Es ist schwer..

Es ist alles so, so schwer zu ertragen. So schwer, die Trauer und die damit Verbundenen Emotionen, Gefühle, Körperreatkionen und alles, was dazu gehört, zu akzeptieren. Akzeptieren, dass ich traurig sein darf, dass es mir schlecht gehen darf, dass das alles berechtigt ist und ich mich gerade in einer Ausnahmesituation befinde. Dass ich nicht einfach so weiter funktionieren kann, kaum noch kraft habe, oft am Ende bin und viel weine. Dass ich so vergesslich bin und mir kaum was merken kann. Dass ich kaum noch Antrieb hab, mehr Kontrollverluste die in Selbstverletzungen enden, habe.

Überhaupt die Trauer zuzulassen, ist schwer. Mir das einzugestehen, dass nicht alles okey ist und es vermutlich auch noch etwas dauern wird.

Manchmal versuche ich meine Gefühle durchs Malen zum Ausdruck zu bringen. Ich wollt euch mal ein Bild zeigen, was ich letztens gemalt hab.

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Zu viele wirre Gedanken, ich bin dauerhaft verwirrt und verplant, kriege nicht viel mit… und gleichzeitig hab ich das Gefühl, (auseinander)zu fallen. Eingesogen zu werden vom Schwarzen Nichts. Versinken.

It`s okey to be sad…

Hallo… mal wieder kam Monate nichts von mir. Es tut mir echt leid, ich hatte oft das Bedürfnis, etwas zu schreiben, aber das Programm hier und die sozialen Kontakte nahmen und nehmen mich sehr in Anspruch.
Zudem sind einige traurige Sachen passiert, seit ich hier bin. 7

Im Mai brachte sich mein Onkel um, kurz danach, ich glaube im Juni, brachte sich eine Mitbewohnerin um und am 10. Juli starb dann auch noch meine Mama…

Ihr könnt euch sicher vorstellen, wie schwer es mir fällt, mich über Wasser zu halten. Nach dem Suizid vom Onkel und der Mitbewohnerin, einem Besuch zu Hause nachdem Mama ins Kome gefalllen ist, kam ich nach einem halben Jahr wieder in die Klinik. Ich hab mich freiwillig aufnehmen lassen, weil ich für nichts mehr garantieren konnte und mich doch eigentlich fürs Leben entschieden habe. Die Zeit in der Klinik war sehr schwer, viele Zusammenbrüche, einige Selbstverletzungen und dann nach 9 Tagen kam die Nachricht: Mama ist gestorben. Ich hab geschrien, geheult, wollte zu meiner Familie, habe getobt und bin schier durchgedreht.
Meine Familie ist ca. 300 km weg und konnte mich auch nicht besuchen. Ich konnte nicht aus der Klinik, da sie Angst um mich hatten.
Da ich in der geschlossenen mein Handy nur zu bestimmten Zeiten für eine halbe Stunde haben durfte, und Papa Angst hatte, was ich mache, wenn ich alleine bin und er mir die Nachricht überbringt, rief er hier in der Wohngruppe an und sprach mit meiner Bezugsbetreuerin, Papa erzählte ihr alles, sie telefonierte mit meiner Ärztin in der geschlossenen und die sagte mir den Tag, dass wir um 15.30 Uhr ein Gesprach haben, wo es um was sehr ernstes geht. Das sagte sie mir so gegen 11 Uhr. Ich bin fast durchgedreht während des Wartens…
Als es dann soweit war, ging ich vor um auf meine Ärztin zu warten und dann stand da meine Bezugsbetreuerin. Ich war überrascht und fragte sie, was sie hier mache, da meinte sie, dass wir doch zusammen ein Gespräch haben. Das wusste ich bis dahin allerdings nicht… Ich hab gefragt, was ich angestellt hab, was passiert ist, was los ist- doch sie wollte auf die Ärztin warten. Die kam dann und wir gingen ins Sprechzimmer. Ich fragte wieder, was ich angestellt habe oder was passiert sei… da meinte eine von den beiden, dass tatsächlich etwas passiert ist. Mir schossen die Tränen in die Augen und ich fragte, ob Mama gestorben sei… da bekam ich nur ein mitfühlendes `Ja, leider. Es tut mir leid…`…
Ich brach in Tränen aus. Ich schrie. Mir schossen Gedanken durch den Kopf, dass ich jetzt raus rennen muss und irgendwie den Schmerz betäuben muss. Meine Bezugsbetreuerin hat mich aber ganz fest gehalten, in den Arm genommen, mich getröstet. Ich hab geschrien, dass ich zu Papa will, dass ich hier raus muss und zu meiner Familie muss. Dass ich wenigstens mit ihm telefonieren will.
Raus durfte ich natürlich nicht alleine, entlassen wollten sie erst recht nicht und ich war einfach nur am Ende. Meine Bezugsbetreuerin besprach dann mit der Ärztin, ob es ginge, dass jemand mit mir raus geht und ich Papa anrufen kann, nach dem Gespräch. Das ging dann zum Glück. Als sie gegangen war, bin ich zur Pflege, hab mir Bedarf geben lassen und ein Pfleger kam mit mir raus und gab mir mein Handy, so dass ich Papa anrufen konnte. Ich hab geweint und geweint, und Papa auch. Es hat mir das Herz zerrissen, ihn so weinen zu hören. Und ich wollte sofort zu ihm. Egal wie. Aber dann musste ich bald wieder mit dem Pfleger rein und hatte erstmal keinen Ausgang mehr.

