It`s okey to be sad…

Hallo… mal wieder kam Monate nichts von mir. Es tut mir echt leid, ich hatte oft das Bedürfnis, etwas zu schreiben, aber das Programm hier und die sozialen Kontakte nahmen und nehmen mich sehr in Anspruch.
Zudem sind einige traurige Sachen passiert, seit ich hier bin. 7

Im Mai brachte sich mein Onkel um, kurz danach, ich glaube im Juni, brachte sich eine Mitbewohnerin um und am 10. Juli starb dann auch noch meine Mama…

Ihr könnt euch sicher vorstellen, wie schwer es mir fällt, mich über Wasser zu halten. Nach dem Suizid vom Onkel und der Mitbewohnerin, einem Besuch zu Hause nachdem Mama ins Kome gefalllen ist, kam ich nach einem halben Jahr wieder in die Klinik. Ich hab mich freiwillig aufnehmen lassen, weil ich für nichts mehr garantieren konnte und mich doch eigentlich fürs Leben entschieden habe. Die Zeit in der Klinik war sehr schwer, viele Zusammenbrüche, einige Selbstverletzungen und dann nach 9 Tagen kam die Nachricht: Mama ist gestorben. Ich hab geschrien, geheult, wollte zu meiner Familie, habe getobt und bin schier durchgedreht.
Meine Familie ist ca. 300 km weg und konnte mich auch nicht besuchen. Ich konnte nicht aus der Klinik, da sie Angst um mich hatten.
Da ich in der geschlossenen mein Handy nur zu bestimmten Zeiten für eine halbe Stunde haben durfte, und Papa Angst hatte, was ich mache, wenn ich alleine bin und er mir die Nachricht überbringt, rief er hier in der Wohngruppe an und sprach mit meiner Bezugsbetreuerin, Papa erzählte ihr alles, sie telefonierte mit meiner Ärztin in der geschlossenen und die sagte mir den Tag, dass wir um 15.30 Uhr ein Gesprach haben, wo es um was sehr ernstes geht. Das sagte sie mir so gegen 11 Uhr. Ich bin fast durchgedreht während des Wartens…
Als es dann soweit war, ging ich vor um auf meine Ärztin zu warten und dann stand da meine Bezugsbetreuerin. Ich war überrascht und fragte sie, was sie hier mache, da meinte sie, dass wir doch zusammen ein Gespräch haben. Das wusste ich bis dahin allerdings nicht… Ich hab gefragt, was ich angestellt hab, was passiert ist, was los ist- doch sie wollte auf die Ärztin warten. Die kam dann und wir gingen ins Sprechzimmer. Ich fragte wieder, was ich angestellt habe oder was passiert sei… da meinte eine von den beiden, dass tatsächlich etwas passiert ist. Mir schossen die Tränen in die Augen und ich fragte, ob Mama gestorben sei… da bekam ich nur ein mitfühlendes `Ja, leider. Es tut mir leid…`…
Ich brach in Tränen aus. Ich schrie. Mir schossen Gedanken durch den Kopf, dass ich jetzt raus rennen muss und irgendwie den Schmerz betäuben muss. Meine Bezugsbetreuerin hat mich aber ganz fest gehalten, in den Arm genommen, mich getröstet. Ich hab geschrien, dass ich zu Papa will, dass ich hier raus muss und zu meiner Familie muss. Dass ich wenigstens mit ihm telefonieren will.
Raus durfte ich natürlich nicht alleine, entlassen wollten sie erst recht nicht und ich war einfach nur am Ende. Meine Bezugsbetreuerin besprach dann mit der Ärztin, ob es ginge, dass jemand mit mir raus geht und ich Papa anrufen kann, nach dem Gespräch. Das ging dann zum Glück. Als sie gegangen war, bin ich zur Pflege, hab mir Bedarf geben lassen und ein Pfleger kam mit mir raus und gab mir mein Handy, so dass ich Papa anrufen konnte. Ich hab geweint und geweint, und Papa auch. Es hat mir das Herz zerrissen, ihn so weinen zu hören. Und ich wollte sofort zu ihm. Egal wie. Aber dann musste ich bald wieder mit dem Pfleger rein und hatte erstmal keinen Ausgang mehr.

