04.07.2019 – vegan leben und Veränderung

Nur mal am Rande: Ich bin seit gut einer Woche aus der Klinik entlassen und wieder in der WG!

Ich habe lange darüber nachgedacht, mich vegan zu ernähren und komplett vegan zu leben. Ich habe oft gezweifelt, ob das hier in der WG geht. Und ehrlich gesagt, trotz schlechtem Gewissen habe ich lange mehr an mich Gedacht als an das Wohl der Tiere. Ich hatte schon ein schlechtes Gewissen, ein großes sogar, aber ich war zu egoistisch. Aber die letzten Wochen wurde das schlechte Gewissen einfach immer größer. Und ich stelle mittlerweile das Wohl der Tiere vor mein Bedürfnis nach Fleisch. Ich habe umgedacht. Das ganze gut durchdacht. Und, mal ganz ehrlich, was bringt mir das Fleisch, die Milchprodukte und alles, wenn ich es eh nicht genießen kann? Auch, wenn es mir lange geschmeckt hat, zumindest manches. Aber ich kann es einfach nicht mehr genießen. Und da kam dann wieder meine Essstörung ins Spiel, dass ich einfach gar nichts mehr gegessen habe. Das ist, entschuldigung für die Ausdrucksweise, scheiße. Weil ich muss essen, um zu leben, um stabil zu werden, um Spaß am Leben zu haben. Und noch so vieles mehr.

Seit ich mich vegan ernähre, was mir gar nicht schwer fällt bislang, kann ich besser essen, kann es wieder genießen, habe Spaß an der Zubereitung und selbst am Einkaufen. Auch wenn das Thema hier mit den Betreuern für Diskussionen sorgt und mich manche Mitbewohnerinnen belächeln. Ich habe entschieden, dass ich nicht für Tierleid verantwortlich sein will. Dass ich wieder Spaß am Essen haben will und genießen will.

Allgemein hat sich viel verändert in dem letzten Jahr. Auch wenn ich noch manchmal da sitze, weine, weil ich so verzweifelt bin und Angst habe, dass nie was aus meinem Leben wird und dass es nie besser wird. ABER es gibt viele Momente, Tage, Minuten, Stunden, die einfach das Gegenteil beweisen. Zum Beispiel: Trotz der schwierigen Zeit gerade, Mamas Todestag ist nächste Woche, habe ich mich nicht selbst verletzt. Seit ca. 2 Monaten schon nicht. Obwohl ich auch in der Klinik war. Ich will es einfach nicht mehr und habe es mir auch verboten. Weil: Es bringt mir auch einfach nichts mehr.
Ich kann Verantwortung für mein Leben übernehmen. Auch wenn es sich manchmal nicht so anfühlt. Gerade wenn ich in die Klinik gehe. Aber ich sage mittlerweile von mir aus, dass es hier gerade nicht geht, dass ich z.B. nicht für mein Leben garantieren kann und lasse mich somit schützen bzw. schütze mich auch selbst, indem ich in die Klinik gehe. Das war viele, viele Jahre nicht so. Man musste mich überreden, zwingen, die Polizei und/oder der RTW/Notarzt kam.

Auch in meinem Denken hat sich viel verändert. Lange dachte ich: Ja, das ist so und ich bin dem ausgeliefert, kann nichts ändern.
Mittlerweile denke ich oft: Ja, es ist jetzt so, das ist okey, ABER ich kann auch was dran ändern und kann die Kontrolle zurück gewinnen.

Meine Bezugsbetreuerin meinte gestern: Ist Ihnen mal aufgefallen, dass wenn sie etwas wollen, was nicht in Zusammenhang mit ihrer Krankheit steht, sie das auch hinkriegen, und alles dafür geben, vollen Körpereinsatz zeigen und wissen, was sie wollen und was nicht? Und dass sie sich ganz sicher sind, das zu schaffen?
Ja, in der Tat ist das so. Und das werde ich jetzt auf mein gesamtes Leben übertragen. Auch in die Bereiche der Krankheit, meinen Zielen.