Meine Bezugsbetreuerin kam die nächsten Tage täglich, um für mich da zu sein. Die ersten 2 Tage lag ich jedes Mal fast die ganze Zeit weinend in ihrem Arm und sie hat mich einfach gehalten, mir gut zu geredet, mich weinen lassen und war für mich da.

Nach diesen 2 akuten Tagen, fing ich an, alles zu verdrängen, und machte normal weiter. Ich kam rasch auf die offene Station und sollte am Mittwoch entlassen werden, weil am Freitag Papa Geburtstag hatte und die Beerdigung den Donnerstag drauf war. Das habe ich auch, trotz heftiger Selbstverletzung in der Nacht zu Mittwoch, geschafft.
Und dann war ich 1 1/2 Tage in der Wg und durfte und strengen Auflagen, Regeln und Absprachen eine Woche zu Papa fahren.

Auch die Woche habe ich gut geschafft, alle Regeln eingehalten, hatte täglichen Kontakt zu den Betreuern und kam dann Samstags wieder. Ich hab die ganze Zeit einfach nur funktioniert. Hier ging das dann noch eine oder zwei Wochen weiter mit dem Verdrängen und funktionieren und seit zwei Wochen glaube ich, klappt es einfach nicht mehr. Es kommt andauernd hoch, ich breche andauernd zusammen, funktioniere nicht wie ich möchte und bin andauernd überfordert. Habe das starke Bedürfniss nach Ruhe und Entschleunigung, doch trotz 2,5 mg Tavor täglich und anderen Medis komme ich nicht zur Ruhe.

Zwei bis 3 Montate war die Essstörung auch so schlimm wie Jahre nicht. In der Klinik wurde mir mit Zangsernährund gedroht und als ich zurück in der WG war, wurde mir gesagt, wenn das in ein paar Wochen immer noch so ist, dann muss ich deswegen in eine spezielle Klinik. Ich habe Wochen/Monatelang täglich mehrmals erbrochen und Nächte mit Essen/erbrechen verbracht…
Wenigstens das habe ich seit einer Woche wieder im Griff. Zumindest das erbrechen.
Ich habe in der Zeit des Verdrängens auch viel Sport gemacht. Viel und schnell spazieren, Fahrrad fahren, stundenlang Bahnen schwimmen… es war wie ein Zwang.

Und jetzt hat mich die Depression eingeholt. Kaum Sport, nur essen wenn ich muss, viel Erschöpfung, Angst, Trauer die mich zerfrisst und viele emotionale Zusammenbrüche. Überforderung, viele Tränen. Mein Gedächtnis funktioniert kaum, ich kann mir kaum etwas merken. Ich kann mich kaum Konzentrieren und das Reden fällt mir auch sehr schwer.

Doch irgendwie schaffe ich den Alltag. Mit Tränen, Wut, Trotzanfällen. Aber ich schaffe ihn. Ich muss ja, irgendwie.

