15.5.2019 – Therapiereicher Tag

Ich hatte heute Körpertherapie und Psychotherapie – letzeres zum ersten Mal bei diesem Arzt. Und ich war sehr aufgeregt und eh schon ziemlich kaputt vom Tag und besonders von der Körpertherapie. Und Angst hatte ich auch – weil er eben ein Mann ist und ich lange keine wirkliche Psychotherapie hatte.

Doch ich war überrascht. Der Termin war sehr gut. Wir haben besprochen, was ich von der Psychotherapie erwarte und dann hat er erzählt, was er so im Kopf hat, wie das so ablaufen wird. Ich hatte mir extra schon Ziele überlegt und es passte ziemlich gut überein mit dem, was er sich vorstellt. In dieser Psychotherapie soll es hauptsächlich um die Depression/depressiven Phasen gehen. Und das klingt ziemlich gut, was er so vor hat. Aber es wird auch anstrengend. Es wird so klassische Verhaltenstherapie bei Depressionen. Er war erstaunt, dass ich noch nicht so viel in diesem Bezug gemacht hab in Therapien, aber es ist nicht schlimm.
Wir haben erste Ansätze gefunden, wo wir anfangen können – zum Beispiel mein Wunsch/Drang perfekt zu sein. Ich soll jetzt die ganze Therapie über eine Diary Card führen, aus verschiedenen Gründen: Um zu sehen, wie die Woche Stimmungsmäßig war, aber auch, wie die Anspannung war und vor allem wie das alles zusammen hängt.

Die Körüertherapie war, wie immer, sehr intensiv. Aber ich bin recht zufrieden daraus und es fühlt sich immer noch gut an. Erst ging es um diese 2 Seiten in mir, die so abgespalten sind. Einmal diese lebensfrohe, laute, funktionierende, bunte Seite (Paradiesvogel, wir haben in der Therapie ein Eulen-Kuscheltier als Symbol dafür) und dann der bedürftige, Gefühle habende, traurige, einsame Teil (der Esel, den haben wir auch als Kuscheltier als Symbol für diese Seite). Ob sie sich kennen, vielleicht sogar zusammen arbeiten. Letzeres leider nein. Aber das ist unser Ziel. Ich sollte aufmalen, was auf den zwei Seiten steht. Welche Schlagworte für die Eule und welche für den Esel. Sie sagte, man kann nicht das ganze auf einmal bearbeiten und müsse es etwas auseinander dröseln, um sich stück für stück die Probleme/Bedürfnisse/Erfahrungen vorzunehmen und zum Beispiel in positive Gedanken oder Glaubenssätze umzuwandeln oder Bedürfnisse (selbst) zu erfüllen (lernen). Wir haben uns diese Stunde der Überforderung und Einsamkeit gewidmet und haben eine Übung dazu gemacht. Eine Imaginationsübung mit der Idealen Mutter und dem Idealen Vater; mich beschützt und verstanden zu fühlen; zu erfahren, dass jemand für mich da ist und alles aushält, mich geborgen zu fühlen; und so die heutigen Bedürfnisse selbst erfüllen zu lernen. Was sich natürlich jetzt so einfach schreibt, aber es ist harte Arbeit, die Wochen/Monate in Anspruch nimmt. Viel Übung, Disziplin usw..
Desweiteren soll ich die nächsten Monate Abends immer in die Metaebene gehen und schauen, wie sehr die Eule aktiv war und wie viel Beachtung der Esel bekommen hat, und dies soll ich jeden Abend in eine Gefühlsskala eintragen.
Beispiel: Wenn ich den ganzen Tag funktioniert habe, mich nicht um meine Bedürfnisse gekümmert habe, meine Gefühle nicht beachtet habe – dann wird die Eule auf der Skala von 0 bis +10 eine hohe Zahl bekommen und der Esel auf der Skala von -10 bis 0 eine sehr niedrige. Erstmal nur, um alles zu beobachten. Aber Ziel ist, dass die Teile irgendwann miteinander arbeiten und es nicht mehr so diese Extremen gibt, das alles nicht mehr so abgespalten ist voneinander.

