Mama, bitte gib nicht auf..

Mama… Warum gibst du dich auf? Warum lässt du dich nicht untersuchen und schauen, woran es liegt? Warum kämpfst du nicht? Warum denkst du nicht an uns? Warum zur Hölle lässt du dir nicht helfen? Mama… Es tut weh, zu sehen, wie du leidest. Es tut weh, zu sehen, dass du verzweifelt bist. Es tut weh, zu merken, dass du aufgegeben hast. 

Aber es macht mich auch wütend. Weil du scheinbar nur an dich denkst und dir egal ist, wie wir leiden. Dass wir hilflos zusehen müssen. Dass du alles an Hilfe ablehnte. Das macht mich so wütend, dass ich Tränen in den Augen haben! Aber das ist dir scheinbar nicht bewusst…

Ich kann es ja so gut verstehen, wenn man aufgeben will. Wenn man nicht mehr kann und am Ende ist. Weißt du, Mama, mir geht es oft so! Aber weißt du, warum ich nicht aufgebe? Weil ich das euch, meinen Freunden und meiner Familie, nicht antun kann und will! Weil ich nicht schuld sein will, dass ihr leidet! Weil ich lieber leide, als schuld daran zu sein, dass andere leiden! Ich kann dich so gut verstehen, wirklich. Aber ich kämpfe auch! Zwar nicht für mich, aber für euch, und dir Tatsache, dass ich kämpfe, ist doch das, was zählt, oder? 

Es macht mich traurig und wütend, wenn du weinend vom Tisch erg gehst ohne was zu sagen und wenn man dir dann Hilfe anbietet oder vorschlägt dich zum Arzt zu bringen, lehnst du ab und sagst, es bringt doch eh alles nichts mehr. Warum? Warum tust du das? Es macht mich traurig und tut weh.

Hast du Angst, dass bei Untersuchungen etwas schlimmes fest gestellt werden wird? Auch das kann ich verstehen! Das ging mir bei meiner Schilddrüse genauso. Aber ich habe es dann doch untersuchen lassen. Und die Knoten sind fast weg, die Schilddrüse zwar auch, aber damit kann und muss ich leben. Und weißt du, wenn was schlimmes fest gestellt werden würde, kann man was gegen tun, wenn man es rechtzeitig erkennt! 
Ich überlege, ob ich ihr all das mal in einem Brief schreibe. Und ich werde morgen in Ruhe mit ihr reden und sie versuchen zu über zeugen, dass sie ins Krankenhaus geht. 

Ängste

Im Moment kommen viele Ängste hoch. Die Angst, den Anschluss an meine Familie zu verlieren. Nicht mehr Teil ihres Lebens zu sein. Angst, ihnen egal zu sein, weil ich ja nicht mehr so krank bin und meistens ohne ihre Hilfe zurecht kommen. Angst vor der neu gewonnenen Selbstständigkeit, einfach weil es fremd ist, lange weg war und fremdes Angst macht. Angst, wieder so krank zu werden wie früher. Angst, wieder in alte Verhaltensmuster zu rutschen, nur um die Aufmerksamkeit von meinen Eltern zu bekommen, die ich bekommen habe, als ich sehr krank war. Angst vor der Zukunft; wann es mit der Maßnahme los geht und wie ich das schaffe. Angst vor der Überforderung, weil ich fast 12 Stunden weg bin, mit Bus und Zugfahrten. Angst, dem Druck nicht stand halten zu können. Angst, dass der Selbsthass wieder überhand gewinnt. Angst, einfach Angst vor so vielem. Angst, bald alleine da zu stehen, weil es mir ja besser geht. Angst, dass sich keiner mehr um mich kümmert. Angst vor meinen Gefühlen, Emotionen.
So viel Angst; manche unbegründet und manche begründet. Aber trotzdem kämpfe ich weiter und gebe nicht auf, lasse mich nicht unter kriegen!

Kontrolle zurück?