Das einzige, was mir etwas Ruhe bringt und wo ich Gefühle zeigen kann, ist das Malen. Deswegen habe ich jetzt auch ab nächste Wochen Kunst- und Gestaltungstherapie, in der Hoffnung, dass es mir bei der Trauerverarbeitung hilft.
Und zum Glück habe ich hier einige sehr gute Freundinnen, die immer für mich da sind und die ganzen Betreuer, die mir helfen, mir zuhören (falls ich mal was anständiges zusammen kriege) und einfach für mich da sind, nach mir schauen und mich unterstützen.

Ich muss es schaffen. Ich will nicht wieder in die Klinik…obwohl… manchmal doch. Einfach weil ich nicht mehr kann. Und zum Glück weiß ich, dass wenn gar nichts mehr geht, ich wieder dort hin kann.
Nebenbei wird jetzt auch mein Tavor ambulant reduziert und dann ausgeschlichen. In der Klinik habe ich fest 3 mg bekommen und bis zu 4 mg als Bedarf. Jetzt bin ich „nur noch“ bei 2,5 mg. Ich hab Angst, wie es ist, wenn es weg ist. Wie schlimm es dann wird. Ob ich das alles dann wirklich nicht mehr aushalte. Oft habe ich das Gefühl, es nicht mehr auszuhalten, aber irgendwie geht es doch weiter. Aber irgendwann halt auch nicht mehr…

Therapie

Donnerstag hab ich zum ersten Mal seit Anfang November wieder Therapie. Endlich. Aber ich hab auch mega Angst. Denn es ist so viel passiert, so viel außer Kontrolle geraten. Ich hab Angst vor ihrer Reaktion. Sie ist ziemlich streng, was das angeht. Aber ich hoffe, sie wird Verständnis haben… 

Noch mehr hoffe ich, dass sie regeln kann, dass ich bald wieder dort aufgenommen werde. Würde gerade alles dafür geben. Selbst wenn ich dafür Weihnachten nicht so viel Zeit mit meiner Familie hab. Ich will nur, dass es endlich besser wird 😕 Sehne mich nach Schutz, Geborgenheit, Sicherheit. Ich hoffe, ich kriege Donnerstag auch den Mund auf… werde mir später mal eine Liste machen mit Dingen, die ich sagen will, weils so viel ist, dass ich sonst bestimmt was vergesse. 

Jetzt hoffe ich, dass ich nich etwas schlaf bekomme. Es ist viertel vor 3, um 6.30 Uhr klingelt der Wecker… 

Trauer

Es ist doch richtig und wichtig, zu trauern, oder? Warum sagen dann manche, dass ich nicht traurig sein soll, es nicht an mich ran lassen soll, mich nicht runter ziehen lasseb soll? Es ist gerade mehr als schwer zu überleben. Zu atmen, zu essen und zu trinken. Ich hab auch keinen Spaß daran, so am Ende zu sein! Aber steuern kann ich das nicht, leider. Es war ja schon vorher alles schwer und schwarz und der Suizid von L. hat mir den Boden unter den Füßen komplett weg gerissen. Bin wieder in alten Verhaltensweisen drin, zu den ich nie zurück wollte 😢 Meine ehemalige Lehrerin schrieb mir, und schickte einen Brief mit, den ich ihr nach meinem Geburtstag geschrieben hab, wo es mir ziemlich gut ging und alles recht stabil war. In der Hoffnung, dass ich mich dran erinner, dass es auch wieder anders geht. Ich bin wie verstummt seit der Nachricht. Rede kaum und wenn nur oberflächlich. Ziehe mich von allem zurück. Weine viel. Aber es hat ja eh niemand Zeit für mich..  ich würde vermutlich eh kein vernünftigen Satz raus kriegen. Trotzdem wäre es schön, wenn einfach jemand da wäre. Auch wenn ich nicht viel reden kann. Einfach jemand, der mich hält und da ist. 

Oma

Nun hat sie es geschafft. Am 30.7. ist sie für immer eingeschlafen. Es hat sich ja lange hin gezogen und schon sehr lange war sie gar nicht mehr ansprechbar. Als ihr Magen dann nichtmal mehr die Flüssignahrung durch die Magensonde verarbeiten konnte, kam jemand von der Paliativstation und hat gesagt, dass sofort alles eingestellt wird und wir sie gehen lassen sollen. Als der Anruf kam, dass jetzt alles abgestellt ist, war ich ziemlich fertig und hab so viel geheult, wie schon lange nicht mehr. Die darauffolgenden Tage waren einfach schrecklich. Ich habe den ganzen Tag darauf gewartet, einen Anruf zu bekommen, mit dem Inhalt, dass sie gestorben ist. 
Am 30. kam also dieser Anruf und ich war irgendwie erleichtert, dass sie es endlich geschafft hat. Bin dann zu meinen Eltern gefahren, die ganzen Nahen Verwandten waren da, um sich zu verabschieden. Wir haben zusammen geweint, uns in den Arm genommen, getröstet und auch gelacht. Es war irgendwie ganz schön. Ich hoffe, ihr versteht, wie ich das meine…