Weil: ICH KANN ALLES SCHAFFEN, WENN ICH ES WIRKLICH WILL! Und überzeugt davon bin, dass es klappen kann (Daran scheitert es leider momentan noch oft).

Ich gebe mein Bestes UND ich bin nicht alleine!

Ich sage JA zum Leben!

Jaja, ich weiß, solche Posts kamen schon öfter, doch diesmal glaube ich, dass ich mich wirklich entschieden habe!

Letztens hatte ich ein Gespräch mit einem Betreuer. Wir redeten darüber, wie es weiter gehen könnte. Über meine Pläne mit dem Studium.
Dann fiel mir folgendes ein:

Bist vor einiger Zeit dachte ich immer, ich halte hier nur aus, spiele vor dass alles ok sei, und sobald ich hier raus kann, werde ich so weiter machen wie vorher und mich Stück für Stück, langsam, weiter zerstören. Dieser Gedanke hat mich die ganze Zeit aufrecht gehalten.
Doch jetzt mit den Plänen mit dem Studium ist mir aufgefallen, dass ich doch JA zum Leben sage. Ich habe Pläne für die Zukunft, möchte was aus meinem Leben machen und voran kommen. Nicht nur vor mich hin vegetieren. Das habe ich ihm erzählt und er hat sich gefreut.
Klar gibt es auch mal schlechte Momente, Abstürze, Tiefs und Momente, in den ich einfach aufgeben möchte. Doch ich habe mich fürs Leben entschieden und werde kämpfen! Auch wenn es teilweise sehr hart werden kann.

Ich werde für meine Zukunft kämpfen, alles tun, um das zu erreichen, was ich vor habe! Und ich werde die Zeit hier, in der Einrichtung, so gut nutzen, wie es geht. Meine Selbstständigkeit wieder ausbauen, Verantwortung für mich selbst übernehmen, und auch die Verantwortung mit den Medikamenten wieder lernen. Wenn ich dann studiere, muss ich schließlich selbst die Verantwortung tragen, sie einnehmen, keine tödlichen Überdosen nehmen und mich nicht einfach abschießen, wenn ich es will. Das will ich lernen. Aber ich weiß auch, dass es Rückschläge geben wir und Rückfälle passieren, aber ich werde nicht aufgeben!

Ich hatte gezweifelt, ob ich wirklich in die Klinik gehen soll, da es mir im Moment ja relativ gut geht. Meine Mitbewohnerin meinte, gerade dann ist eine Therapie am wirksamsten und sie wäre echt sauer, wenn ich nicht gehen würde. Habe dann viel überlegt, nachgedacht und bin zu dem Entschluss gekommen, dass ich gehen werde, weil auch, wenn es mir gut geht, gibt es noch genug Dinge, die zu bearbeiten sind, und zu verarbeiten sind. Im geschützen Rahmen funktioniert alles soweit, aber ich sollte auch lernen, in der normalen Welt langsam wieder klar zu kommen. Sonst wird das mit dem Studium nichts.
Und vielleicht ist es einfacher, an den Problemen zu arbeiten, wenn ich halbwegs stabil bin, als wenn ich eh total am Arsch bin.
Also, ich warte nur darauf, dass es endlich los geht! Aber ich habe auch Angst… wegen dem Essen… dadurch reguliere ich im Moment alles. Aber mehr dazu im nächsten Blogpost 😉

