04.07.2019 – vegan leben und Veränderung

Nur mal am Rande: Ich bin seit gut einer Woche aus der Klinik entlassen und wieder in der WG!

Ich habe lange darüber nachgedacht, mich vegan zu ernähren und komplett vegan zu leben. Ich habe oft gezweifelt, ob das hier in der WG geht. Und ehrlich gesagt, trotz schlechtem Gewissen habe ich lange mehr an mich Gedacht als an das Wohl der Tiere. Ich hatte schon ein schlechtes Gewissen, ein großes sogar, aber ich war zu egoistisch. Aber die letzten Wochen wurde das schlechte Gewissen einfach immer größer. Und ich stelle mittlerweile das Wohl der Tiere vor mein Bedürfnis nach Fleisch. Ich habe umgedacht. Das ganze gut durchdacht. Und, mal ganz ehrlich, was bringt mir das Fleisch, die Milchprodukte und alles, wenn ich es eh nicht genießen kann? Auch, wenn es mir lange geschmeckt hat, zumindest manches. Aber ich kann es einfach nicht mehr genießen. Und da kam dann wieder meine Essstörung ins Spiel, dass ich einfach gar nichts mehr gegessen habe. Das ist, entschuldigung für die Ausdrucksweise, scheiße. Weil ich muss essen, um zu leben, um stabil zu werden, um Spaß am Leben zu haben. Und noch so vieles mehr.

Seit ich mich vegan ernähre, was mir gar nicht schwer fällt bislang, kann ich besser essen, kann es wieder genießen, habe Spaß an der Zubereitung und selbst am Einkaufen. Auch wenn das Thema hier mit den Betreuern für Diskussionen sorgt und mich manche Mitbewohnerinnen belächeln. Ich habe entschieden, dass ich nicht für Tierleid verantwortlich sein will. Dass ich wieder Spaß am Essen haben will und genießen will.

Allgemein hat sich viel verändert in dem letzten Jahr. Auch wenn ich noch manchmal da sitze, weine, weil ich so verzweifelt bin und Angst habe, dass nie was aus meinem Leben wird und dass es nie besser wird. ABER es gibt viele Momente, Tage, Minuten, Stunden, die einfach das Gegenteil beweisen. Zum Beispiel: Trotz der schwierigen Zeit gerade, Mamas Todestag ist nächste Woche, habe ich mich nicht selbst verletzt. Seit ca. 2 Monaten schon nicht. Obwohl ich auch in der Klinik war. Ich will es einfach nicht mehr und habe es mir auch verboten. Weil: Es bringt mir auch einfach nichts mehr.
Ich kann Verantwortung für mein Leben übernehmen. Auch wenn es sich manchmal nicht so anfühlt. Gerade wenn ich in die Klinik gehe. Aber ich sage mittlerweile von mir aus, dass es hier gerade nicht geht, dass ich z.B. nicht für mein Leben garantieren kann und lasse mich somit schützen bzw. schütze mich auch selbst, indem ich in die Klinik gehe. Das war viele, viele Jahre nicht so. Man musste mich überreden, zwingen, die Polizei und/oder der RTW/Notarzt kam.

Auch in meinem Denken hat sich viel verändert. Lange dachte ich: Ja, das ist so und ich bin dem ausgeliefert, kann nichts ändern.
Mittlerweile denke ich oft: Ja, es ist jetzt so, das ist okey, ABER ich kann auch was dran ändern und kann die Kontrolle zurück gewinnen.

Meine Bezugsbetreuerin meinte gestern: Ist Ihnen mal aufgefallen, dass wenn sie etwas wollen, was nicht in Zusammenhang mit ihrer Krankheit steht, sie das auch hinkriegen, und alles dafür geben, vollen Körpereinsatz zeigen und wissen, was sie wollen und was nicht? Und dass sie sich ganz sicher sind, das zu schaffen?
Ja, in der Tat ist das so. Und das werde ich jetzt auf mein gesamtes Leben übertragen. Auch in die Bereiche der Krankheit, meinen Zielen.