So. Das war viel heute. Allein diese zwei Termine. Nebenbei waren noch die üblichen Termine vom Wochenplan. Und ich bin eigentlich schon ewig echt fertig und sehr müde – doch die Gedanken sind so laut und viel, dass ich nicht schlafen kann. Und da ich mir letzte Woche eh vorgenommen hab, es zu versuchen, abends meine Gedanken aufzuschreiben in der Hoffnung, für Entlastung zu sorgen, habe ich jetzt einfach angefangen.
Gerade ist in meinem Kopf diese Frage, wie ich das langfristig schaffe. Diese vielen Termine, intensiven Therapien. Ich denke, ich muss für einen guten Ausgleich sorgen. Aber jetzt ist mein Kopf etwas leerer, ich habe ein Hörspiel an, und hoffe, bald schlafen zu können.

 

 

Lebenswille, Lebenslust

Mal wieder was von mir 🙂
Ich bin nun über 3 Wochen wieder zu Hause und es klappt so gut wie noch nie, glaube ich! Klar, es gibt auch scheiß Tage, aber auch die gehen Zum Glück vorbei. Denn mittlerweile weiß ich, dass sie vorbei gehen, ohne dass ich mir was antun muss. Ich weiß, dass ich es ertragen werde, ohne mir was antun zu müssen. Ich weiß, dass Die Anspannung und der Druck auch ohne selbstschädigendes Verhalten vorbei geht. Ich weiß es, weil ich es selbst erfahren habe, es miterlebt habe, es geschafft und durch gestanden haben. Ich weiß es nicht nur, ich spüre es.

Den Haushalt schaffe ich super, es ist nur noch selten Chaos hier. Es türmen sich keine Wäscheberge mehr und Geschirr stapelt sich auch nicht mehr. Die Aschenbecher werden nicht erst geleert, wenn sie schon über laufen. Es sind so kleine Dinge, an den ich das merke. Ich schlafe nachmittags nur noch ganz selten. 2 oder 3 mal hab ich mich hin gelegt, als ich heim kam. Entweder weil ich einen Sonnenstich hatte, oder es mir einfach mal nicht gut ging. Aber es kommt nur noch selten vor und das ist gut so.
Die ersten Tage konnte ich nicht eine Minute still sitzen, musste immer was machen. Konnte kaum TV schauen. Doch langsam geht’s wieder.
Dienstag waren wir bei Ikea und gestern und heute habe ich ihn schön gemacht mit den neuen Möbeln und so 🙂

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So sieht er nun aus 🙂 Die Lichterkette mache ich morgen an die Wand.

Ich war jetzt schon 2 mal bei meiner Therapeutin in der Klinik, also ambulant. Und sie findet auch, dass ich das ganz toll mache. Aber sie merkt auch, Dass nicht alles nur toll ist. Fragt, wie es mit den schlechten Gefühlen und Emotionen ist, den dunklen Gedanken. Wie ich es schaffe, die ohne Selbstverletzung und übergeben auszuhalten, zu kompensieren. Sie lässt sich nicht davon blenden, wenn ich sage, dass alles gut ist. Sie fragt nach und ja, meistens ist doch irgendwas was noch ziemlich schwer ist von Zeit zu Zeit.
Heute haben wir besprochen, dass ich mir ein Positiv-Tagebuch zu lege und immer rein schreibe, wenn was gut war. Damit ich dann, wenn es mir schlecht geht und ich das alles nicht im Kopf habe, es noch mal lesen kann. In der Hoffnung, es hilft mir etwas.
Desweiteren haben wir besprochen, dass ich einen Notfall-plan mache, wenn ich Albträume habe und da nicht raus komme und Mein Kopf so leer ist, dass ich gar nicht weiß, wie ich da raus komme. Für die Fälle, dass die Erinnerungen, die Angst und all die Bilder mich so fest halten.
Ich werde aufschreiben, dass ich am Ammoniak riechen soll, um wieder ins Hier und Jetzt zu kommen. Und damit ich nicht groß was machen muss, wird es direkt auf meinem Nachtschrank stehen – immer griffbereit. Dann kommen Auf den Zettel noch so Sachen wie: Raus gehen, unter Menschen gehen, mindestens zu einem. Reden. Ablenken, Usw. Eine Skill-liste für Albträume, Flashbacks, die mich in meinem Bett gefangen halten, weil die Angst so groß ist. Mal schauen, ob es hilft. Denn in solchen Momenten ist in meinem Kopf einfach nur der ganze Schmerz, die Angst, die Bilder. Keine Idee, wie es besser werden könnte.
Und einen Vertrag bezüglich der Suizidgedanken will sie mit mir machen. Dass ich Bescheid sage und ins Krankenhaus gehe, wenn ich welche habe. Aber da werde ich noch mal mit ihr sprechen. Denn Gedanken daran, lieber zu sterben, kommen andauernd. Aber so lange sie kommen und wieder gehen und nicht viel Raum einnehmen, ist das okay. Damit lebe ich seit über 10 Jahren. Ich werde ihr sagen, dass ich dann in die Klinik gehe, wenn ich merke, dass sie die Überhand gewinnen und es gefährlich werden könnte.
Das Schild:

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hab ich von meiner liebsten A. geschickt bekommen und es hängt jetzt neben meinem Bett unter meiner Lichterkette 😊
Ich lebe endlich wieder! Existiere nicht nur.
Es ist soooo ein tolles Gefühl, wieder Lebenswille zu haben und Ziele, Perspektiven. Spaß am Leben zu haben. Es ist soooo toll, dass nicht jeder Tag ein einziger Kampf ist. Jahre blieben mir diese Gefühle versperrt. Ich freue mich so 🎉

Großer Schritt

Ich bin seit 2 Wochen aus der Klinik raus, und es klappt alles halbwegs.
Ich habe einen großen Schritt gewagt, meinen Eltern erzählt, was damals mit meinem Bruder passiert ist, bzw. was er mir angetant hat. Also ich habe nicht geredet, ich habe einen Brief geschrieben. Es fiel mir nicht leicht, ihn zu schreiben und danach gings mir ziemlich schlecht, aber es musste sein. Meine Eltern haben einfach nichts verstanden. Wie auch? Also habe ich den Schritt gewagt und hatte richtig Angst, vor deren Reaktionen. Doch sie haben ganz gut reagiert. Haben gesagt, dass sie stolz auf mich sind, dass ich diesen Schritt gegangen bin und mich getraut habe. Es wäre sehr mutig gewesen. Jetzt bin ich erleichtert.
Doch mir gehts gerade nicht gut. Ich musste meinen Facebook meinen Namen ändern, und dann hatte ich Angst, dass er mich findet. Also habe ich ihn gesucht um ihn zu blockieren. Hab Bilder von ihm gesehen und jetzt kommt alles wieder hoch. Ich wollte gar nicht aus dem Bett, gar nicht in die Welt starten. Doch ich hab mich durch gerungen und bin aufgestanden und wenigstens zum Mittagessen in die Tagesstruktur, obwohl ich keinen Hunger hatte. Habe aber ein wenig gegessen. Jetzt weiß ich nicht, was ich mit dem Tag anfangen und wie ich ihn überstehen soll…

Trigger

Trigger sind überall. Doch meistens triggert mich kaum etwas. Ganz lange konnte kommen, was wolle. Ich konnte Texte, Bücher über alles lesen, alle möglichen Bilder anschauen und es triggerte mich nicht. Darüber war ich sehr froh. Doch im Moment passiert es immer öfter, dass mich jede Kleinigkeit triggert. Ein Wort, ein Satz, ein Bild und ich bin sofort drin im Strudel. Woher kommt das? Ich war doch mal so triggerfest. Und jetzt? Das regt mich auf. Und macht mir Sorgen. Wie soll ich durch die Welt gehen, wenn mich Worte wie ‚Sex‘, ‚Schneiden‘ oder ‚Tabletten‘ triggern? Und das sind nur allgemeine Wörter. Normale Wörter, die im täglichen Gebrauch sind. Von anderen will ich gar nicht erst anfangen.