Ich habe das Gefühl, dass ich so langsam wieder die Kontrolle über mein Leben gewinne. Langsam aber sicher. Schlafen klappt nun endlich auch nur mit dem Valdoxan, brauche nichts mehr zusätzlich nehmen. Es sei denn, es geht mir krass schlecht. Aber das ist ja was anderes.
Ich habe einen Ort gefunden, an dem ich Ruhe und Kraft tanken kann. Komischerweise ist dies ein Ort an den Bahnschienen. Aber das rauschen der Züge, die regelmäßig vorbei fahren, beruhigt und gibt Kraft. Und es stillt ein wenig die Sehnsucht, abzuhauen.
Heute habe ich relativ viel geschafft. Viel für meine Verhältnisse.. war einkaufen, Großeinkauf. Damit ich nicht immer alle paar Tage für ein paar Teile los muss. Hab auch mal ein paar Sachen gekauft, die nicht lebensnotwendig sind. Das ist eigentlich gut 🙂 Jetzt brauch ich eigentlich nur ab und zu Obst/Gemüse kaufen, den Rest hab ich da.
Dann habe ich abgewaschen, der Abwasch sammelte sich schon seit Donnerstag… da ich nicht jeden Tag esse, gott sei dank nicht so viel, aber bei meiner kleinen Küche sieht das gleich aus, als hätte ich Monate nicht abgewaschen 😀
Dann habe ich ein wenig aufgeräumt, Klo geputzt.
Und dann bin ich zu meinem Lieblingsplatz und habe die Ruhe genossen, 2 Alkopops getrunken (fühlte mich wie in meine frühe Jugend zurück versetzt :D) und mich einfach über das Leben gefreut. Und nachgedacht. Und mich für das Leben entschieden.

Meine beste Freundin ist daran nicht ganz unschuldig. Sie hat mich gestern zum weinen gebracht (und das, obwohl sie in Frankreich ist!). Wir haben bei Facebook geschrieben und sie fragte, wie es so läuft. Hab ein bisschen um den heißen Brei rum geredet, wollte nicht so wirklich sagen, dass es mir ib letzter Zeit aus den Händen gleitet. Also mein Leben. Sie meinte, ich brauch sie nicht schonen. Ich hatte nur bis gestern noch ein wenig Angst, dass sie wieder geht, wenn ich sie zu sehr belaste. Damals, in der 7. Klasse, war das zu viel für sie und sie hat sich abgeschottet. Kann ich gut verstehen! Aber die Angst war trotzdem da. Sie allerdings meinte, sie weiß, worauf sie sich heute eingelassen hat und dass sie damals naiv war. Aber ihr seien die Konsequenzen bewusst…
Sie fragte, ob ich wissen wolle, was sie mit Konsequenzen meinte. Natürlich wollte ich das.

“ Naja wenn man es ganz schwarz weiß malt und ohne drum herum zu reden, dann gibt es zwei Möglichkeiten.  Die eine wäre. , dass du – und das wünsche ich dir von ganzem herzen – dein leben irgendwann so meistern kannst wie du es dir wünscht und schaffst was immer du dir vorgenommen hast.  Eben, dass du glücklich wirst.

Die zweite Möglichkeit wäre,  dass ich dich irgendwann zu grabe tragen werde, wenn du aufgegeben hastgegen dich selbst zu kämpfen. Ich möchte dir damit nur klar machen, dass ich keine angst vor was auch immer habe und egal welcher weg der deine sein wird, du darfst mich immer und jeder zeit an deiner seite wissen. Ich gehe jeden weg mit dir meine kleine cherie ♡ “

Das ist der Originaltext. Ich habe geheulz, rotz und wasser. Es ist so toll, dass sie mich so nimmt, wie ich bin. Mich voll und ganz akzeptiert und bereit ist, JEDEN Weg zu gehen. Aber es ist auch so unglaublich traurig. Und es tut mir weh, dass ich ihr, niemanden, je versprechen kann, dass ich mich niemals umbringen werde. Aber sie würde mir das Versprechen nie abnehmen.
Allerdings werde ich mein bestes geben, kämpfen so sehr ich kann, damit sie mich nicht zu Grabe tragen muss, bevor ich an Altersschwäche sterbe.

Ich liebe sie so sehr und ich bin so verdammt froh, dass ich ihre beste Freundin bin und vorallem dass sie meine ist. Ich liebe sie wirklich! ♥ Diese Freundschaft ist einfach unglaublich. So anders. So toll. So unbeschreiblich.

Falls du das auch liest, Chérie, ich danke dir für alles und freue mich, auf noch gaaaaanz viele tolle Momente ♥♥♡

Ausbildung und Umgang mit der Krankheit

Ich möchte ja im Sommer eine Ausbildung zur Erzieherin anfangen. Morgen gebe ich die Bewerbung ab.
Doch nun stelle ich mir, mal wieder, die Frage, wie ich dann mit meiner Krankheit umgehen kann.
Es kann durch manche Themen echt hart werden, weil es sehr an meine Kindheit/Jugend und auch noch heutigen Probleme erinnern kann. Und dann wird mir bestimmt auch die Frage gestellt, was ich das letzte Jahr gemacht habe. Wenn ich sage, ich war krank, werden sie nicht nachfragen?
Und was mache ich mit meinen Narben? Verstecken? Im Sommer wird das echt schwer, im Sportunterricht erst recht… ich habe keine Ahnung, wie ich damit umgehen soll.
Wenn ich mal krank bin, oder es mir so schlecht geht, dass ich morgens nicht raus komme, werden sie nachfragen? Wenn ich weine, werden sie gleich in Panik ausbrechen?
Wenn ich es verstecke, wird es raus kommen. Oder ich schaffe es nicht, irgendwann werde ich zusammen brechen. Erst recht, wenn ich es verstecken muss und mich jeden Tag total unwohl fühle. Aber was, wenn mir Steine in den Weg gelegt werden, wenn ich offen damit umgehe?