Weil: ICH KANN ALLES SCHAFFEN, WENN ICH ES WIRKLICH WILL! Und überzeugt davon bin, dass es klappen kann (Daran scheitert es leider momentan noch oft).

Ich gebe mein Bestes UND ich bin nicht alleine!

15.5.2019 – Therapiereicher Tag

Ich hatte heute Körpertherapie und Psychotherapie – letzeres zum ersten Mal bei diesem Arzt. Und ich war sehr aufgeregt und eh schon ziemlich kaputt vom Tag und besonders von der Körpertherapie. Und Angst hatte ich auch – weil er eben ein Mann ist und ich lange keine wirkliche Psychotherapie hatte.

Doch ich war überrascht. Der Termin war sehr gut. Wir haben besprochen, was ich von der Psychotherapie erwarte und dann hat er erzählt, was er so im Kopf hat, wie das so ablaufen wird. Ich hatte mir extra schon Ziele überlegt und es passte ziemlich gut überein mit dem, was er sich vorstellt. In dieser Psychotherapie soll es hauptsächlich um die Depression/depressiven Phasen gehen. Und das klingt ziemlich gut, was er so vor hat. Aber es wird auch anstrengend. Es wird so klassische Verhaltenstherapie bei Depressionen. Er war erstaunt, dass ich noch nicht so viel in diesem Bezug gemacht hab in Therapien, aber es ist nicht schlimm.
Wir haben erste Ansätze gefunden, wo wir anfangen können – zum Beispiel mein Wunsch/Drang perfekt zu sein. Ich soll jetzt die ganze Therapie über eine Diary Card führen, aus verschiedenen Gründen: Um zu sehen, wie die Woche Stimmungsmäßig war, aber auch, wie die Anspannung war und vor allem wie das alles zusammen hängt.

Die Körüertherapie war, wie immer, sehr intensiv. Aber ich bin recht zufrieden daraus und es fühlt sich immer noch gut an. Erst ging es um diese 2 Seiten in mir, die so abgespalten sind. Einmal diese lebensfrohe, laute, funktionierende, bunte Seite (Paradiesvogel, wir haben in der Therapie ein Eulen-Kuscheltier als Symbol dafür) und dann der bedürftige, Gefühle habende, traurige, einsame Teil (der Esel, den haben wir auch als Kuscheltier als Symbol für diese Seite). Ob sie sich kennen, vielleicht sogar zusammen arbeiten. Letzeres leider nein. Aber das ist unser Ziel. Ich sollte aufmalen, was auf den zwei Seiten steht. Welche Schlagworte für die Eule und welche für den Esel. Sie sagte, man kann nicht das ganze auf einmal bearbeiten und müsse es etwas auseinander dröseln, um sich stück für stück die Probleme/Bedürfnisse/Erfahrungen vorzunehmen und zum Beispiel in positive Gedanken oder Glaubenssätze umzuwandeln oder Bedürfnisse (selbst) zu erfüllen (lernen). Wir haben uns diese Stunde der Überforderung und Einsamkeit gewidmet und haben eine Übung dazu gemacht. Eine Imaginationsübung mit der Idealen Mutter und dem Idealen Vater; mich beschützt und verstanden zu fühlen; zu erfahren, dass jemand für mich da ist und alles aushält, mich geborgen zu fühlen; und so die heutigen Bedürfnisse selbst erfüllen zu lernen. Was sich natürlich jetzt so einfach schreibt, aber es ist harte Arbeit, die Wochen/Monate in Anspruch nimmt. Viel Übung, Disziplin usw..
Desweiteren soll ich die nächsten Monate Abends immer in die Metaebene gehen und schauen, wie sehr die Eule aktiv war und wie viel Beachtung der Esel bekommen hat, und dies soll ich jeden Abend in eine Gefühlsskala eintragen.
Beispiel: Wenn ich den ganzen Tag funktioniert habe, mich nicht um meine Bedürfnisse gekümmert habe, meine Gefühle nicht beachtet habe – dann wird die Eule auf der Skala von 0 bis +10 eine hohe Zahl bekommen und der Esel auf der Skala von -10 bis 0 eine sehr niedrige. Erstmal nur, um alles zu beobachten. Aber Ziel ist, dass die Teile irgendwann miteinander arbeiten und es nicht mehr so diese Extremen gibt, das alles nicht mehr so abgespalten ist voneinander.