Meine Bezugsbetreuerin kam die nächsten Tage täglich, um für mich da zu sein. Die ersten 2 Tage lag ich jedes Mal fast die ganze Zeit weinend in ihrem Arm und sie hat mich einfach gehalten, mir gut zu geredet, mich weinen lassen und war für mich da.

Nach diesen 2 akuten Tagen, fing ich an, alles zu verdrängen, und machte normal weiter. Ich kam rasch auf die offene Station und sollte am Mittwoch entlassen werden, weil am Freitag Papa Geburtstag hatte und die Beerdigung den Donnerstag drauf war. Das habe ich auch, trotz heftiger Selbstverletzung in der Nacht zu Mittwoch, geschafft.
Und dann war ich 1 1/2 Tage in der Wg und durfte und strengen Auflagen, Regeln und Absprachen eine Woche zu Papa fahren.

Auch die Woche habe ich gut geschafft, alle Regeln eingehalten, hatte täglichen Kontakt zu den Betreuern und kam dann Samstags wieder. Ich hab die ganze Zeit einfach nur funktioniert. Hier ging das dann noch eine oder zwei Wochen weiter mit dem Verdrängen und funktionieren und seit zwei Wochen glaube ich, klappt es einfach nicht mehr. Es kommt andauernd hoch, ich breche andauernd zusammen, funktioniere nicht wie ich möchte und bin andauernd überfordert. Habe das starke Bedürfniss nach Ruhe und Entschleunigung, doch trotz 2,5 mg Tavor täglich und anderen Medis komme ich nicht zur Ruhe.

Zwei bis 3 Montate war die Essstörung auch so schlimm wie Jahre nicht. In der Klinik wurde mir mit Zangsernährund gedroht und als ich zurück in der WG war, wurde mir gesagt, wenn das in ein paar Wochen immer noch so ist, dann muss ich deswegen in eine spezielle Klinik. Ich habe Wochen/Monatelang täglich mehrmals erbrochen und Nächte mit Essen/erbrechen verbracht…
Wenigstens das habe ich seit einer Woche wieder im Griff. Zumindest das erbrechen.
Ich habe in der Zeit des Verdrängens auch viel Sport gemacht. Viel und schnell spazieren, Fahrrad fahren, stundenlang Bahnen schwimmen… es war wie ein Zwang.

Und jetzt hat mich die Depression eingeholt. Kaum Sport, nur essen wenn ich muss, viel Erschöpfung, Angst, Trauer die mich zerfrisst und viele emotionale Zusammenbrüche. Überforderung, viele Tränen. Mein Gedächtnis funktioniert kaum, ich kann mir kaum etwas merken. Ich kann mich kaum Konzentrieren und das Reden fällt mir auch sehr schwer.

Doch irgendwie schaffe ich den Alltag. Mit Tränen, Wut, Trotzanfällen. Aber ich schaffe ihn. Ich muss ja, irgendwie.

Das einzige, was mir etwas Ruhe bringt und wo ich Gefühle zeigen kann, ist das Malen. Deswegen habe ich jetzt auch ab nächste Wochen Kunst- und Gestaltungstherapie, in der Hoffnung, dass es mir bei der Trauerverarbeitung hilft.
Und zum Glück habe ich hier einige sehr gute Freundinnen, die immer für mich da sind und die ganzen Betreuer, die mir helfen, mir zuhören (falls ich mal was anständiges zusammen kriege) und einfach für mich da sind, nach mir schauen und mich unterstützen.