Brenzliche Situation

Heute war ich mit meinem Bezugsbetreuer in der Stadt, und er fing schon wieder an, mich zu provozieren.
‚Ich habe schon wieder ohne ihre Erlaubnis jemanden angerufen!‘ So richtig provokant.
Ich bin ganz ruhig geblieben:‘ Achja, wen denn?‘
‚Frau P., ihre Psychiaterin, liebe Grüße von ihr! Sie scheint ja ganz nett zu sein.‘ In einem Ton…aaahh zum ausrasten!
Aber ich blieb weiterhin ruhig. Hatte echt keine Lust, mich in der Stadt zum Affen zu machen. ‚Achja, und warum?‘
‚Ja wegen ihren Medikamenten. Den Bedarfs-Medis. Da stand so viel, das war mir nicht recht, jetzt hat sie 2 gestrichen.‘
JA DANKE, NEHMEN SIE MIR RUHIG NOCH DAS LETZTE, WAS MICH VOR SCHLIMMEREN BEWAHRT. Aber ich bin ruhig geblieben, auch wenn es in mir tobte.
‚Aha und was?‘
‚Ja, das weiß ich nicht genau. Aber ich habs mir aufgeschrieben, sag ich Ihnen, wenn wir im Büro sind.‘
Guuut, angepisst bin ich immer noch, aber ich fands nicht ganz so schlimm wie gestern. Aber scheinbar hat er nichts verstanden. Nicht ansatzweise.
Heute morgen habe ich mit Frau Pu. geredet, meine Lieblingsbetreuerin aus dem Frühdienst. Sie meinte allerdings, ich solle mich nicht so anstellen und nicht ünertreiben. Ich konnte nicht mal erzählen, was los war, weil sie meinte, sie wisse alles, sie hatte Nachtdienst und er hatte ihr das in der Übergabe gesagt.
Ja toll. Dann hab ich gesagt, dass er sicher nicht erzählt hat, wie er mich die ganze Zeit provoziert hat. ‚AAAAch das kann der gute Herr B. doch gar nicht! Der ist doch immer so ruhig und lieb!‘
Jaja, Arsch lecken. Schön, wie mir keiner glaubt. Habe das Gespräch dann beendet, weil ich echt keine Lust hatte, wieder so wütend wie gestern zu werden.

Als wir dann aus der Stadt kamen, sind wir ins Büro, um den Bedarf, der abgesetzt wurde, aus dem Umschlag für die nächsten 2 Wochen zu nehmen und wollten ihn eigentlich ersetzen. Naja, wie ich schon schrieb, war das Ersatzmedikament leer. Er sagte, nächste Woche würde neues kommen – ich könnte ja dann von meinen Eltern her fahren und noch was abholen. Ja klar, ich fahr eben 100 km um mir Tabletten zu holen, weil die es nicht geschissen kriegen, rechtzeitig welche zu bestellen!
Ich habe dann das abgesetze Medikament zurück in die Schachtel getan und wollte die Schachtel behalten, meinte, es wäre ja schließlich meins und zum weg schmeißen zu schade. Da hat er gesagt, ich soll es ihm geben. Ein paar Mal. Da wurde ich irgendwann trotzig, er wollte meinen Vater anrufen oder die Polizei, damit sie mir das mit Gewalt weg nehmen. Und fast wären mir die Sicherungen durch gebrannt und ich hätte sie alle auf einmal genommen, aus Trotz und um ihm zu zeigen, dass es sehr wohl meine sind und ich sie haben kann, wenn ich will.
Zum Glück habe ich es nicht gemacht! Da hätte ich mir ein Eigentor geschossen und die nächste Zeit in der geschlossenen verbracht, und wäre vielleicht sogar hier raus geflogen. Ich hab ihm die Medis dann gegeben, obwohl ich sie so gern behalten hätte.

Sagt mir, wie soll ich es lernen, verantwortungsbewusst mit Medikamenten umzugehen, wenn ich nie die Chance habe, es zu zeigen? Wenn ich nie beweisen kann, dass sich in dem einen Jahr was getan hat? Oft genug hätte ich die Möglichkeit gehabt, mich überzudosieren, aber hab ich es getan? Nein! Warum gibt mir niemand die Chance, es zu beweisen? Zu zeigen, dass es klappt? Oder wenigstens die Möglichkeit, es zu probieren. Aber nein, alle sagen immer nur, sie können das nicht. Aber die Chance, Möglichkeit, es zu lernen, bekommen ich auch nicht!