Nun ist der erste Tag rum, den ich hier bin. Ich bin genau auf der gleichen Station gelandet, wie vor einem halben Jahr. Sogar im gleichen Zimmer, gleiches Bett. Erstes Zimmer neben dem Raucherraum, Bett am Fenster, Blick in den Garten. Schöne Landschaftsbilder an der Wand, gelbe Vorhänge und Wände (warum sind in Krankenhäusern die meisten Wände und Vorhänge gelb? Soll das irgendwie beruhigend wirken?).
Gestern hatte ich noch ein Aufnahmegespräch mit dem AvD, heute psychologische Aufnahme und Oberarztgespräch. Ich hab drei mal das gleiche erzählt, kam mir zum Schluss vor wie eine Kassette, die man immer wieder abspielt. Das Gespräch bei der Therapeutin war gut, sie hat mir auch gleich noch eine Übung gezeigt, womit ich die Bilder weg bekommen könnte, wenn sie mich überkommen. Vor dem Oberarzt hatte ich etwas Angst, weil er letztes Jahr mal ziemlich doof zu mir war, doch auch das Gespräch war gut. Alle sind der Meinung, dass es eine gute Idee war, hier her zu kommen, bevor noch etwas richtig schlimmes passiert. Ich glaube, ich sehe das auch so. Abgesehen von den Momenten, in den alles hoch kommt und ich nur noch will, dass es vorbei geht. Ich bin hier auf der Geschlossenen Station, doch mir macht das im Moment gar nichts aus. Eher im Gegenteil, ich fühle mich viel sicherer. Mich drängt es gar nicht so auf eine offene Station. Da wäre die Gefahr in manchen Momenten zu groß, dass was passiert.
Die Nacht kann lustig werden, ich bin hellwach und an Schlaf ist nicht zu denken. Böse Gedanken kommen auch schon wieder auf. Aber ich steh das schon irgendwie durch. Stay strong!

Die letzten Tage

Am Mittwoch habe ich also allen Mut zusammen genommen und meinem Bezugsbetreuer erzählt, dass ich wieder Tabletten gesammelt habe. Nicht ohne mir vorher noch ein paar zur Beruhigung einzuschmeißen. Ich habe gesagt, dass es mir leid tut und ich das nicht mit Absicht mache. Dass ich den Vertrag nicht brechen wollte, es aber unheimlich schwer für mich ist. Es tat ihm leid, dass es nicht klappt und er wusste nicht so genau, was er sagen sollte. Die Tabletten musste ich natürlich abgeben. Es war alles andere als leicht! Aber ich war zugedröhnt, dadurch ging es… hinterher bin ich beim Tv schauen eingeschlafen und er rief an. Sagte meiner Mitbewohnerin, dass mit den Tabletten alles normal weiter läuft und er mit meiner gesetzlichen Betreuerin telefoniert habe. Sie wären sich einig, dass ich mich an den Vertrag gehalten habe und alles normal weiter geht. Später rief er nochmal an, ich schlief immer noch, und er ließ ausrichten, wer Nachtdienst hat, und dass ich mich jederzeit melden könnte, Bedarf bekommen könnte. Aber ich schlief auch so, sogar ohne Nachtmedis. Die habe ich dann am nächsten Tag abgegeben, weil ich erst nachts aufgewacht bin und am nächsten Tag arbeiten musste. Ich wäre sonst nicht raus gekommen.
Am Donnerstag hatte ich dann morgens weniger Lust zu arbeiten, doch ich habe mich gezwungen. Was ganz gut war, denn im Endeffekt wars gut und hat mir Spaß gemacht 🙂 Abends hatte ich dann noch ein sehr tiefgründiges Gespräch mit einem Betreuer, in dem es auch um früher ging. Was passiert ist, wie ich war und wann ich mich so verändert habe, wann alles anfing. Das wühlte mich ziemlich auf, brachte mir sehr zum Nachdenken und ich habe Verbindungen gezogen über Zusammenhänge, wo ich nie wirklich drauf gekommen bin. Aber es hat leider auch sehr aufgewühlt und das Buch, was ich gelesen habe, hat es nur noch schlimmer gemacht und ich habe den Verstand verloren. Habe ziemlich tief in der Kisten der destruktiven Mittel gewühlt und benutzt. Medis halfen nicht und ich hatte Angst, den Verstand zu verlieren. Dennoch habe ich mich nicht getraut, den Nachtdienst anzurufen. Wusste nicht, wie sie mir hätte helfen können. Die Nacht war dementsprechend sehr schlecht und der Freitagmorgen noch schlechter. Ursprünglich wollte ich weg fahren, aber mir ging es so schlecht, dass ich am liebsten abgesagt hätte. Eine Betreuerin hat dann noch angerufen und gefragt, ob alles ok sei und dass ich mich gerne melden könne, wenn ich noch reden wolle, bevor ich fahre. Später habe ich sie dann nochmal angerufen und sie kam vorbei. Sagte, dass sie es irgendwie im Gefühl hatte, dass was nicht stimmt, auch weil sie meinen Facebookstatus gelesen hatte. ‚Gib mir ein kleines bisschen Sicherheit, in einer Welt, in der nichts sicher scheint..‘. Wir haben geredet und ich habe gesagt, dass ich nicht da schlafen kann, wo alles passiert ist und weg fahren wollte ich sowieso nicht. Habe dann mit ihr angesprochen, dass ich zu einer Freundin zum Geburtstag fahre, dort schlafe, kurz meine Eltern besuche und dann zurück komme. Weder dort auf die Feier gehe, noch da schlafe. Meine Mutter habe ich dann angerufen, als sie dabei war und das mit ihr besprochen. Da meine Familie von nichts weiß, was früher passiert ist, musste ich auf eine Notlüge zurück greifen. ‚Ich halte das mit so vielen Menschen in einem Festzelt den ganzen Abend nicht aus. Mir geht’s sowieso nicht gut.‘. So richtig gelogen war es nicht mal, ich hätte mich vermutlich eh jur gequält, da zu bleiben, um Papas auftritt zu sehen. Sie meinte, es wäre oke und ich sollte mir keine Gedanken mache. Lieber haben sie es, wenn ich ehrlich bin und offen sage, was los ist, als dass ich mich quälen muss.
Danach hat Frau P. mir noch gesagt, dass ich ihr immer über Facebook schreiben könnte und mir sogar ihre Handynummer gegeben, damit ich mich immer melden kann, wenn was ist. Ich mag sie so sehr, sie ist so lieb und macht so viel! Und ist erst erst 24, und eigentlich nicht mal richtig Betreuerin. Sie ist Hauswirtschafterin in der Tagesstruktur. Aber übernimmt viel Betreuungskram. Dann hat sie mich zum Bahnhof gefahren und ich bin zu M. gefahren. Ich hab mich sehr gefreut, sie wieder zu sehen. Allerdings war es auch anstrengend. Sie redet sehr viel, will immer Aufmerksamkeit und das war alles sehr schwer, gerade weil es mir selbst nicht so gut ging. Habe dann dort geschlafen und heute hat sie mich zu meinen Eltern gefahren. Dort haben wir gefrühstückt und sind dann nochmal zu M., da ich meine Mediriegel mit den Medis vergessen hatte und ein Betreuer mir vorher noch gesagt hatte, dass die Dinger sehr teuer sind und ich sie nicht verlieren soll. Hatte ich nie. Also wollte ich nicht ohne auftauchen und wir sind den riesen Umweg gefahren und haben usn dann auch noch verfahren.
Als ich dann wieder hier war, war ich ruhiger. Wir waren mit meinem Bezugsbetreuer spazieren und einkaufen und haben bis eben einen Film geschaut. Wie es mir gerade geht, weiß ich nicht genau. Mir ist im Moment alles so gleichgültig und ich bin so niedergeschlagen. Doch dazu später mehr.