So. Das war viel heute. Allein diese zwei Termine. Nebenbei waren noch die üblichen Termine vom Wochenplan. Und ich bin eigentlich schon ewig echt fertig und sehr müde – doch die Gedanken sind so laut und viel, dass ich nicht schlafen kann. Und da ich mir letzte Woche eh vorgenommen hab, es zu versuchen, abends meine Gedanken aufzuschreiben in der Hoffnung, für Entlastung zu sorgen, habe ich jetzt einfach angefangen.
Gerade ist in meinem Kopf diese Frage, wie ich das langfristig schaffe. Diese vielen Termine, intensiven Therapien. Ich denke, ich muss für einen guten Ausgleich sorgen. Aber jetzt ist mein Kopf etwas leerer, ich habe ein Hörspiel an, und hoffe, bald schlafen zu können.

 

 

It`s okey to be sad…

Hallo… mal wieder kam Monate nichts von mir. Es tut mir echt leid, ich hatte oft das Bedürfnis, etwas zu schreiben, aber das Programm hier und die sozialen Kontakte nahmen und nehmen mich sehr in Anspruch.
Zudem sind einige traurige Sachen passiert, seit ich hier bin. 7

Im Mai brachte sich mein Onkel um, kurz danach, ich glaube im Juni, brachte sich eine Mitbewohnerin um und am 10. Juli starb dann auch noch meine Mama…

Ihr könnt euch sicher vorstellen, wie schwer es mir fällt, mich über Wasser zu halten. Nach dem Suizid vom Onkel und der Mitbewohnerin, einem Besuch zu Hause nachdem Mama ins Kome gefalllen ist, kam ich nach einem halben Jahr wieder in die Klinik. Ich hab mich freiwillig aufnehmen lassen, weil ich für nichts mehr garantieren konnte und mich doch eigentlich fürs Leben entschieden habe. Die Zeit in der Klinik war sehr schwer, viele Zusammenbrüche, einige Selbstverletzungen und dann nach 9 Tagen kam die Nachricht: Mama ist gestorben. Ich hab geschrien, geheult, wollte zu meiner Familie, habe getobt und bin schier durchgedreht.
Meine Familie ist ca. 300 km weg und konnte mich auch nicht besuchen. Ich konnte nicht aus der Klinik, da sie Angst um mich hatten.
Da ich in der geschlossenen mein Handy nur zu bestimmten Zeiten für eine halbe Stunde haben durfte, und Papa Angst hatte, was ich mache, wenn ich alleine bin und er mir die Nachricht überbringt, rief er hier in der Wohngruppe an und sprach mit meiner Bezugsbetreuerin, Papa erzählte ihr alles, sie telefonierte mit meiner Ärztin in der geschlossenen und die sagte mir den Tag, dass wir um 15.30 Uhr ein Gesprach haben, wo es um was sehr ernstes geht. Das sagte sie mir so gegen 11 Uhr. Ich bin fast durchgedreht während des Wartens…
Als es dann soweit war, ging ich vor um auf meine Ärztin zu warten und dann stand da meine Bezugsbetreuerin. Ich war überrascht und fragte sie, was sie hier mache, da meinte sie, dass wir doch zusammen ein Gespräch haben. Das wusste ich bis dahin allerdings nicht… Ich hab gefragt, was ich angestellt hab, was passiert ist, was los ist- doch sie wollte auf die Ärztin warten. Die kam dann und wir gingen ins Sprechzimmer. Ich fragte wieder, was ich angestellt habe oder was passiert sei… da meinte eine von den beiden, dass tatsächlich etwas passiert ist. Mir schossen die Tränen in die Augen und ich fragte, ob Mama gestorben sei… da bekam ich nur ein mitfühlendes `Ja, leider. Es tut mir leid…`…
Ich brach in Tränen aus. Ich schrie. Mir schossen Gedanken durch den Kopf, dass ich jetzt raus rennen muss und irgendwie den Schmerz betäuben muss. Meine Bezugsbetreuerin hat mich aber ganz fest gehalten, in den Arm genommen, mich getröstet. Ich hab geschrien, dass ich zu Papa will, dass ich hier raus muss und zu meiner Familie muss. Dass ich wenigstens mit ihm telefonieren will.
Raus durfte ich natürlich nicht alleine, entlassen wollten sie erst recht nicht und ich war einfach nur am Ende. Meine Bezugsbetreuerin besprach dann mit der Ärztin, ob es ginge, dass jemand mit mir raus geht und ich Papa anrufen kann, nach dem Gespräch. Das ging dann zum Glück. Als sie gegangen war, bin ich zur Pflege, hab mir Bedarf geben lassen und ein Pfleger kam mit mir raus und gab mir mein Handy, so dass ich Papa anrufen konnte. Ich hab geweint und geweint, und Papa auch. Es hat mir das Herz zerrissen, ihn so weinen zu hören. Und ich wollte sofort zu ihm. Egal wie. Aber dann musste ich bald wieder mit dem Pfleger rein und hatte erstmal keinen Ausgang mehr.