Magersucht..

.. ist meiner Meinung nach die schlimmste, psychische Krankheit.
Ich muss viel an eine gute Freundin von mir denken. Sie ist ziemlich stark magersüchtig, wiegt 37 kg und ist 1,73 m groß. Vor ein paar Wochen wurde sie zwangseingewiesen und vorhin habe ich daran gedacht, dass sie nächste Woche 18 wird und nicht mal telefonieren darf.
Sie war mit mir in der Kinder und Jugendpsychiatrie, 2009, es war unser beider erster Aufenthalt in einer Klinik. Damals wog sie ungefähr 36 kg, war aber ca. 20 cm kleiner. Sie war wie meine kleine Schwester. Ich hab auf sie aufgepasst, mich um sie gekümmert, hab ihr Geschichten zum Einschlafen vorgelesen und ihr Tee gekocht. Ich hab mich mit ihr auf dem Zimmer beschäftigt, weil sie nicht raus durfte und mit mir in einem Zimmer war. Ich hab dafür gesorgt, dass sie morgens zum Frühstück geht. Obwohl ich nicht aufstehen musste. Danach hatte sie sich ne Zeit lang echt gefangen, ich hab sie 1 1/2 Jahre später besucht, und sie sah gesund aus. Gerade normal gewichtig, aber gesund. Und sie hat normal gegessen. Ich dachte, es wird nun endlich. Doch kurz danach ging es wieder bergab. Seit de war sie öfter wieder für Monate in der Klinik, und jetzt schon wieder. Mich macht das traurig. Für mich ist Magersucht die schlimmste Krankheit, weil sie eben auch sehr schnell tödlich sein kann, ohne dass dies die Absicht der Erkrankten ist. Während ich das hier schreiben, kullern Tränen lautlos meine Wangen hinunter. Es tut so weh, zu wissen, dass man ihr nicht helfen kann. Dass ihr niemand helfen kann, nur sie alleine. Sie brauch die Krankheitseinsicht, die sie nicht hat. Und dann kann man Zwangsmaßnahme durchziehen ohne Ende, es erhält sie zwar am Leben, aber das wars auch. Und ich kann so gut nachvollziehen, dass sie sterben möchte. So verdammt gut. Aber ich will es natürlich nicht. Ich möchte wieder schöne Zeiten mit ihr erleben. Spaß mit ihr haben. Ohne, dass immer ihre Krankheit im Vordergrund steht. Dafür kann sie ja nichts, aber es geht vielen Freunden von ihr so, dass man immer über ihr Gewicht redet…
Ich werde ihr zu ihrem Geburtstag einen Brief schreiben. Und ich werde die Krankheit außen vor lassen, das würde sie nur noch trauriger machen. Ich werde ihr schöne Dinge schreiben. Wie sehr ich sie lieb habe und dass ich sie, sobald sie Besuch empfangen darf, besuchen werde. Scheiß auf die 150 km Entfehrnung.
Nur mitlerweile frage ich mich, ob sie überhaupt nochmal gesund wird. Oder ob sie bald stirbt, weil Ärzte sie aufgeben und sie selbst hat sich schon längst aufgegeben. Ich habe Angst..
Ich will nicht, dass sie stirbt 😥

Und es ist so bekloppt. Ich weiß, wie heimtükisch und schlimm diese Krankheit ist, wie schwer sie zu heilen ist, oder zu behandeln… und trotzdem wünsche ich mir seit Jahren, dass ich auch Magersüchtig bin… ich hasse mich gerade so dafür.

Ich bin gerade so am Ende. Mein Kopf spielt verrückt… denkt sich sonst was aus…

Zu tief in der Krankheit?

Stecke ich noch zu tief im Teufelskreis der Selbstverletzung drin? Bin ich einfach nicht bereit, es los zu lassen? Bin ich noch nicht so weit?
Ich kriege immer mehr das Gefühl. Bin ich deswegen ein noch schlechterer Mensch? Weil ich die Krankheit nicht gehen lassen will/kann?
Immer öfter denke ich darüber nach.
Ich kaufe mir Verbandszeug, Pflaster in allen Größen und Formen. Und bin fast schon stolz darauf, mehr Vorrat und verschiedenes da zu haben…
Bin nur ich so? Denke nur ich so? Handele nur ich so? Oder geht es anderen auch so?
Ist doch alles bekloppt. Krank. Verrückt. Bescheuert.