Ich muss es schaffen. Ich will nicht wieder in die Klinik…obwohl… manchmal doch. Einfach weil ich nicht mehr kann. Und zum Glück weiß ich, dass wenn gar nichts mehr geht, ich wieder dort hin kann.
Nebenbei wird jetzt auch mein Tavor ambulant reduziert und dann ausgeschlichen. In der Klinik habe ich fest 3 mg bekommen und bis zu 4 mg als Bedarf. Jetzt bin ich „nur noch“ bei 2,5 mg. Ich hab Angst, wie es ist, wenn es weg ist. Wie schlimm es dann wird. Ob ich das alles dann wirklich nicht mehr aushalte. Oft habe ich das Gefühl, es nicht mehr auszuhalten, aber irgendwie geht es doch weiter. Aber irgendwann halt auch nicht mehr…

Can’t speak

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Das Bild habe ich letztens gemalt, als ich über die Therapie nach gedacht habe. Die Angst, zu reden, ist so groß. Und ich habe das Gefühl, ich kann gar nicht mehr über das alles reden, was mich belastet, weil ich schon so viele Jahre schweige. Ich fürchte, ich werde das erst mühsam wieder lernen müssen. Hoffentlich haben die dort in der Klinik Geduld mit mir.
Heute war ich dort auf dem Gelände, um einer Freundin zu zeigen, wo es ist.
Nun habe ich überlegt, der Ärztin mal zu schreiben, bei der ich das Vorgespräch hatte. Sie hat mir ihre Email-Adresse gegeben und gesagt, egal was ist, ich kann mich melden. Oder eben anrufen.
Weil: Ich soll auf die Station, wo auch Essstörungen behandelt werden. Wegen dem Übergeben. Doch im Moment mache ich das ja gar nicht. Und ich bin mir nicht sicher, ob die mich dann nicht sofort wieder raus schmeißen, wenn ich sage, ich habe es einigermaßen im Griff.. Was denkt ihr?

Inspiration

Dieses Video hat mich gerade sehr beruhigt und inspiriert! So viel liebe zum Detail, Phantasie und Kreativität. Ich wünschte, ich könnte das auch.
Ich habe eine Zeit lang viel gemalt/gezeichnet und es hat mit während der letzten richtigen stationären Therapie sehr geholfen, auszudrücken, was ich nicht sagen konnte. Das ist jetzt 2 1/2 Jahre her. Nun will ich das wieder versuchen, will mehr kreativ sein und wie ich schon geschrieben hatte, ist das ein guter Vorsatz für das neue Jahr und zu Weihnachten gibts ganz viel Malzeug 🙂
Ich werde mich dann auch mal an ein Namensbild setzen, sobald ich die neuen Farben habe, vielleicht für meine Tür in der Wg 🙂

Aller Anfang ist schwer..

So, ich habe dann mal angefangen, zu malen und zu zeichnen…

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Das habe ich letzte Nacht gezeichnet, ich konnte nicht schlafen. Den Kopf, besonders die Augen, mag ich. Ist mir gut gelungen. Aber mit dem Rest bin ich nicht zufrieden… naja, aller Anfang ist schwer. Hab ja soooo lange nicht gezeichnet

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Und das habe ich heute Abend fertig gestellt, für eine liebe Mitbewohnerin hier aus dem Betreuten Wohnen. Ich bin nicht wirklich zufrieden, habe ja auch lange nicht mehr gemalt, aber ich hoffe trotzdem, dass es ihr gefällt! Habe es schön in Geschenkpapier eingepackt und werde es ihr morgen in der Tagesstruktur geben 🙂