Meine Bezugsbetreuerin kam die nächsten Tage täglich, um für mich da zu sein. Die ersten 2 Tage lag ich jedes Mal fast die ganze Zeit weinend in ihrem Arm und sie hat mich einfach gehalten, mir gut zu geredet, mich weinen lassen und war für mich da.

Nach diesen 2 akuten Tagen, fing ich an, alles zu verdrängen, und machte normal weiter. Ich kam rasch auf die offene Station und sollte am Mittwoch entlassen werden, weil am Freitag Papa Geburtstag hatte und die Beerdigung den Donnerstag drauf war. Das habe ich auch, trotz heftiger Selbstverletzung in der Nacht zu Mittwoch, geschafft.
Und dann war ich 1 1/2 Tage in der Wg und durfte und strengen Auflagen, Regeln und Absprachen eine Woche zu Papa fahren.

Auch die Woche habe ich gut geschafft, alle Regeln eingehalten, hatte täglichen Kontakt zu den Betreuern und kam dann Samstags wieder. Ich hab die ganze Zeit einfach nur funktioniert. Hier ging das dann noch eine oder zwei Wochen weiter mit dem Verdrängen und funktionieren und seit zwei Wochen glaube ich, klappt es einfach nicht mehr. Es kommt andauernd hoch, ich breche andauernd zusammen, funktioniere nicht wie ich möchte und bin andauernd überfordert. Habe das starke Bedürfniss nach Ruhe und Entschleunigung, doch trotz 2,5 mg Tavor täglich und anderen Medis komme ich nicht zur Ruhe.

Zwei bis 3 Montate war die Essstörung auch so schlimm wie Jahre nicht. In der Klinik wurde mir mit Zangsernährund gedroht und als ich zurück in der WG war, wurde mir gesagt, wenn das in ein paar Wochen immer noch so ist, dann muss ich deswegen in eine spezielle Klinik. Ich habe Wochen/Monatelang täglich mehrmals erbrochen und Nächte mit Essen/erbrechen verbracht…
Wenigstens das habe ich seit einer Woche wieder im Griff. Zumindest das erbrechen.
Ich habe in der Zeit des Verdrängens auch viel Sport gemacht. Viel und schnell spazieren, Fahrrad fahren, stundenlang Bahnen schwimmen… es war wie ein Zwang.

Und jetzt hat mich die Depression eingeholt. Kaum Sport, nur essen wenn ich muss, viel Erschöpfung, Angst, Trauer die mich zerfrisst und viele emotionale Zusammenbrüche. Überforderung, viele Tränen. Mein Gedächtnis funktioniert kaum, ich kann mir kaum etwas merken. Ich kann mich kaum Konzentrieren und das Reden fällt mir auch sehr schwer.

Doch irgendwie schaffe ich den Alltag. Mit Tränen, Wut, Trotzanfällen. Aber ich schaffe ihn. Ich muss ja, irgendwie.