So, genug gemeckert. Ich hab meine Medis genommen und werde jetzt noch ein wenig lesen und dann schlafen. Gute Nacht 🙂

Heute

Ich sag ja, ich stehe morgens auf, als wenn nichts gewesen wäre. Ich hab nicht viel geschlafen, war etwas müde, aber es ging mir besser. Der Umzug von Freunden war lustig, aber auch anstrengend, aber es hat mir gut getan. Mir gehts deutlich besser als gestern.
Ich habe auch mit der Mama von L. geschrieben. Von der, die sich gestern umbringen wollte.
L. ist jetzt mit Beschluss in der Klinik, körperlich geht es ihr wohl ganz oke, nur seelisch halt nicht. Sie hat ja nicht ohne Grund versucht, sich das Leben zu nehmen.
Aber es tat gut, mit ihrer Mutter zu schreiben. Sie hat mir gesagt, wie liebevoll Luisa immer von mir redet und dass ich ihr echt wichtig bin. Das freut mich. Aber ich habe ihr auch gesagt, dass das eine zu große Verantwortung ist, die ich immer trage. Und dass es mich auch fertig macht. Sie versteht das und sagt, dass sie selbst überfordert ist und sie L. jetzt erstmal in der Klinik lassen wird, bis es ihr besser geht. Hilfe möchte sie immer noch nicht annehmen, weil sie meint, ihr kann eh keiner helfen. Ich kann sie ja verstehen, voll und ganz, viel zu oft ging es mir genauso. Aber es tut weh. Ich werde ihr einen Brief schreiben, Kontakt will ich schon, aber erstmal nicht so extrem. Wenn es ihr besser geht, werde ich sie auch besuchen fahren. Aber ich kann das im Moment nicht.
Ich mache mir so viele Vorwürfe, nicht vorher ihre Eltern kontaktiert zu haben. Ich habe ihr vertraut, als sie mir versprach, sich nichts anzutun. Da hätte ich eigentlich schon ihre Eltern anrufen müssen. Mich hat das sowieso eine riesen Überwindung gekostet… Aber ich möchte weiterhin für sie da sein, nur eben möchte und kann ich die Verantwortung nicht tragen. Gut, dass sie erstmal dort bleibt.
Sonst war mein Tag heute gut. Ich hab die Nacht ohne Rückfäll überstanden. Jetzt male ich ein bisschen und werde bald schlafen gehen, da ich echt kaputt bin…

Ich kann nicht mehr…

Ich bin am Ende. Ich kann einfach nicht mehr. Immer muss ich mich um alles kümmern, um die Sorgen aller. Oft muss ich irgendwen anrufen, weil irgendwer sich umbringen will. Ich muss immer stark sein, egal was ist. Ich kann einfach nicht mehr. Ich kann und will nicht mehr stark sein. Ich muss auf alle aufpassen – wer passt auf mich auf? Niemand. Ich muss immer alles alleine schaffen. Ich kann das nicht mehr. Ich will das nicht mehr.
Vorhin musste ich rum telefonieren, weil eine Freundin sich umbringen wollte. Hat Tabletten genommen, sich mit einer Freundin von uns getroffen, sie wollte aber nicht ins Krankenhaus. Ich hab ihre Eltern angerufen, die ich eigentlich nicht kenne, erzählt was los ist und nun kümmern die sich. Ich sitze hier und mitlerweile weiß ich nichts mehr. Ob ihre Eltern sie abgeholt haben, sie ins Krankenhaus gebracht haben, ich hab keine Ahnung.
Ich möchte doch einfach nur, dass auch jemand mal für mich da ist, mir sagt das irgendwann alles gut wird. Aber obwohl viele wissen, wie schlecht es mir geht, bin ich immer noch die Starke. Die, die immer alles aushalten kann.
Würde sich jemand so um mich sorgen, wenn ich mich umbringen will? Nein. Niemand würde auch nur etwas machen. Niemand würde sich verantwortlich fühlen.
Und ich fühle mich immer verantwortlich. Ich kann nicht mehr. Ich kann das nicht mehr. Aber ich kann die doch alle nicht im Stich lassen…
Am liebsten würde ich zu D. fahren. Er soll mich in Arm nehmen, auf mich aufpassen, mir einen Tee kochen und sagen, dass alles wieder gut wird. Wie früher, als er mein bester Freund war.
Doch ich muss immer alles alleine schaffen. Wie immer. Niemand versteht mich, niemand kann nachvollziehen wie es mir warum geht, niemand interessiert es.
Ich kann einfach nicht mehr… ich hab keine Kraft mehr… Aber was soll ich machen?