum Glück. Als sie gegangen war, bin ich zur Pflege, hab mir Bedarf geben lassen und ein Pfleger kam mit mir raus und gab mir mein Handy, so dass ich Papa anrufen konnte. Ich hab geweint und geweint, und Papa auch. Es hat mir das Herz zerrissen, ihn so weinen zu hören. Und ich wollte sofort zu ihm. Egal wie. Aber dann musste ich bald wieder mit dem Pfleger rein und hatte erstmal keinen Ausgang mehr.

Meine Bezugsbetreuerin kam die nächsten Tage täglich, um für mich da zu sein. Die ersten 2 Tage lag ich jedes Mal fast die ganze Zeit weinend in ihrem Arm und sie hat mich einfach gehalten, mir gut zu geredet, mich weinen lassen und war für mich da.

Nach diesen 2 akuten Tagen, fing ich an, alles zu verdrängen, und machte normal weiter. Ich kam rasch auf die offene Station und sollte am Mittwoch entlassen werden, weil am Freitag Papa Geburtstag hatte und die Beerdigung den Donnerstag drauf war. Das habe ich auch, trotz heftiger Selbstverletzung in der Nacht zu Mittwoch, geschafft.
Und dann war ich 1 1/2 Tage in der Wg und durfte und strengen Auflagen, Regeln und Absprachen eine Woche zu Papa fahren.

Auch die Woche habe ich gut geschafft, alle Regeln eingehalten, hatte täglichen Kontakt zu den Betreuern und kam dann Samstags wieder. Ich hab die ganze Zeit einfach nur funktioniert. Hier ging das dann noch eine oder zwei Wochen weiter mit dem Verdrängen und funktionieren und seit zwei Wochen glaube ich, klappt es einfach nicht mehr. Es kommt andauernd hoch, ich breche andauernd zusammen, funktioniere nicht wie ich möchte und bin andauernd überfordert. Habe das starke Bedürfniss nach Ruhe und Entschleunigung, doch trotz 2,5 mg Tavor täglich und anderen Medis komme ich nicht zur Ruhe.

Zwei bis 3 Montate war die Essstörung auch so schlimm wie Jahre nicht. In der Klinik wurde mir mit Zangsernährund gedroht und als ich zurück in der WG war, wurde mir gesagt, wenn das in ein paar Wochen immer noch so ist, dann muss ich deswegen in eine spezielle Klinik. Ich habe Wochen/Monatelang täglich mehrmals erbrochen und Nächte mit Essen/erbrechen verbracht…
Wenigstens das habe ich seit einer Woche wieder im Griff. Zumindest das erbrechen.
Ich habe in der Zeit des Verdrängens auch viel Sport gemacht. Viel und schnell spazieren, Fahrrad fahren, stundenlang Bahnen schwimmen… es war wie ein Zwang.

Und jetzt hat mich die Depression eingeholt. Kaum Sport, nur essen wenn ich muss, viel Erschöpfung, Angst, Trauer die mich zerfrisst und viele emotionale Zusammenbrüche. Überforderung, viele Tränen. Mein Gedächtnis funktioniert kaum, ich kann mir kaum etwas merken. Ich kann mich kaum Konzentrieren und das Reden fällt mir auch sehr schwer.

Doch irgendwie schaffe ich den Alltag. Mit Tränen, Wut, Trotzanfällen. Aber ich schaffe ihn. Ich muss ja, irgendwie.

Das einzige, was mir etwas Ruhe bringt und wo ich Gefühle zeigen kann, ist das Malen. Deswegen habe ich jetzt auch ab nächste Wochen Kunst- und Gestaltungstherapie, in der Hoffnung, dass es mir bei der Trauerverarbeitung hilft.
Und zum Glück habe ich hier einige sehr gute Freundinnen, die immer für mich da sind und die ganzen Betreuer, die mir helfen, mir zuhören (falls ich mal was anständiges zusammen kriege) und einfach für mich da sind, nach mir schauen und mich unterstützen.

Ich muss es schaffen. Ich will nicht wieder in die Klinik…obwohl… manchmal doch. Einfach weil ich nicht mehr kann. Und zum Glück weiß ich, dass wenn gar nichts mehr geht, ich wieder dort hin kann.
Nebenbei wird jetzt auch mein Tavor ambulant reduziert und dann ausgeschlichen. In der Klinik habe ich fest 3 mg bekommen und bis zu 4 mg als Bedarf. Jetzt bin ich „nur noch“ bei 2,5 mg. Ich hab Angst, wie es ist, wenn es weg ist. Wie schlimm es dann wird. Ob ich das alles dann wirklich nicht mehr aushalte. Oft habe ich das Gefühl, es nicht mehr auszuhalten, aber irgendwie geht es doch weiter. Aber irgendwann halt auch nicht mehr…