Das einzige, was mir etwas Ruhe bringt und wo ich Gefühle zeigen kann, ist das Malen. Deswegen habe ich jetzt auch ab nächste Wochen Kunst- und Gestaltungstherapie, in der Hoffnung, dass es mir bei der Trauerverarbeitung hilft.
Und zum Glück habe ich hier einige sehr gute Freundinnen, die immer für mich da sind und die ganzen Betreuer, die mir helfen, mir zuhören (falls ich mal was anständiges zusammen kriege) und einfach für mich da sind, nach mir schauen und mich unterstützen.

Ich muss es schaffen. Ich will nicht wieder in die Klinik…obwohl… manchmal doch. Einfach weil ich nicht mehr kann. Und zum Glück weiß ich, dass wenn gar nichts mehr geht, ich wieder dort hin kann.
Nebenbei wird jetzt auch mein Tavor ambulant reduziert und dann ausgeschlichen. In der Klinik habe ich fest 3 mg bekommen und bis zu 4 mg als Bedarf. Jetzt bin ich „nur noch“ bei 2,5 mg. Ich hab Angst, wie es ist, wenn es weg ist. Wie schlimm es dann wird. Ob ich das alles dann wirklich nicht mehr aushalte. Oft habe ich das Gefühl, es nicht mehr auszuhalten, aber irgendwie geht es doch weiter. Aber irgendwann halt auch nicht mehr…

Schlaflos

Nun geht es seit Wochen schon so, dass ich Nachts kaum schlafen kann. Aus Angst. Fühle mich nicht sicher. Bin so müde, doch wenn ich mich zum schlafen hinlege, bin ich wieder hellwach .. Immerzu müde, aber nicht richtig schlafen können… es schlaucht. Es zerrt an den Nerven. Nachts ist alles eh immer schlimmer, und dann ewig wach zu liegen ist richtig scheiße! 

Heute habe ich einen Brief bekommen aus der Klinik, vorrausichtlich ist die Aufnahme im Februar/März. Super… meine Therapeutin hat geantwortet, dass es Februar wird, vielleicht spontan früher. Auf das alles, was gerade los ist und was problematisch ist, hat sie gar nicht reagiert. Nicht mal auf die Suizidalen Gedanken. Sie hat nur geschrieben, wenns gar nicht geht, muss ich in die Akutklinik. Aber das will ich nicht… fühle mich so allein gelassen, nicht ernst genommen. Ich liege jetzt wieder wach, mache mir Gedanken, weine mit die Augen aus dem Kopf und weiß nicht weiter… danke für nichts! 😦 

Habe die letzten 2 Wochen im Wohnzimmer geschlafen, weil die Angst dort anfangs weniger war und die Albträume auch weniger waren. Aber jetzt ist es dort genauso schlimm. Jetzt liege ich in meinem Bett, mit dem Laptop, schau Dokus und will einfach nur schlafen 😢

Depressive Phase

Ich dachte ja, Weihnachten hätte sie durchbrochen. Die Tage, als ich bei meinen Eltern war, war soweit alles okey. Aber seit ich wieder zu Hause bin, ist alles wie vorher und schlimmer. Ich schlafe den ganzen Tag, kann die ganze Nacht logischerweise nicht schlafen. Kann mich tagsüber aber auch nicht wach halten, weil mir der Sinn fehlt und alles so unaushaltbar scheint. Also schlafen, wann immer es nur geht. Nachts fühle ich mich nicht sicher, sehr einsam. Bin nicht sicher hier und zudem niemand da zum reden. M., meine Bezugsbetreuerin, hat Urlaub bis zum 2.1. Und Therapie hab ich erst am 10.1. Wieder. Hätte zwischen Weihnachten und Silvester einen Termin haben können, aber wollte ich nicht, weil ich ein paar Tage nur Ruhe haben wollte. Da wusste ich aber auch noch nicht, dass M. Urlaub hat. Jetzt bereue ich es… ich komm aus dem Loch nicht raus. Suizidgedanken werden stärker und häufiger, drang nach Selbstverletzung manchmal kaum auszuhalten. Heute hab ich M. Geschrieben, als ich so verzweifelt war. Sie meinte, ich soll mal drüber nachdenken, in die Akutklinik zu gehen, weil ich da sicher bin. Aber die konnten mir ja im November schon nicht helfen… Hab gesagt, dass ich so schnell wie möglich in die Klinik will, wo ich war und wo auch meine Therapeutin ist. Jetzt soll ich morgen mal meine Thera anrufen und fragen, wann ich hin kann, ob es schon einen Termin gibt. Ich hoffe, ich trau mich… vielleicht schreib ich auch gleich eine Mail. Schreiben fällt Einfacher als Telefonieren… will so gern dort sein, sicher sein, Hilfe bekomme… hab so Angst vor mir.. 