Ich funktioniere

Nach außen hin funktioniert alles, funktioniere ich. Ich gehe einkaufen, esse regelmäßig, gehe raus, nehme meine Medis, nehme keine Überdosen, schneide kaum und kotze kaum. Ich stehe morgens auf und gehe in die Tagesstruktur. Ich zeige kaum, wenn es mir schlecht geht. Und dann ärgere ich mich aber, dass mich niemand versteht.
Den einen Tag zum Beispiel: Ich war früh wach, mich quälten die ganze Nacht fürchterliche Albträume vom Trauma und als ich wach war, kamen eben die Nachbeben. Alles kam hoch. Viele, viele Flashbacks.  Also wollte ich erstmal runter kommen und später zur Tagesstruktur. Wollte noch etwas ruhen und in Ruhe frühstücken. Duschen. Das Frühstück kam mir allerdings wieder hoch, von ganz allein. Bin dann irgendwann hoch und hab mir nichts anmerken lassen. Nächsten Morgen rief mich die Betreuerin an und wollte mich wecken mit den Worten: Damit nicht wieder das gleiche passiert wie gestern. Da war ich erstmal wütend. Konnte mich aber dann doch zurück halten, weil woher soll jemand was wissen, wenn ich nichts sage? Geht ja nicht. Also auch kein Grund um sauer zu sein.

Aber ich war so froh, dass ich wieder zeigen konnte, wie es mir echt geht. Und hier habe ich das Gefühl, ich muss funktionieren.

Reality sucks.