Ich wohne seit Sonntag in meiner Wohnung. Ging besser, als ich dachte. Bis letzten Abend…
Mir gings den ganzen Tag echt gut, heute Morgen kam meine Berreuerin, hat mir ein Geschenk mit gebracht, wir waren einkaufen, bummeln, Kaffee trinken. Haben mich umgemeldet. Ich hab mir viele tolle Bastelsachen bei Tschibo gekauft, viel in meiner Wohnung geschafft, hab mir sogar was gekocht. Dann kam der Absturz.. Erst kam das abendliche Tief und ich dachte, das würde schon gehen und ich schaff das. Dann war ich auf einmal weg, alles ging wie automatisch, ich hatte keine Kontrolle mehr, über mein Handeln. Als ich das ‚Ergebnis‘ sah, bekam ich Angst und erschrak mich… Wusste nicht ob Krankenhaus ja oder Nein… Wenn ja, wie… Hab mit einem Kumpel und einer Freundin geschrieben, die mich überredeten, ins Krankenhaus zu fahren. Dann dachte ich, wenn, dann richtig… Noch ein paar Schnitte…bin dann Mit dem Fahrrad ins Krankenhaus… 9 km hin und wieder. Die Pflegerin war nett, wollte aber viel wissen. Die Ärztin war ok, etwas seltsam. Sie hat beim nähen mehr gezittert als ich… Ich glaube, dass Sie das noch nicht so oft gemacht hat. 12 Stiche… Die Naht, die ich selbst kaum ziehen kann. Hab doch aber noch keinen Hausarzt hier und will auch nicht zu einem und gleich beim 1. Mal die Fäden ziehen zu lassen…
Und dann gibts da noch ein Problem… Meine Schwester kommt mit meinem Papa am Mittwoch.. was soll ich machen? Verstecken? Ausrede suchen und erzählen? Die Wahrheit sagen? Die werden sich krass Sorgen machen… Bin doch ausgezogen, damit alles besser wird. Ich weiß, dass das nicht so schnell geht.. nur meine Familie versteht das nicht..
Mal schauen, was meine Betreuerin morgen sagt…

Ich hasse mich für all das so sehr. So verdammt sehr. Warum? Musste das sein? Mir gings doch vorher gut…

Habe jetzt Medis zum schlafen genommen, werde jetzt gleich versuchen zu schlafen…

Familie

Heute habe ich seit Ewigkeiten ein Teil der Familie meiner Mutter wieder gesehen. Meine Cousine seit 5 Jahren nicht mehr gesehen, alle anderen Seite 10 Jahre. Am Anfang hatte ich echt Angst. Ich bin die einzige,  die Abi hat und ich hatte etwas Sorge, dass ich keine Gesprächsthemen finde. Aber es war echt gut! Und meine Cousine hat mir erzählt,  dass vor 3 Jahren ebenfalls Borderline bei ihr Diagnostiziert wurde. Auf der einen Seite tut sie mir leid, auf der anderen Seite freue ich mich, nicht alleine mit der Diagnose in der Familie zu sein. Hoffentlich habe ich jetzt mehr Kontakt mit denen. Ich habs mir viel schlimmer vor gestellt. Klar, ich hab was getrunken, was das alles lockerer gemacht hat. Aber trotzdem.
Meine Eltern wollten um 22.15 schon nach Hause. Ich hätte da schlafen können, aber ich fühle mich nirgends wohl. Außerdem hatte ich nichts mit.
Jetzt liege ich im Bett, freue mich, dass der abend so gut war, versinke aber gleichzeitig in mein abendliches Loch voller Selbsthass,  Depression und Ängsten. Aber ich bin viel zu schwach, um was anzustellen. Medis habe ich schon genommen, hoffentlich schlafe ich bald.

Home, sweet home.

Es gibt seltene Momente, da habe selbst ich Heimweh. Ich Weltenbummlerin, die oftmals lieber unterwegs als zu Hause ist. Doch in letzter Zeit war und bin ich gerne zu Hause. Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, wann ich das letzte mal gerne zu Hause gewohnt habe. Es war immer irgendwas, was mich von hier weg trieb. Doch im Moment mag ich es, zu Hause zu sein. Es gibt kaum Stress, selbst mit meiner Mutter komme ich im Moment so gut klar wie seit 10 Jahren nicht mehr. Und gerade dann bin ich in der Klinik und weiß nichtmal, ob ich je wieder nach Hause komme oder direkt danach ausziehe. Was ich auf der einen Seite auch möchte, ich mag es, ein Stadtkind zu sein. Aber heißt es nicht, dass man gehen soll, wenn es am schönsten ist?
Ich denke einfach, dass ich die Nestwärme im Moment dringender denn je brauche. Denn seit langem geht es mir nicht wegen irgendwelcher äußeren Umstände schlecht, sondern fast ausschließlich wegen dem, was sich in meinem Kopf abspielt. Und das macht es noch schwieriger. Wenn ich hier zu Hause Stress hatte, konnte ich immer flüchten. Aber ich kann nicht vor mir selbst flüchten. Im Moment muss auf mich aufgepasst werden. Gerade geschiet dies durch die Klinik und das Personal dort, aber danach? Ich bin hin und her gerissen.
Ich hatte letzte Nacht so starkes Heimweh, ich war so traurig, dass ich direkt nach der Abschlussrunde heute heim gefahren bin und morgen früh nach dem Aufstehen bis 24 Uhr auch wieder her fahren werde. Ich brauche meine Familie, meine vertraute Umgebung, meine Tiere. Doch ich brauche auch die Therapie. Und um an meinem Trauma intensiv zu arbeiten, muss ich ausziehen, weil ich nicht daran arbeiten kann, wenn ich dort wohne, wo alles passiert ist.

Und es tut mir leid, dass ich eure Blogs im Moment nicht regelmäßig lesen kann, mein Handyinternet macht dies leider nur selten mit :/
Aber morgen bin ich den ganzen Tag zu Hause, da werde ich mir erstmal Zeit nehmen, vieles zu lesen 🙂
Verzeiht mir! ❤