Therapie

Donnerstag hab ich zum ersten Mal seit Anfang November wieder Therapie. Endlich. Aber ich hab auch mega Angst. Denn es ist so viel passiert, so viel außer Kontrolle geraten. Ich hab Angst vor ihrer Reaktion. Sie ist ziemlich streng, was das angeht. Aber ich hoffe, sie wird Verständnis haben… 

Noch mehr hoffe ich, dass sie regeln kann, dass ich bald wieder dort aufgenommen werde. Würde gerade alles dafür geben. Selbst wenn ich dafür Weihnachten nicht so viel Zeit mit meiner Familie hab. Ich will nur, dass es endlich besser wird 😕 Sehne mich nach Schutz, Geborgenheit, Sicherheit. Ich hoffe, ich kriege Donnerstag auch den Mund auf… werde mir später mal eine Liste machen mit Dingen, die ich sagen will, weils so viel ist, dass ich sonst bestimmt was vergesse. 

Jetzt hoffe ich, dass ich nich etwas schlaf bekomme. Es ist viertel vor 3, um 6.30 Uhr klingelt der Wecker… 

Zu viel

Es ist einfach zu viel. Und ich bin alleine mit dem scheiß.

Hab mich heute endlich getraut, auf Station anzurufen und nach meiner Therapeutin zu fragen. Nun weiß ich, dass sie diese Woche Urlaub hat. Lieblingspflegerin auch. Warum sie letzte Woche weder ans Telefon ging noch auf meine Mail geantwortet hat konnte mir keiner sagen. Genug Platz in meinem Kopf für die schlimmsten Phantasien, für die Verlassenängste und allein sein müssen… 

M., meine Bezugsbetreuerin, ist da. Nachher haben wir ein Gespräch. Sie weiß von einem Rückfall.. nun sind es 3. Angst, wie sie reagiert. Angst, in die Klinik zu müssen. Aber Akutstation hilft null. Die ballern mich mit Medikamenten weg und sperren mich ein, wenns sschwierig wird. Und wenn ich einen Rückfall habe, bestrafen sie auch noch. In Bezug auf der Essstörung sagen sie, dass das nicht ihr Gebiet ist und die da keine Kapazität für haben. Nunja, das werde ich M. dann später auch so sagen. 

Ich will wieder in die Klinik, wo ich dieses Jahr schon mal 14 Wochen war. Ich hoffe so sehr, bald wieder hin zu können. Das ist das einzige, was hilft. 

Es ist einfach zu viel für meinen Kopf. Die Stimmen, Gedanken, Anspannung, Druck, viele Gefühle… es ist zu viel und ich bin überfordert… weiß nicht wohin damit… es ist einfach zu viel und zu laut in meinem Kopf. 

Wollt ihr wissen, wie das Gespräch mit M. war? Dann würde ich heute Abend berichten… 

Lebenszeichen

Hallo ihr Lieben!

Ja, ich lebe noch =) Ist auch schon eine Weile her, dass ich hier was geschrieben habe. Es tut mir sehr leid, wirklich. Ich hoffe, ihr habt euch keine Sorgen gemacht!