Eine Woche später war die Beerdigung. Seit sie dann gestorben ist, ging es mir wieder viel besser, weil dieses blöde Warten hat mich mürbe gemacht. Die Beerdigung war auch irgendwie schön, der Pfarrer hat das echt gut gemacht. Und ich war die einzige, die einen ganzen Blumenstrauß ins Grab werfen durfte, mit einem Brief dran. Auch an dem Tag haben wir viel gelacht, viel geweint, uns getröstet, Geschichten erzählt und uns einfach an sich erinnert. 

Ein paar Tage später, nach super vollen Tagen, bin ich dann doch zusammen gebrochen vor Trauer und Schmerz. Habe dann Tagenbuch geschrieben, 2 Stunden Heulrampf gehabt, aber habs dann auch von selbst geschafft, mich zu beruhigen, ohne mir zu schaden. 

Bislang kann ich aber trotzdem gut damit umgehen, dass sie nun weg ist. Ich glaube, so richtig schwer wird es nochmal, wenn ich bei meinen Eltern bin und keine Oma mehr da ist…

Hier mein geschriebenes: 


 

Letztes Weihnachten?

„Papa, meinst du, es ist das letzte Weihnachten mit Oma?“
„So genau kann man das nicht sagen, ich weiß es nicht. Aber willst du, dass deine Oma sich nur noch mehr quält, damit wir nicht traurig sein müssen?“
„Nein, das will ich nicht. Ich will nicht, dass sie leidet. Mein Verstand sagt ja auch, dass das nunmal normal ist, der Lauf der Dinge, dass Menschen alt werden und sterben. Aber ich hab so Angst davor, was das mit mir macht, wenn Oma stirbt. Dass ich da nicht mit klar komme, es mir wieder sehr schlecht geht, wie bei Opa damals. Hätte da nicht jemand auf mich aufgepasst, ich weiß nicht, was passiert wäre… Aber ich möchte trotzdem, dass ihr sofort anruft, wenn sie tot ist! Egal um wie viel Uhr. Ich will dann da sein.“
„Versuch dir immer zu sagen, dass es für Oma eine Erlösung sein wird, wenn sie stirbt. Sie hat doch so kein Leben mehr.“
„Ich versuch es ja, Papa, aber das ist so schwer. Bei Opa damals hat es Jahre gedauert, bis ich das so sehen konnte. Ich weiß ja, dass Oma kein wirkliches Leben mehr hat, dass sie nur noch dahin vegetiert, aber ich wäre unendlich traurig. Und noch trauriger macht es mich, wenn sie sagt, dass sie sterben will und fragt, warum das so lange dauert. Ich weiß ja, dass sie es nicht mehr aushält, und kanne das sehr gut verstehen. Wenn nicht ich, wer dann? Und gerade darum macht es mich so sehr traurig, dass es ihr so schlecht geht, dass sie nicht mehr leben will. Niemand sollte das fühlen.“
„Aber schau mal, deine Oma ist 88 Jahre alt, sie darf sterben. Sie hat das Alter erreicht. Es wäre eine Erlösung für sie.“
Ja Papa, das wäre es. Ich will nur nicht wieder so abstürzen. Ich kann mit dem Verlust eines Menschens nicht umgehen. Und erst recht nicht, wenn die Chance nicht besteht, dass der Mensch jemals wieder kommt.“
„Nun mach dir nich solche Gedanken. Es wird irgendwann passieren und wir sollten und wünschen, dass sie nicht lange leidet, einfach einschläft. Das Leben geht auch ohne sie weiter.“
„Ja, da hast du recht. Ich muss es lernen, mich an den Gedanken gewöhnen.“

Bei all der Freude spielt immer ein Stück Traurigkeit und Angst mit. Ist es das letzte Weihnachten? Wie lange wird sie noch leben? Wann erkennt sie keinen mehr, wie geht es weiter?