Anstrengend

Therapie heute war voll anstrengend. Mein Kopf war sowieso matsch von der Wärme, auch wenn es bei ihr immer angenehm kühl ist. War ja nicht nur da.
Und dann wollte ich eigentlich nicht über tiefer gehende Probleme reden. Hab mit Oberflächlichem angefangen. Immer, wenn sie mich auf etwas tiefgründiges ansprach, versuchte ich abzulenken. Klappte auch, bis ich mich einmal kurz verplappert habe und sie dann alles wissen wollte.
Sie hatte angefangen, meine verschiedenen Seiten aufzuschreiben und zu interpretieren, in welchem Verhältnis sie zueinander stehen und so weiter. Und dann habe ich kurz gesagt, dass es da noch eine andere Seite gibt, die nicht will, das alles gut wird. Habe dann aber nicht weiter gesprochen und sie sagte dann, dass ich jetzt alles erzählen soll, besser als das sie was ahnt und es hinterher falsch ist. Das war eine Geburt! Ich habe vor mich hin gebabbelt, kaum zusammenhängende Wörter zustande bekommen, und dennoch war es am ende raus: Meine Selbstzerstörerische Seite. So nannte sie es. Ich habe ihr gesagt, dass es ein Stück Ich gibt, was nur in die Klinik will, um noch tiefer in die Krankheiten rein zu rutschen. Weil ich dort schneiden, hungern, mich selbst zerstören kann, ohne dass sich jemand solche Sorgen und Vorwürfe macht wie meine Eltern. Klar, die Leute können sich sorgen, aber mehr auch nicht. Die müssen schließlich eine bestimmte Distanz zu den Patienten haben, damit sie den Job machen können. Niemand würde mir dort Vorwürfe machen, wenn ich mir die Arme auf schneide. Wenn ich eine Überdosis nehme.Wenn ich hungere. Es würden vielleicht Konsequenzen folgen, aber das ist dann alles nur zu meinem Schutz, nicht weil sie persönlich ein Interesse daran haben. Damit kann ich besser leben, als wenn es eine emotionale Bindung gibt.

Und das Bild habe ich ihr zum Schluss gegeben, hab gesagt sie soll es sich anschauen, wenn ich nicht dabei bin. Ich habe mich nicht getraut, zu sagen, dass ich Stimmen höre. Ich hoffe, sie kann das aus dem Bild sehen… mal gucken was sie nächste Woche dazu sagt.

Und meine Therapeutin hat mir erzählt, dass meine Psychiaterin sie angerufen habe. Sie meinte, sie werde den Antrag auf Reha nicht ausfüllen, einfach weil sie es Schwachsinnig findet, dass ich erst die Therapie dort mache und dann noch Reha. Aber das sind 2 verschiedene paar Schuhe! Ich brauche die Therapie um zu übeleben bis zur Reha und um stabil genug für die Reha zu sein, sonst würde ich das nicht machen! Und wenn, widererwartend, ich nach der Therapie keine Reha brauche, kann ich sie immer noch absagen. Aber wenn ich dann erst einen Antrag stelle, dauert das nochmal locker 10 Wochen, bis ich schlussendlich dort hin kann… Wir haben abgemacht, dass ich erstmal nur das von meiner Hausärztin einschicken und wenn sie noch etwas von einer Fachärztin wollen, werden wir uns etwas überlegen.

Und noch was. Vorhin war ich bei einer Freundin, die hier übrigens auch ab und zu liest und ich mir bewusst bin, dass sie das auch lesen wird. Sei mir nicht böse, Herzi ❤ Du kennst das doch…
Also. Ich habe ihre ganzen Beschlüsse gesehen. Beschlüsse zur Unterbringung, zur Zwangsernährung und Fixierung. Jetzt ist mein Kopf so weit, dass ich unbedingt ausprobieren möchte, wie lange ich nichts essen muss in der Klinik, damit ich einen Beschluss bekomme. Krank, oder? Aber ich möchte mal wissen, ob den das überhaupt auffallen würde.

Ansonsten hatte ich einen sehr schönen Tag. Aber warm 😀 Höchstthemperatur 39.5 Grad, ich konnte das Auto nach eine Stunde in der Sonne nur noch mit meinem Schal anfassen 😀
Hab mir einen Ohrring gekauft, also so ein mit einer Kette nach oben, wenn ihr wisst was ich meine. Und einen Malblock und eine Zeichenmappe. Weil ich jetzt öfter vor habe, auch mit Stiften zu malen. Und einen Ring, ein Freundschaftsring – ein Anker. K. hat ihn in Rosa, ich in blau 🙂