Es ist ein wenig Zeit verständen und leider nicht nur gutes passiert. Länger war ich recht stabil, alles ging ganz gut. Doch irgendwie kam es langsam und schleichend, dass es wieder schlechter wurde.. bis hin zu mehreren Krisen, sogar einen Rückfall in Selbstverletzung. Und jetzt kam es so weit, dass es nicht mehr ohne Klinik ging. Bin nun seit fast 2 Wochen hier auf der offenen Krisenstation, auf der ich 2014 nach meinem letzten Suizidversuch war, wo ich im Anschluss dann in die Wg gegangen bin.
Ich bin im Moment ziemlich überfordert mit mir, den ganzen Gedanken, den Gefühlen, die alle hoch kommen und nun nicht mehr weg gedrückt werden durch destruktives Verhalten. Ziemlich krass, dieser ganze Scheiß… Gibt häufiger zusammenbrüche, in den ich einfach nur heule und gar nicht mehr klar komme.. Gefühlt bin ich dann schon die Klippe runter gestürzt und falle, habe keinen Fallschirm dabei. Manchmal denke ich, es ist einfacher, einfach wieder zu schneiden… ich kann diese ganzen Gefühle, Emotionen und Gedanken nicht mehr aushhalten, diese Heulkrämpfe und Zusammenbrüche, wo selbst das Personal überfordert ist. Ich kenn das gar nicht mehr von mir…

Aber irgendwie muss es ja weiter gehen, oder?

Es ist nur gerade sehr hart… aber das geht vorbei, oder?

Wie gehts euch? Gibts was zu erzählen?

Ich hab jetzt zu Hause sogar Wlan! Endlich, nach fast 2 Jahren. Und einen anderen Laptop hab ich auch =)

Wünsche euch eine tol

Kleiner Rückfall…

In der letzten Woche gab es ein paar sehr schwierige Tage… Sonntag ging es los, der Selbsthass stieg und stieg, ich hab einen kleinen Essanfall gehabt und mich übergeben. Die Nacht darauf habe ich dann keine Minute geschlafen und fast alle Gedanken an mein Gewicht und irgendwelche Hungerkuren verschwendet und bin letztendlich noch auf die Waage und meine Angst wurde bestätigt. 5 kg zugenommen in 5 Wochen. Dann war es vorbei. Selbsthass stieg so sehr, dass ich nicht aus dem Haus wollte. Anspannung war unerträglich. Bin dann irgendwie doch in die Tagesstruktur, aber musste schnell heim, weil ich es nicht ertragen habe, angeschaut zu werden. Nach einigen Diskussionen ließen sie mich gehen. Nicht, ohne mir ein schlechtes Gewissen zu machen… Und es wurde immer schlimmer. Hatte meine letzte Klinge, Verbandsmaterial bereit gelegt und war kurz davor. Habe über eine Stunde überlegt. Doch dann bin ich zum Glück eingeschlafen und als ich aufgewacht bin, bin ich zu einem Betreuer. Geredet, Bedarf, Klingen angegeben. Und nochmal gekotzt. Dienstag Ausflug.
Mittwoch dann Therapie. Und alles wurde noch schlimmer. Es war mir so peinlich, zu sagen, wie undiszipliniert ich bin.  Ich habe mich so geschämt, zuzugeben, wie schlecht es mir geht. Das habe ich ihr dann auch gesagt. Da meinte sie, ich brauch mich nicht schämen. Das gehört dazu. Aber ich schäme mich trotzdem in Grund und Boden. Dann sagte sie, bevor ich wirklich versuche mich umzubringen, muss ich in die Klinik. Sie will, dass Ich Dienstag unbeschadet und lebendig zur nächsten Stunde erscheine. Und am besten soll ich auch in die Klinik, wenn der Drang zum selbst verletzen besser wird.
Nach der Therapie stieg die Anspannung noch höher. Bin kurz vorm Durchdrehen gewesen. Kurz davor gewesen, mich doch einweisen zu lassen. Und hab dann etwas die Kontrolle verloren und mich verbrannt mit Zigaretten… Und dann hatte ich Angst, vor dem Telefonat meiner Therapeutin mit meiner Betreuerin. Angst, dass ich in die Klinik muss. Leider haben Sie Doch nicht telefoniert.
Aber es ging dann auch langsam wieder bergauf, zum Glück. Noch mehr solche Tage und ich hätte mich echt einweisen müssen…
Jetzt ist es Zum Glück wieder soweit okey und ich hoffe, meine Therapeutin ist nicht allzu enttäuscht…

Erfolg der Therapie

Nun bin ich in den letzten Tagen in der Therapie. Heute hatte ich bereits das Abschlussgespräch beim Chefarzt und da ist mir klar geworden, wie große Fortschritte ich gemacht habe! Mir ist eingefallen, dass ich am Anfang gesagt habe, dass ich morgens, wenn ich aufstehe, mich auf den Tag freuen will und nicht den ganzen Tag warte, bis er endlich vorbei ist. Dass ich mit Freude auf den Tag aufstehe und auch den ganzen Tag durch halte. Das ging ja ganz lange gar nicht. Immer, wenn ich das Pflichtprogramm hinter mir hatte, habe ich mich sofort wieder im Bett verkrochen nur um nicht denken/fühlen zu können. Das ist nun vorbei! Ich stehe morgens auf und freue mich meistens auf den Tag, egal ob was besonderes ansteht oder nicht. Ich hoffe NICHT, dass der Tag möglichst schnell vorbei ist und verkrieche mich NICHT mehr. Laufe NICHT mehr weg vor den Emtoionen, Gefühlen. Ich fülle meinen Tag aus mit Beschäftigungen; Malen, lesen, spazieren gehen, sport, Musik hören… Tv schaue ich hier eigentlich gar nicht und es fehlt mir auch nicht. Meinen Laptop hatte ich auch nur einmal an um Musik aufs Tablet zu ziehen. Obwohl ich so viele Filme mit hatte. Ich will möglichst lange wach sein, um nichts zu verpassen. Und vorallem, ich kann nach etlichen Jahren meistens ganz gut ohne Schlafmedikation schlafen! Das ist so angenehm! Endlich abends zur Ruhe kommen, selbst entscheiden wann man schläft. Das ist so toll. Ich habe echt einiges gelernt hier. Die Depression ist viel besser geworden.
Auch die Anspannungszustände kann ich viel besser aushalten und abmildern. UND ich weiß, dass es VORBEI geht, auch wenn ich mir nicht irgendwie schade, um den Druck abzubauen! Ich weiß, dass es nur ein kurzer Zeitraum ist, der so stark ist. Ich denke nicht mehr, dass es der Weltuntergang ist und ich ohne destruktive Verhaltensweisen da raus komme. Es geht auch ohne! Auch wenn es manchmal echt schwer ist. Aber mit jedem Mal aushalten wird es ein Stückchen leichter!
Der Chefarzt meinte auch, ich würde viel stabiler und selbstbewusster wirken! Ich fühle mich auch besser! Viel besser!
Lebendiger. Lebenslustiger. Ein wenig so, wie ich früher war. Das fühlt sich so toll an!
Auch meine Betreuerin hat gesagt, dass man merkt, dass sich was getan hat. Dass ich mich fürs Leben entschieden haben und kämpfe. Dass ich viel stärker bin und mehr Lebenswillen habe. Dass ich JA zum LEBEN sage!
Meine Eltern haben auch gesagt, dass ich echt anders bin. Stabiler, Lebenslustiger. Sie meinten auch, dass mir das echt gut tut und sie seit langem das Gefühl haben, dass es endlich wieder bergauf geht =)
Es ist toll, von so vielen zu hören, dass ich mich gut entwickele und auf dem richtigen Weg bin. Das ist Balsam für die Seele und Futter für den Lebenswillen!
Ich freu mich auf das, was jetzt kommt. Auch wenn es neu ist und auch Angst macht, es geht endlich voran! Und wenn ich wirklich will, schaffe ich das auch 🙂
Dienstag gehts also nach Hause und ich freue mich langsam =)
Meine Betreuerin war gestern zum Gespräch hier und wir haben gut besprochen, wie es zu Hause klappen kann und wie es weiter geht. Zu wissen, dass ich nicht alleine bin, nimmt mir einen großen Teil der Angst!
Jetzt geht das letzte Wochenende hier los, Montag habe ich nochmal volles Programm und dann gehts Dienstag heim =)
Wünsche euch ein tolles Wochenende mit viel Sonne ❤